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StartseiteUmwelt und VerbraucherKatastrophale Folgen für die Natur24.02.2014

PlastiktütenKatastrophale Folgen für die Natur

Plastiktüten sind eine echte Zivilisationsplage - besonders in Ländern, wo die Abfallentsorgung nur unzureichend oder gar nicht funktioniert. In den Ozeanen sammeln sie sich nicht nur im Wasser, sondern finden sich in Mägen von Vögeln, Fischen und anderen Meeresbewohnern wieder. Das Umweltbundesamt fordert erneut eine Bezahlpflicht.

Von Dieter Nürnberger

Plastiktüten (picture alliance / dpa /Patrick Pleul)
Plastiktüten sind schädlich für die Umwelt. (picture alliance / dpa /Patrick Pleul)
Weiterführende Information

"Mehrweg ist besser als Einweg" (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 17.02.2014)

Siedlungszone Plastiktüte (Deutschlandradio Kultur, Mahlzeit 21.12.2013)

Die Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr - da sind sich die heute in Berlin versammelten Experten einig. Obwohl sich die heute vorgestellten Zahlen noch weitgehend auf das Jahr 2010 beziehen: Der Trend sei eindeutig belegbar, heißt es. So wurden nahezu 100 Milliarden Plastiktüten in der gesamten EU 2010 in den Verkehr gebracht. Und die weltweite Produktion von Plastik werde sich generell bis 2050 noch einmal verdreifachen. Da alles habe natürlich Auswirkungen auf die Umwelt, besonderes auf die Meeresumwelt, sagt Stefanie Werner, sie ist Abfallexpertin des Umweltbundesamtes:

142 Millionen Tonnen Müll in den Weltmeeren

"Wir gehen davon aus, dass wir bis 142 Millionen Tonnen Müll bereits in unseren Weltmeeren haben. Jährlich kommen rund 10 Millionen Tonnen dazu. Die Kunststoffe verbleiben in der Meeresumwelt, teilweise über Jahrhunderte. Dementsprechend wird dieser Müll immer kleiner und Mikroplastik, die übrig bleibenden Kleinstpartikel, zersetzen sich wahrscheinlich nie. Selbst wenn wir jetzt alle diese Einträge stoppen würden, was auch absolut wünschenswert wäre, würde dieses Mikroplastik in den kommenden Jahren dennoch immer mehr werden."

Für die Experten sind solche Erhebungen natürlich alarmierend. Das ist nicht nur ein optisches Problem - sprich: Badegäste beispielsweise müssen mit immer mehr verschmutzten Wasser leben. Es ist vor allem für die maritime Vogelwelt eine große Bedrohung. Stefanie Werner nennt ein recht anschauliches Beispiel.

Tiere verenden am Plastikmüll

"Das ist ein kleiner Verwandter des Albatros: der Eissturmvogel. Dieser Vogel ernährt sich ausnahmslos auf hoher See, er kommt zur Nahrungsaufnahme also gar nicht an Land. In der Nordsee hat jeder Eissturmvogel inzwischen im Schnitt 35 Plastikpartikel im Magen. Überträgt man diesen Wert auf einen menschlichen Maßstab, entspricht dies ungefähr einer Brotdose voller Kunststoffe. Das führt zu inneren Verletzungen, zu Verstopfungen. Dem Tier wird dadurch auch ständig suggeriert, dass es satt sei. Im schlimmsten Fall verhungern sie."

Innerhalb der Europäischen Union ist das Plastikmüll-Problem derzeit auch Gegenstand vieler Debatten und Initiativen. So hat beispielsweise die Europäische Kommission in einer Stellungnahme Ende des vergangenen Jahres deutlich gemacht, dass mehr unternommen werden muss. Im Moment werden vorhandene Richtlinien auf ihre Tauglichkeit abgeklopft und auch Verbesserungsvorschläge gemacht. Neben der Vermeidung von Müll sei vor allem auch ein strengeres Recyclingziel notwendig. Die Kommission denkt langfristig an eine Recyclingquote von rund 80 Prozent.

Es wird wohl so sein, dass die Einzelstaaten der EU weitgehend Gestaltungsspielraum haben werden, diese Ziele zu erreichen. Der amtierende Präsident des Umweltbundesamtes favorisiert hier eher das Beispiel Irland, welches auf diesem Gebiet schon Erfolge vorweisen könne. UBA-Chef Thomas Holzmann:

"Irland hat eine Abgabe eingeführt und wie wir mit Interesse verfolgt haben - auch mit sehr großen Erfolg. Irland hat mittlerweile den geringsten Tütenverbrauch pro Kopf in Europa."

Auch abbaubare Plastiktüten sind ein Problem

Ein anderes Länderbeispiel ist Italien. Hier wurde Plastiktüten, die nicht biologisch abbaubar sind, inzwischen verboten. Doch der Weisheit letzter Schritt sei dies nicht, sagt beispielsweise auch Marianne Muller von der Generaldirektion Umwelt bei der Europäischen Kommission.

"Was wir jetzt wissen ist: Diese Art von Plastik ist nur abbaubar unter wirklich kontrollierten Umständen. Es müssen gewisse Temperaturen und auch eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden sein. Diese Bedingungen sind aber nicht in den Ozeanen zu finden. Biologisch abbaubare Tüten fallen vielleicht etwas schneller auseinander. Doch auch bei ihnen diese Mikroplastik-Teilchen übrig. Sie bleiben somit genauso in den Ozeanen und sind genauso schädlich."

Also: Auch abbaubare Plastiktüten sind ein Umweltproblem. Aus diesen Gründen erneuerte heute auch das Umweltbundesamt die Forderung, künftig eher auf eine ausgeweitete Plastiktüten-Abgabe, eine Bezahlpflicht, in Deutschland zu setzen.

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