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StartseiteVerbrauchertippHilfen zum Ausstieg aus der Nikotin-Sucht11.04.2017

Pflaster, Kaugummis und mehrHilfen zum Ausstieg aus der Nikotin-Sucht

Entscheidet sich ein Raucher dem gesundheitsschädlichen Glimmstängel abzuschwören, dann muss oft eine Ersatzbefriedigung her. Nikotinkaugummis oder -sprays können zum Beispiel beim Aufhören helfen.

Von Hilde Braun

Ein voller Aschenbecher auf dem Gartentisch eines Restaurants (Lino Mirgeler / dpa)
Rauchen ist nicht mehr cool oder schick, sondern eher verpönt. (Lino Mirgeler / dpa)
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Der erste Schritt ist auch beim Rauchen der schwerste, aber er muss radikal gemacht werden, schrittweises Aufhören funktioniert nicht. Der Wille muss da sein und der Raucher muss zuvor verstanden haben, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, nicht nur für ihn, sondern auch für andere. Helmut Teschler ist Chefarzt am westdeutschen Lungenzentrum, der Ruhrlandklinik in Essen:

"Derjenige, der das schafft, wird in der Anfangsphase erleben, dass er vegetative Reaktionen hat, er schwitzt leichter, er ist leichter gestresst, vielleicht merken die Mitmenschen, dass er irgendwie innerlich aufgewühlter ist. Aber da muss man durch und das eben eventuell mit professioneller Hilfe."

Ersatzbefriedigung suchen

Deshalb ist es auch wichtig, seinem Umfeld anzukündigen, dass man mit dem Rauchen aufhören möchte, um zudem moralische Unterstützung zu bekommen. Und: Eine Ersatzbefriedigung muss her, denn oft wird in einem gewöhnten Rahmen geraucht, weiß Diplompsychologe Erwin Becker:

"Was ich schon erlebt habe, dass Leute mit Rauchen bestimmte Situationen verbinden: Also ganz viele rauchen nach dem Essen zum Kaffee, oder rauchen in der Pause, und das waren Situationen die auf Dauer schwierig waren zu beherrschen."

Statt der Zigarette kann jede Art von Ablenkung helfen. Beispielsweise ein Getränk, etwas zu essen, ein Bonbon. Besser als reiner Konsum ist aber eine Ausweichtätigkeit, empfiehlt Helmut Teschler. Ideal ist dafür leichter Ausdauersport, der sich auch gut in den Alltag integrieren lässt:

"Immer dann wenn die Möglichkeit besteht, 'Ich habe hohes Suchpotenzial und müsste eigentlich was rauchen': 100 Meter gehen, 200 Meter gehen oder 500 Meter gehen, je nach dem was der Arbeitsplatz zulässt. Möglicherweise im Gebäude Treppen hoch, Treppen runter. Das ist ein Versuch wert."

Je nach Abhängigkeit sind aber weitere Hilfen nötig. Am häufigsten werden in Deutschland Nikotinpflaster verwendet. Sie werden je nach Sucht hoch dosiert - ersetzen aber nicht den Nikotin-Kick, den der Konsum einer Zigarette dem Raucher schnell verschafft. Helmut Teschler:

"Wenn Sie eine Zigarette rauchen, wird Nikotin innerhalb von 10 bis 20 Sekunden im Gehirn an den Raucherrezeptoren angekommen sein und entfaltet dort seine Wirkung. Das Pflaster erhöht aber konstant die Dosis."

Nikotinkaugummis oder Nikotinsprays

Hier helfen beim plötzlichen Suchtgefühl Nikotinkaugummis oder Nikotinsprays. Die Dosis des Nikotinpflasters wird über die Zeit langsam heruntergefahren, die Kaugummis werden beibehalten. Auch diese werden dann langsam reduziert. Der gesamte Entwöhnungsprozess kann also mehrere Wochen dauern. Das persönliche Umfeld des Rauchers spielt dabei eine wichtige Rolle.

"Wenn meine Arbeitskollegen rauchen, wenn in der Familie geraucht wird, mein Partner raucht, wenn meine Wohnung eine Raucherwohnung ist, dann wird es schwieriger. Dann wird es Zeit, den Profi um Rat zu fragen, dazu es gibt eine ganze Reihe Lungenärzte, die sich spezialisiert haben, Psychiater die sich spezialisiert haben, und die dadurch Profis geworden sind."

Ein Rückfall sollte bei der Raucherentwöhnung kein Drama sein. Wichtig ist hier, dass die Menschen im Umfeld nicht abstrafen, sondern motivieren, begleiten und erklären, dass das Aufhören gut und wichtig ist. Und ist es geschafft, blickt der Ex-Raucher auf einen schönen Erfolg, Helmut Teschler:

"Wer zehn Jahre nicht geraucht hat, hat sein Risiko an einem raucherassoziierten Tumor zu sterben, dramatisch gesenkt. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, ist nach Monaten gesenkt, und das Geschmacksempfinden ist nach Wochen wieder da."

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