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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Ozean als Müllkippe 18.08.2015

Plastik-Verschmutzung Der Ozean als Müllkippe

Etwa zehn Millionen Tonnen Folien, Tüten und Verpackungen aus Plastik gelangen jedes Jahr in die Weltmeere und richten dort großen, aber vor allem langfristigen Schaden an. Eine Informationskampagne des Naturschutzbund Deutschland und der Stiftung Sea Life will auf die immense Meeresverschmutzung aufmerksam machen.

Von Verena Kemna

Eine Plastiktüte schwimmt ähnlich wie eine Qualle im Meer. Die Sonne scheint von oben auf die Tüte, der Rand ist dunkel. (imago/Bluegreen Pictures)
Plastiktüten brauchen bis zu 20 Jahre, bis sie im Meer zerfallen, Wegwerfwindeln sogar satte 450. (imago/Bluegreen Pictures)
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Im SeaLife Aquarium in Berlin Mitte sprudelt es in einem Wasserbecken. Auf einem künstlichen Stein liegt ein Hummer aus Plastik. Darüber hängt ein meterlanger Schweinswal, geformt aus Maschendraht. Das Innere ist gefüllt mit bunten Plastikteilen. Eine Informationskampagne des Naturschutzbund Deutschland und der Stiftung Sea Life soll auf die immense Meeresverschmutzung aufmerksam machen. Wer in diesen Tagen vor den Wasserbecken der weltweit größten Aquarienkette Fische und Schildkröten bestaunt, erfährt außerdem, dass etwa drei Viertel des Mülls in den Weltmeeren aus Plastik besteht. Andy Bool vom Vorstand der Sea Life Stiftung:

"Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Meere. Das meiste Plastik kommt dabei vom Land. Je nachdem, ob die Menschen dort sorgsam mit Plastikmüll umgehen oder nicht, enden die Plastikmengen in Flüssen, die wiederum ins Meer führen. Das Plastik in den Meeren verschwindet nicht so einfach. Es dauert ewig bis es sich in immer kleinere Partikel zersetzt, es verschwindet nicht."

Eine Wegwerfwindel zersetzt sich erst nach 450 Jahren

Plastiktüten brauchen bis zu 20 Jahre, bis sie im Meer zerfallen. Etwa zehn Millionen Tonnen, Folien, Tüten und Verpackungen gelangen jedes Jahr in die Weltmeere. Der meiste Müll stammt vom Festland. Etwa 20 Prozent fallen direkt auf See an, auf Schiffen, aus der Fischerei oder von Offshore-Industrieanlagen.

Im Ausstellungsraum von Sea Life in Berlin-Mitte steht eine blaue Tonne voller Plastikmüll. Mit einem Greifer lassen sich einzelne Stücke herausangeln. Da steht dann zum Beispiel, dass eine Wegwerfwindel sich erst nach 450 Jahren zersetzt. Zigarettenkippen, deren Filter aus dem Kunststoff Celluloseacetat bestehen, brauchen bis zu fünf Jahre. Die Meere sind wahre Müllhalden meint Eick von Ruschkowski, Umweltwissenschaftler beim Naturschutzbund Deutschland. Allein auf dem Grund der Nordsee lagern etwa 600.000 Kubikmeter Müll.

"Es gibt sogenannte Müllstrudel. Der bekannteste ist der im Pazifik, der great pacific garbage patch. Wobei man sagen muss, da fährt man nicht hin und sieht an der Oberfläche ganz viel Plastikmüll, der befindet sich überwiegend unter der Wasseroberfläche. Aber es ist so, dass ganz viele Tiere die sich vom Ozean ernähren, sprich, Säugetiere und Vögel betroffen sind."

Zahlreiche Schildkröten sterben durch Plastik im Magen

Seevögel verwechseln die Plastikschnipsel mit Futter. So hätte fast jeder tot aufgefundene Eissturmvogel Plastik im Magen, sagt Umweltwissenschaftler Ruschkowski. Auch Schildkröten verwechseln im Meer treibende Plastiktüten mit Quallen, sie fressen die Tüten und sterben qualvoll.

"Man weiß es eben vom Pazifik, dass die Albatrosse dort sehr viel Plastik zu sich nehmen und einfach verhungern. Der Magen ist voll, es ist ein Sättigungsgefühl da, aber sie haben keine Nahrung zu sich genommen. Genauso betrifft das Fische, gerade wenn es um Mikroplastikartikel geht, also relativ kleine Plastikteilchen. Die Fische nehmen das als Nahrung auf, haben einen vollen Magen und verhungern. Von daher ist die ganze Nahrungskette im Ozean betroffen."

Wissenschaftler warnen vor den Risiken. Denn Bisphenol A, ein gefährlicher Inhaltsstoff im Plastik, Weichmacher und auch Flammschutzmittel reichern sich in Meerestieren an und gelangen so in die Nahrungskette. Meere schützen, Tipps für den Alltag, heißt es auf einem NABU-Banner im Sea-Life Ausstellungsraum. Plastikfreie Verpackungen, Mehrwegflaschen und Einkaufstragetaschen sind genauso ratsam wie saisonale Speisen und Fischprodukte aus nachhaltiger Produktion. Fast Food und Essen to go dagegen machen jede Menge Müll. Aber auch Kosmetikprodukte können Plastik enthalten, meint Eick Ruschkowski vom Naturschutzbund Deutschland.

"Insbesondere, wenn man jetzt Zahnpasta oder Peelings kauft, da ist auch ganz häufig Mikroplastik mit beigemischt. Das sind die Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind, das sind aber die Partikel, die gerade bei der Ernährung von Fischen besonders dramatische Auswirkungen haben weil die das eben mit Plankton verwechseln und als Nahrung aufnehmen."

Laut der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie soll bis zum Jahr 2020 ein guter Umweltzustand der europäischen Meere erreicht werden. So sind unter anderem die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, damit Abfälle im Jahr 2020 keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten und Meeresumwelt haben. Die Ausstellung von NABU und Sea Life Trust ist bis November in allen acht deutschen Sea Life Aquarien zu sehen.

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