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Pflegen mit Diplom

Untersuchung des Wissenschaftsrats zur Akademisierung von Pflegeberufen

Von Philip Banse

Sollen Pflege künftig einen akademischen Grad haben?
Sollen Pflege künftig einen akademischen Grad haben? (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)

Ähnlich wie bei Erzieherin stellt sich im Pflegebereich die Frage nach akademischen Abschlüssen. Der Wissenschaftsrat hat dazu den Status quo und einen Ausblick auf die Konzeption von Studiengängen gegeben.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt: Fachpersonal in der Pflege soll künftig einen akademischen Abschluss haben, sagt Professor Hans-Jochen Heinze, Direktor am Universitätsklinikum Magdeburg und Vorsitzender des Medizinausschusses des Wissenschaftsrats.

"Wir sagen, dass in komplexen Aufgaben bei Pflege- und Therapieberufen sowie in der Geburtshilfe tätigem Fachpersonal künftig an Hochschulen ausgebildet werden."

Ziel sei es nicht, dass alle Pfleger studiert sein müssen. Zehn bis 20 Prozent der Pfleger, Geburtshelfer, Physio-, Ergo- Logotherapeuten sollten ein Hochschulstudium haben.

"Die Angehörigen der Fachberufe, die mit den besonders komplexen Aufgaben betraut sind, die müssen in der Lage sein, ihr Handeln auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren. Sie müssen evidenzbasiert ihr Handeln überprüfen können und sie müssen ihr Handeln darauf hin anpassen können. Unserer Ansicht nach werden diese akademischen Eigenschaften nicht an den Berufsschulen für die Gesundheitsfachberufe vermittelt und können nicht einfach dadurch vermittelt werden, dass man an diesen berufsbildenden Schulen eine Weiterentwicklung durchführt."

Denn die Ansprüche der Pflege wüchsen, so der Wissenschaftsrat. Menschen werden immer älter und je älter sie werden, desto mehr Krankheiten wie Demenz kommen auf die Pfleger zu. Außerdem schreitet die Medizin voran: Mehr Technik, mehr Digitalisierung, mehr

Kommunikation erforderten für einen bestimmten Teil der Therapie- und Pflegeberufe sowie der Geburtshelfer eine akademische Ausbildung. Es ginge nicht darum, dass alle Pfleger bald studiert haben müssten:

"Wir wollen die direkte Arbeit am Patienten besser machen entsprechend den Erfordernissen, die wir haben. Der generalistisch ausgebildete Praktiker, das schwebt uns als Ergebnis einer Bachelorausbildung vor, der in der Lage ist eigenständig in multi-professionellen Teams zu arbeiten, Leitungsaufgaben übernehmen und Qualitätssicherung durchführen kann."

Diese Ausbildung sei auch deshalb wichtig, weil nicht alle Aufgaben von Ärzten gemacht werden müssten. Auf dem Land, wo es zu wenige Ärzte gebe, könnten studierte Pfleger gute Dienste leisten. Der Wissenschaftsrat hat auch skizziert, was die neuen Studiengänge aussehen, was sie leiten sollen:

"Die grundständigen Studiengänge sollen ausgebaut werden mit dem Ziel - und das ist ganz wichtig - eines zur unmittelbaren Tätigkeit am Patienten befähigenden Bachelorabschlusses. Wir empfehlen die primär-qualifizierende Gestaltung, das heißt, dass eine Hochschule mit einer praktischen Einrichtung kooperiert. Wir empfehlen darüber hinaus aber auch ausdrücklich eine akademische Weiterbildung für erfahrende Mitarbeiter, Schwestern, Pfleger, andere Therapeuten, die jahrelang Berufserfahrung haben, müssen ebenfalls die Möglichkeit haben, wenn sie das möchten und ihre Aufgaben das verlangen, sich akademisch weiter zu bilden."

Das bedeutet natürlich: neue Studienplätze. 2010 gab es 1100 Studierende in Pflege-Studiengängen. Diese Studiengänge bildeten jedoch nicht alle für die Pflege am Bett aus, kritisiert der Wissenschaftsrat und fordert neue Studienplätze. In der Pflege 5400, Therapie bis 1100, Hebammenwesen bis zu 50. Insgesamt also rund 6500 neue Studienplätze. Wenn man einen Studienplatz mit 50.000 pro Jahr ansetzt, würde diese akademisierte Pflege 325 Millionen Euro pro Jahr kosten. Das müssen die Länder wollen und bezahlen, sagt der Wissenschaftsrat. Hinzu kommt natürlich, dass studierte Pfleger mehr verdienen wollen. Es gelte jedoch nicht nur das Studium zu verbessern, so der Wissenschaftsrat. Auch Lehre und Forschung müssten ausgebaut werden, sagt der Wissenschaftsrat. In Skandinavien etwa sei es Alltag das Pflegefragen erforscht und in Journals behandelt werden: Wie sieht die optimale Mundpflege aus? Wie sieht ein gutes Fiebermanagement aus? Wie bettet man Menschen, ohne, dass die Druckstellen bekommen? Das werde in Deutschland nicht erforscht, sagt Regierungsberater Professor Hans-Jochen Heinze:

"Da sind Defizite, ganz klar, in Pflegeberufen, in Gesundheitsfachberufen. Das ist in Deutschland kaum entwickelt. Das ist ein Potenzial, was ausgebaut werden muss. Und dabei spielen die Universitäten eine große Rolle. Sie müssen helfen, dass diese Forschungsbereich weiter entwickelt werden und das bedeutet auch, dass wir wissenschaftliche Karrierewege ausbauen müssen. Die fehlen bislang einfach."

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