Sonntag, 17.12.2017
StartseiteMusikjournal"Ein sehr disparater akustischer Eindruck"06.03.2017

Pierre-Boulez-Saal in Berlin"Ein sehr disparater akustischer Eindruck"

Berlins neue Konzertstätte, der Pierre-Boulez-Saal, habe seine Qualitäten, werde aber sicher kein leicht zu bespielender Raum sein, sagte Musikredakteur Christoph Schmitz im DLF. Der Klang sei von der Positionierung der Musiker und vom Sitzplatz abhängig. Schmitz saß bei der Eröffnung im Parkett. Dort habe es sehr trocken und nüchtern geklungen. Oben in den Rängen scheine sich hingegen die Musik zu entfalten.

Musikredakteur Christoph Schmitz im Gespräch mit Raoul Mörchen

Der Pierre Boulez Saal in der Barenboim Said Akademie in Berlin ist am 04.03.2017 in der Pause des Eröffnungskonzerts fast menschenleer. (picture alliance / dpa - Maurizio Gambarini/dpa)
"Es ist ein Salle modulable, wie es Pierre Boulez immer gefordert hatte", erklärte Schmitz. (picture alliance / dpa - Maurizio Gambarini/dpa)
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Eine abschließende Beurteilung des neuen Konzertraums dürfe aber noch nicht vorgenommen werden, betonte Schmitz. Es gebe Schwächen, mit denen man arbeiten müsste. "Wenn die Musiker richtig positioniert sind, dann klingt es sehr trocken, sehr transparent. Es ist sicherlich nicht leicht, für die Musiker hier den Klang zu entwickeln." 

Die Idee bei heutigen Konzertsälen - wie auch bei der Elbphilharmonie - sei oft,  die eines demokratischen Forums, in dem von allen Seiten auf die Mitte geschaut werden kann. "Das ist akustisch wohl nicht zu lösen", sagte Schmitz. Das Gute am Pierre-Boulez-Saal sei allerdings, dass dieser zu einem Amphitheater umgebaut werden könne: "Das heißt, die Ränge unten im Parkett kann man vertiefen, sodass man von einer Seite spielt und im 180-Grad-Winkel von vorne säße dann das Publikum. Dann wäre man fast wieder bei der klassischen Konzertsaal-Anordnung."

Eine ellipsenförmige Halle für Musik

Der Konzertsaal, der 680 Besuchern Platz bietet, sei ein Salle Modulable, wie ihn Pierre Boulez gefordert habe. "Eingebaut wurde das ganze in eine Art Schuhkarton, einem Quader. Frank Gehry [der Architekt] hat in diesen Schukarton eine ellipsenfrömige Halle für Musik eingebaut. Aus sehr hellem Zedernholz. Es gibt ein Parket, das arenaartig aufgebaut ist. In der Mitte ein ovales Parkett zum Spielen und darüber gelagert auch oval: zwei Ränge übereinander." Das habe etwas Schwungvolles, wie die Musik oder wie eine Art Welle.

Das Gesamtprojekt aus Akademie und neuer Konzertsaal hat laut DLF-Redakteur Schmitz "eine gewaltige gesellschaftliche Dimension". Es sei nicht nur eine private Musikhochschule und ein Konzertsaal entstanden. Es gehe, so Schmitz, bei diesem Projekt um Völkerverständigung, den jüdisch-arabischen Konflikt, um Weltfrieden, um internationale Verständigung - "und das mitten in Berlin".

Daniel Barenboim im noch unbesetzten Pierre-Boulez-Saal der neuen Akademie (picture alliance / dpa  / Klaus-Dietmar Gabbert)Dirigent Daniel Barenboim hat eine Musikakademie gegründet und nun den Saal dazu eröffnet. (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Mehr als ein Konzertsaal

Neben dem Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Daniel Barenboim und dem Architekten Frank Gehry hat Akustiker Yasuhisa Toyota mitgewirkt. Letzterer ist auch verantwortlich für den Klang der am 11. Januar 2017 eröffneten Elbphilharmonie in Hamburg. Der Konzertsaal in Berlin, der den Namen des verstorbenen französischen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez trägt, ist Teil einer Musikakademie. Diese hat Daniel Barenboim gegründet, um Musikstudenten aus der arabischen Welt und Israel zusammenzubringen. An der Barenboim-Said-Akademie sollen bis zu 90 Studenten ausgebildet werden. 

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