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Politisches Fazit der EURO2012

Es war kein Fehler, das Turnier an Polen und die Ukraine zu vergeben

Von Jonas Reese

Sieg in Kiew: Spaniens Torwart Iker Casillas hält den EM-Pokal 2012 in den Händen
Sieg in Kiew: Spaniens Torwart Iker Casillas hält den EM-Pokal 2012 in den Händen (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Die UEFA pochte nicht auf Transparenz bei der Turniervorbereitung, auf Anti-Korruptionsmaßnahmen oder andere rechtstaatliche Prinzipien. Dennoch war es richtig, dieses Großereignis in diesem Brückenstaat zwischen Europa und Russland auszutragen.

Ein Fehler war es nicht, findet Olaf Sundermeyer, Buchautor und Osteuropa-Kenner. Doch auch viele politische Chancen wurden vertan, bei dieser EURO 2012.

Drei Wochen lang standen die beiden ungleichen Gastgeber im Fokus der europäischen Öffentlichkeit. "Gemeinsam Geschichte schreiben" war das Motto. Doch von einem "gemeinsam" konnte kaum die Rede sein, das wurde schnell deutlich im Verlauf des Turniers.

Große Sportereignisse, wie diese Europameisterschaften oder auch die Olympischen Spiele, festigen die herrschenden Systeme, glaubt Sundermeyer. Das war auch schon in Peking 2008 zu beobachten.

Und das werde solange so bleiben bis die großen Sportverbände ihre politische Macht nicht für die Demokratisierung eines Ausrichterlandes einsetzen, meint er.

"Die großen internationalen Sportverbände müssen ihrer Verantwortung bewusst werden. Dahin muss man sie bekommen und diesen Druck können nur die einzelnen großen Mitgliedsverbände ausüben, und sagen, Leute macht das bitte, lasst das einfließen in die Verträge, die gemacht werden vor diesen großen internationalen Sportereignissen. Das wäre der richtige Weg."

Diese Chance wurde in der Ukraine vertan. Die UEFA pochte nicht auf Transparenz bei der Turniervorbereitung, auf Anti-Korruptionsmaßnahmen oder andere rechtstaatliche Prinzipien.

Dennoch war es richtig dieses Großereignis in diesem Brückenstaat zwischen Europa und Russland auszutragen, meint auch Folker Hellmund. Er ist der Leiter des Brüsseler Büros des Europäischen Olympischen Komitees. Einer Schnittstelle von Politik und Sport.

Denn für Hellmund standen die mangelhaften demokratischen Zustände in der Ukraine vor und während des Turniers so stark im Fokus wie noch nie.

"Immerhin, es gab eine relativ umfangreiche Berichterstattung, die jetzt aber merklich nachgelassen hat. Jetzt guckt jeder auf die Entscheidungsspiele, dann kommt der Sport in den Vordergrund. Was ja eigentlich auch Sinn und Zweck der Veranstaltung war."

Der eigentliche Sinn und Zweck der Europameisterschaft geriet bei diesem Turnier schon mal in den Hintergrund. Beispielsweise beim stillen Protest der beiden grünen Europaparlamentarier Rebecca Harms und Werner Schulz, als die beiden im Stadion in Charkiw mit einem Plakat die Freilassung aller politischer Gefangenen in der Ukraine forderten.

Die einzige politische Protestaktion, die für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ihre nachhaltige Wirkung bezweifelt aber Olaf Sundermeyer.

"Die Kritik wird nicht richtig verstanden. Das wird als oberlehrerhaftes Zurechtweisen von westlicher Seite wahrgenommen, weil es diesen Dialog, von dem die UEFA immer spricht, nicht gegeben hat. Zwischen den europäischen Vertretern und den maßgeblichen Vertretern in der Ukraine, also mit der Regierung oder mit den Oligarchen."

Sundermeyer hätte sich an dieser Stelle auch ein klares Bekenntnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewünscht.

"Ich hätte mir erwartet, dass sie oder hochrangige Vertreter der Bundesregierung hinfahren in die Ukraine und politische Misstände ansprechen und nicht nur immer über Frau Timoschenko reden, die auch nicht die Jeanne d’Arc der ukrainischen Menschrechtsbewegung ist, sondern auch die Korruption ansprechen, in der Ukraine, die allgemeine Menschenrechtssituation die eingeschränkte Pressefreiheit, all diese Themen und das ist bislang von der Bundesregierung ausgeblieben. Und wenn das Turnier vorbei ist, so hat es für mich den Anschein, ist man im Prinzip froh, dass man das Kapitel schließen kann und widmet sich wieder anderen Dingen."

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