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StartseiteCampus & Karriere"Police Academy" in Niedersachsen03.03.2006

"Police Academy" in Niedersachsen

In Nienburg entsteht Deutschlands erste Polizeiakademie für Aus- und Fortbildung

Die niedersächsische Landesregierung hat im Rahmen ihrer Verwaltungsmodernisierung ein neues Konzept für die Aus- und Fortbildung in den Bereichen Allgemeine Verwaltung, Rechtspflege, Steuerverwaltung und Polizei beschlossen. Die Aus- und Fortbildung der Polizisten soll jetzt unter dem Dach einer bundesweit einmaligen Berufsakademie zusammengeführt werden.

Von Karen Metzger

Praxisorientierter soll künftig die Ausbildung der Polizisten in Niedersachsen aussehen.  (AP)
Praxisorientierter soll künftig die Ausbildung der Polizisten in Niedersachsen aussehen. (AP)

Wirtschaftlicher, flexibler und praxisorientierter – so soll künftig die Aus- und Fortbildung der Polizisten in Niedersachsen aussehen. Spätestens im Herbst 2007 will die bundesweit erste Berufsakademie der Polizei in Nienburg an der Weser ihren Betrieb aufnehmen. Dazu werden die Fakultät der Polizei der Fachhochschule in Hildesheim und das Bildungsinstitut der Polizei in Hannoversch-Münden unter diesem neuen Dach zusammengelegt. Die anderen beiden niedersächsischen Studien-Standorte Hannoversch-Münden und Oldenburg sollen weiterhin bestehen bleiben. Außer vielen Synergie-Effekten bietet die neue Akademie vor allem eines, so der Planungsbeauftragte Johannes-Jürgen Kaul:

"Wir wollen in der Neuausrichtung etwas mehr weg von der Wissenschaftlichkeit. Uns bei den Inhalten beschränken auf die Inhalte, die wichtig sind. Also der Absolvent der Berufsakademie muss nach seinem Studium in der Lage sein, Alltagssachverhalte des polizeilichen Einzeldienstes lösen zu können. Dabei kommt es darauf an, dass er das rechtsicher und handlungssicher tut und entscheidungssicher ist."

Schon öfter wurde kritisiert, dass das Studium nicht ausreichend praxisorientiert sei. Daniela Rex-Eberhardt hat bereits eine Ausbildung zur Polizistin abgeschlossen und studiert jetzt, um eine höhere Laufbahn einzuschlagen. Sie kann die Kritik nachvollziehen:

"Mein geschiedener Ehemann hat auch das Studium gemacht und ich musste schon ein bisschen schmunzeln, was er gelernt hat im Abschlussstudium. Er konnte teilweise mit manchen Begriffen, die wir aber tagtäglich draußen brauchen, gar nichts anfangen. Ich habe auch einige mit ausgebildet im Einzeldienst, die waren, ja, wirklich niedlich, die hatten Verkehrsunfälle nicht, keine Blutprobenentnahmen durchgenommen. Und wenn das jetzt umgestellt wird, dann ist das bestimmt besser."

Für ihren Dozenten Bernd Kirschning ist die Kritik, im Polizeistudium fehle es an Praxiserfahrung, ungerechtfertigt:

"Wir haben mindestens einen Praxisanteil von 50 Prozent durch die Praktika. Natürlich sind die Dienststellen immer so gehalten zu sagen, wir brauchen einen fertigen Polizisten. Den kann eine theoretische Ausbildung natürlich nicht liefern. Die Ausbildung in der jetzigen Form halte ich für gut, ausreichend und hoch qualifiziert."

An der künftigen Ausrichtung der Studieninhalte an der neuen Akademie in Nienburg wird derzeit noch gearbeitet. Sicher ist aber bereits - statt eines Diploms wird es den international anerkannten Bachelor-Abschluss geben. Der Dekan der Fakultät Polizei, Wolfgang Mertha, hält die Umstrukturierungen für sinnvoll, macht sich aber auch Sorgen:

"Insbesondere was eventuell die Reputation anbelangt, wird eine Berufsakademie der Polizei innerhalb einer Hochschullandschaft natürlich auf Akzeptanzprobleme stoßen. Denn wir haben ja das Ziel eine gleichwertige Ausbildung mit neuen Strukturen zu schaffen. Wir werden zumindest in der Anfangsphase erst mal auch um unsere Reputation zu kämpfen haben, dass wir innerhalb der Hochschullandschaft anerkannt werden, dass wir auch unter veränderten Bedingungen eine gleichwertige Ausbildung gewährleisten können."

Durch die Zusammenlegung der polizeilichen Aus- und Fortbildung sollen jährlich mindestens 3,2 Millionen Euro eingespart werden. Das hält die SPD-Opposition für unrealistisch, denn in Nienburg müsse zum Teil noch eine Infrastruktur für die neue Akademie geschaffen werden. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Heiner Bartling, befürchtet außerdem:

"Dass die Polizeiakademie eine zu stringente, nur an polizeiorientierten Gesichtspunkten arbeitet und das gesellschaftliche Umfeld, in dem sich der Polizeibeamte heute bewegen muss, zum Teil ausblendet. Durch diese Fokussierung auf ein rein polizeiliches Ausbildungspersonal würde diese Tendenz befördern."

Für die meisten Dozenten und Studenten bedeutet das Zusammenlegen der bisherigen Polizeibildungsstätten zur neuen Akademie vor allem viel Aufwand. Daniela Rex-Eberhardt darüber, wie die Stimmung unter ihren Kommilitonen ist:

"Zum größten Teil nicht gut. Weil Nienburg dafür zu abgelegen ist von der Anfahrt. Für viele aus meinem Leersaal ist es schlecht und die sind dagegen."

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