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Politikwissenschaftlerin: Sieg für das multikulturelle Amerika

Cathleen Fisher: Demografischer Wandel gab Ausschlag für Obama

Cathleen Fisher im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann

Beim Werben um die Jungen hatte Obama offenbar die Nase vorn - auch wenn dieser Junge in Ohio noch keine Stimme abgeben durfte.
Beim Werben um die Jungen hatte Obama offenbar die Nase vorn - auch wenn dieser Junge in Ohio noch keine Stimme abgeben durfte. (picture alliance / dpa / Pete Souza)

Für die US-Politologin Cathleen Fisher zeigt die Wiederwahl Barack Obamas, dass die jungen Wähler, Frauen und Hispanoamerikaner an Einfluss gewinnen. Darauf werde die unterlegene Republikanische Partei reagieren müssen.

Dirk-Oliver Heckmann: Am Telefon begrüße ich jetzt die amerikanische Politikwissenschaftlerin Cathleen Fisher. Schönen guten Tag, Frau Fisher!

Cathleen Fisher: Ja guten Tag, Herr Heckmann.

Heckmann: Frau Fisher, was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag gegeben?

Fisher: Ausschlaggebend für mich war eben die Wirkung des demographischen Wandels in den USA. ich selbst wohne im Bundesstaat Virginia, dort hat man das auch klar gesehen. Dass die Wählergruppen, die an Macht und Einfluss gewinnen, die Frauen, die Latinos, die hispanische Bevölkerung, die jungen Amerikaner vor allem auch zur Wahlurne gegangen sind, das war auch entscheidend für den Obama-Sieg, und das ist ja auch die Zukunft Amerikas. Das ist das Amerika. Das diverse, multikulturelle Amerika, das es schon ist und sein wird, hat mit Obama dann auch gesiegt.

Heckmann: Vielleicht können Sie ein bisschen näher ans Telefon herangehen, wir haben eine relativ schlechte Leitung, beziehungsweise die Freisprecheinrichtung, falls Sie eine benutzen, ausschalten, Frau Fisher. Sie sagten gerade, der demographische Wandel. Inwieweit wird das dann auch den Kurs der Republikaner in Zukunft ändern?

Fisher: Ja, das stellt die republikanische Partei vor große Herausforderungen. Viele Weiße haben für die republikanische Partei, für Mitt Romney gewählt, auch ältere Wähler. Das ist auch die Frage: Wenn die Republikaner eine Minderheitspartei bleiben wollen, dann ist keine Änderung, keine Modernisierung der Partei nötig. Aber wenn sie an die Zukunft denken, und ich denke mal auch an die Bundesstaaten Arizona oder Texas, die könnten auch zu swing states werden in 10 bis 15 Jahren. Das heißt, um mehrheitsfähig zu bleiben, müssen die Republikaner sich auch ändern.

Heckmann: Viele Wähler, Frau Fisher, sind enttäuscht von der ersten Amtszeit Obamas. Was muss er besser machen und auf welchen Punkten und Feldern?

Fisher: Ja zuerst mal die wirtschaftliche Lage ist natürlich die erste Priorität. Ich glaube, die Indizien in letzter Zeit sind positiver gewesen. Es gibt seit einigen Monaten einen leichten Aufschwung auch in der Stimmung im Lande, das Fundament ist geschaffen. Aber wie auch hier viel diskutiert wird, stehen die Republikaner, die Demokraten, Obama vor dieser Fiskalklippe, und das wird die erste Priorität. Andere Prioritäten sind, ich denke, Umsetzung von Gesundheitsreform, Obama Care, und wahrscheinlich auch eine Reform des Einwanderungsgesetzes.

Heckmann: Er wird in diesen Feldern mit den Konservativen zusammenarbeiten müssen, denn die Mehrheitsverhältnisse haben sich ja im Kongress nicht geändert. Inwieweit wird ihm das gelingen aus Ihrer Sicht und insgesamt auch, das Land wieder zusammenzuführen?

Fisher: Ja das müssen wir mal abwarten. Das hängt sehr von der republikanischen Partei ab. Eins muss man auch bedenken bei den Senatswahlen. Die Republikaner hätten vor einem Jahr sehr gute Chancen gehabt, wieder die Mehrheit im Senat zu stellen. Die haben zwei Sitze verloren, indem die Tea-Party-Kandidaten gegen moderate Republikaner kandidiert haben und auch gewonnen haben, und das sollte auch der Partei etwas zu denken geben.

Heckmann: Cathleen Fisher war das, die amerikanische Politikwissenschaftlerin. Besten Dank für Ihre Einschätzung.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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