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StartseiteKommentare und Themen der WocheNur noch ein Stück Restfolklore 14.02.2018

Politischer Aschermittwoch der ParteienNur noch ein Stück Restfolklore

Markus Söder nur vermeintlich siegesgewiss, AfD-Chef Jörg Meuthen mit einer mäßig angriffslustigen Vorlesung und der SPD-Übergangsvorsitzende Olaf Scholz mit ein wenig Balsam für die sich selbst demütigenden Sozialdemokraten. Dem politischen Aschermittwoch sei die Puste ausgegangen, kommentiert Volker Finthammer.

Von Volker Finthammer

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14.02.2018, Bayern, Vilshofen: Politischer Aschermittwoch der Parteien - SPD - Der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz spricht bei der Veranstaltung der SPD in Vilshofen. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz beim politischen Aschermittwoch der Parteien in Vilshofen (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
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Ganz offensichtlich waren die tollen Tage von Berlin ermüdend genug, so dass für einen gelungenen Aschermittwoch heute nicht mehr so viel Puste übrig bliebt. Allein der Söder Markus, der stand ganz ausgeruht in Passau auf der Bühne und versuchte fröhlich das Lied zu singen, so wie in Berlin machen wir es hier in Bayern nicht. Er war nicht dabei und konnte deshalb ganz gut sein bayerisches Süppchen kochen, während Horst Seehofer wohl ziemlich angeschlagen die Bettruhe suchen musste.

Bayerische Selbstbeschau

Doch ganz so siegesgewiss war auch Söders Zuversicht nicht. Denn erstmals muss auch die CSU fürchten, dass ihr die Freien Wähler und vor allem die AfD im Herbst die gesicherte Mehrheit im Land streitig machen könnten. So war es dann am Ende auch fast mehr eine Selbstbeschau, wie und was man in Bayern alles besser macht, als eine Abrechnung mit den politischen Gegnern in Berlin, die Söder da auf die Bretter brachte.

AfD-Chef Jörg Meuthen versuchte derweil in Osterhofen den Unionsparteien ordentliche Paroli zu bieten. Aber das war trotz aller Mühen auch nicht mehr eine angriffslustig gemeinte Vorlesung anstatt einer aufwühlenden Stammtischrede und das gilt gleichermaßen für nahezu alle Veranstaltungen die heute der Tradition folgend über die Bühne gingen.

Allein Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz stand vor einer besonderen Herausforderung. War er doch keine 24 Stunden zuvor zum Übergangsvorsitzenden ernannt worden und durfte nun erstmals in Bayern auf der Aschermittwochsbühne in Vilshofen stehen.

Wohl auch deshalb lieferte Scholz statt Schulz nicht mehr als eine artige Wahlkampfrede, die natürlich voll und ganz für die Annahme der Koalitionsvertrages warb, um die SPD am Ende nicht ohne alles da stehen zu lassen, wenn es sich die Partei schon so schwer macht. Ein wenig Balsam für die Seele der sich selbst demütigenden Sozialdemokraten.

Wunsch der SPD: nicht jedes Jahr ein neuer Vorsitzender

Aber für die SPD sollte von dieser Veranstaltung vor allem der Wunsch in Erinnerung bleiben, den eine SPD-Landrätin aus Niederbayern unter großem Beifall aussprach: Es möge in Zukunft nicht jedes Jahr ein neuer Vorsitzender zum Aschermittwoch kommen. Noch ist sich die SPD da ihrer selbst nicht sicher, aber jetzt beginnt die Fastenzeit und da wird man vielleicht etwas klüger.

Angela Merkel wird wohl gerade erst jetzt in Mecklenburg-Vorpommern den Schlusspunkt setzten und sicherlich nicht zum großen Rundumschlag ausholen, wie sie das bislang noch nie getan hat. Ohnehin wirkt das seit Jahren schon so passend, wie die bayerische Weißwurst nach Mittag. Man hat sich dran gewöhnt und schaut darüber hinweg.

Soll heißen der politisch Aschermittwoch ist nüchtern betrachtet nur noch ein Stück Restfolklore im öffentlichkeitswirksamen Terminkalender der Politik. Man kann es machen, man kann es aber auch bleiben lassen. Allein die jeweiligen Parteimitglieder in den Zelten und Hallen dürfen sich an so einem Tag wieder mal richtig gut und gebauchpinselt fühlen. Na dann soll es so sein.

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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