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StartseiteVerbrauchertippGut vorbereitet auf den Besuch vom Medizinischen Dienst24.08.2017

PflegegutachtenGut vorbereitet auf den Besuch vom Medizinischen Dienst

Seit der Pflegereform haben Menschen mit geistigen oder dementiellen Erkrankungen bessere Chancen, Geld aus der Pflegekasse zu erhalten. Welche Leistungen sie in Anspruch nehmen dürfen, entscheidet jeweils ein Gutachter des Medizinischen Dienstes. Auf dessen Besuch sollten sich Betroffene und ihre Angehörigen gut vorbereiten.

Von Claudia Rometsch

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Pflegerin Susi Weber im Seniorenhaus St. Angela Bornheim (Nordrhein-Westfalen) am 28.05.2013 mit Bewohner Jakob Theis. Täglich müssen Pflegekräfte in Seniorenheimen ihre Tätigkeiten in der Pflegedokumentation dokumentieren. (imago / epd)
In welchen der fünf Pflegegrade ein Pflegebedürftiger eingestuft wird, entscheidet ein Gutachter des Medizinischen Dienstes. (imago / epd)
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Wichtigste Änderung seit Jahresbeginn: Bislang zählten bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit eines Patienten fast ausschließlich körperliche Einschränkungen. Jetzt wird auch berücksichtigt, ob Menschen aufgrund von psychischen Problemen oder Demenz Hilfe brauchen, erklärt Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes, kurz MDS.

"Da wird geschaut, können Sie noch sich erinnern, wissen sie was für ein Tag ist, wissen sie, ob Sie gegessen haben, wissen Sie, ob Sie die Medikamente genommen haben. Und auch die Alltagsgestaltung. Kann jemand noch soziale Kontakte pflegen, kann er das alleine oder braucht er da Unterstützung. Das wird jetzt auch bei der Pflegebedürftigkeit mit berücksichtigt." 

Damit haben Demenzkranke oder psychisch beeinträchtigte Menschen wesentlich bessere Chancen, in einen der fünf Pflegegrade eingestuft zu werden. Dennoch: Auch gute Vorbereitung auf den Besuch des Medizinischen Dienstes kann über den Erfolg entscheiden.

Fragen vorab einsehbar

"Das Wichtigste ist erst mal, dass man die Unterlagen, die man hat, bereitlegt. Zum Beispiel Arztberichte, oder Entlassungsbericht aus dem Krankenhaus oder der Reha geben gute Hinweise auf die Pflegebedürftigkeit und die zugrunde liegenden Krankheiten. Wichtig ist der Medikamentenplan. Und wenn ein Pflegedienst schon da ist, auch die Pflegedokumentation." 

Der Gutachter wird bei seinem Besuch viele Fragen stellen. Zum Beispiel: Kann der Pflegebedürftige ohne Hilfe aufstehen? Kann er sich noch selbst waschen? Ist er in der Lage, mit anderen Menschen zu kommunizieren? Um darauf vorbereitet zu sein, kann der Betroffene sich den Fragenkatalog des Medizinischen Dienstes vorab besorgen. Man findet die Fragen auf der Internetseite des MDS unter der Rubrik "Richtlinien und Publikationen".

Catharina Hansen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, "dass man die gemeinsam, also am besten mit einem Angehörigen, schon mal durchgeht, und sich dazu Gedanken macht. Vielleicht Beispiele sammelt aus dem Alltag, wann welche Probleme auftauchen, damit man in der Situation dann entsprechend auch argumentieren kann."

Ein Angehöriger sollte immer dabei sein

Dazu sollten sich Betroffene am besten Notizen machen. Ganz wichtig: Beim Besuch des Gutachters sollte ein Angehöriger dabei sein - oder alternativ eine andere Person, die den Patienten gut kennt. Denn es passiert immer wieder, dass Pflegebedürftige ihre Situation viel besser darstellen als sie ist.

MDS-Geschäftsführer Pick empfiehlt: "Wenn ein Angehöriger bei der Begutachtung dabei ist und er merkt, dass doch die tatsächlichen Probleme und Schwierigkeiten nicht offen angesprochen werden, sollte man da auch vorsichtig drauf hinweisen. Der Gutachter wird da sehr drauf achten, denn der braucht ein umfassendes Bild. Und deshalb sind Hinweise der Angehörigen an der Stelle auch sehr wichtig."

Fast jeder zweite Widerspruch ist erfolgreich

Nach dem Besuch des Medizinischen Dienstes wird das Gutachten dem Antragsteller normalerweise automatisch zugeschickt.

"Man wird aber vom Gutachter häufig gefragt: Oder möchten Sie das gar nicht haben? Und dann sollte man natürlich sagen: Natürlich möchte ich das vollständige Gutachten haben."

Denn das wird gebraucht, falls die Pflegekasse den Antrag ablehnt, oder aber der Pflegebedürftige meint, er sei zu niedrig eingestuft worden. In diesem Fall sollte man prüfen: Wurden im Gutachten möglicherweise wichtige Punkte ausgelassen? Dann kann der Antragsteller Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Das geht innerhalb von vier Wochen nach Eingang des Bescheids. Das kann sich lohnen. In rund 44 Prozent der Fälle sind Widersprüche erfolgreich.

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