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StartseiteCampus & KarriereBewerberrekord - doch nur wenige landen im Polizeidienst16.04.2018

PolizeiausbildungBewerberrekord - doch nur wenige landen im Polizeidienst

Während andere Berufszweige händeringend nach Auszubildenden suchen, freut sich die Polizei über so viele Bewerber wie noch nie. Das Image der Polizei scheint also zu stimmen. Doch die Zulassungshürden sind hoch: Gerade mal ein Zehntel der Bewerber können mit der Ausbildung beginnen.

Von Stephanie Kowalewski

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Polizeischüler in Berlin in der Berliner Polizeiakademie auf einer Bank vor einem Ausbildungsgebäude (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
Nicht jeder Bewerber erhält eine Zulassung zur Polizeiausbildung - und nicht jeder beendet das Studium (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
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Für Janine Kulinski kam eigentlich nie etwas anderes in Frage, als Polizistin zu werden: "Das ist auf jeden Fall ein Kindheitstraum." Abwechslungsreich sei der Beruf, sagt die 23-Jährige, krisensicher und er biete inzwischen auch für Frauen gute Karrierechancen. Deshalb hat sie sich bei der Polizei NRW beworben.

"Und natürlich auch ein stückweit, ja, der Welt so ein bisschen dazu verhelfen, dass es wieder sicherer wird und Gesetze eingehalten werden. Das war so die Hauptmotivation."

Seit Jahren steigende Bewerberzahlen

So wie Janine Kulinski sehen das offenbar immer mehr junge Leute, denn seit Jahren steigen die Bewerberzahlen bei der Polizei - und das bundesweit. Allein in Nordrhein-Westfalen haben sich laut dem Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der NRW-Polizei rund 11.200 Frauen und Männer für den Polizeidienst beworben. Ein Rekord.

"Das ist auch gut so, dass wir diesen Bewerberrekord haben", sagt Nils Jäger, Polizist, Gewerkschaftler und Tutor für Auszubildende bei der Polizei Dortmund. "Denn auf der anderen Seite steht natürlich auch ein bis dato noch nie dagewesener Einstellungsrekord."
 
Nach den massiven Stellenkürzungen der Vergangenheit will die NRW-Regierung bis zum Jahr 2022 jedes Jahr rund 2.300 Polizisten neu einstellen. Auch dass ein bundesweiter Trend. "Das ist auch richtig, denn jeder Kollege, jede Kollegin wird gebraucht."

Hohe Zulassungshürden

Die Stellen zu besetzen wird aber trotz Bewerberrekorden eine echte Herausforderung bleiben, warnt unter anderem die Gewerkschaft der Polizei. Denn schon die Zulassungshürden sind hoch - es gibt zum Beispiel Grenzwerte für Körpergröße und Gewicht. Erst, wenn das alles passt, bekommt man die Chance, am Auswahlverfahren teilzunehmen. Und das hat es in sich: Je nach Bundesland werden die Bewerber einen bis vier Tage auf Herz und Nieren geprüft - das reicht vom Sporttest bis zu Rollenspielen und Einzelgesprächen, erzählt Janine Kulinski.

"Wovor halt sehr, sehr viele Leute Angst haben. Aber auch da, mit ein bisschen Vorbereitung, wenn man einfach so ist, wie man ist, kann man diese Geschichten wie das Konfliktgespräch und auch die Situation mit dem Rollenspiel super meistern."

Mehr als jeder Zehnte fällt durchs Studium

Tatsächlich meistert aber nur einer von zehn Bewerbern das Auswahlverfahren und kann dann ein dreijähriges duales Bachelorstudium an den polizeieigenen Hochschulen beginnen. In einigen Bundesländern ist auch noch eine Berufsausbildung ohne Studium zum mittleren Polizeidienst möglich. Letztlich fällt laut Gewerkschaft zum Beispiel in NRW und Sachsen mehr als jeder Zehnte durch. Wer zweimal eine Prüfung versiebt, wird entlassen. Janine Kulinski findet die Polizeiausbildung im dualen Studium mit viel Praxis dennoch perfekt:

"Sehr attraktiv, gerade auch als Frau. Ein krisensicherer Arbeitsplatz mit der Verbeamtung, vor allen Dingen direkt ab der Ausbildung und nicht erst danach. Wenn man das mit dem Lehramt vergleicht, da sind wir wirklich ab der ersten Sekunde verbeamtet und haben einen sicheren Job und auch während des Studiums direkt ein super Einkommen."

Bezahlung in den Ländern unterschiedlich

Zumindest in NRW, denn die Besoldung ist - wie auch die Ausbildung -, Ländersache. Und so verdienen Polizisten in NRW bis zu 15 Prozent mehr als etwa ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern. Das führt dazu, sagen Kritiker, dass die Länder sich gegenseitig den Nachwuchs streitig machen. Für Nils Jäger kann das aber nur bedeuten, dass die anderen Länder eben auch besser bezahlen sollten:

"Das wir in NRW bei der Polizei sehr gut vergütet werden, das ist genau richtig, weil der Beruf ein sehr schwieriger und anstrengender Beruf ist mit sehr hohen Anforderungen, alleine schon der Schichtdienst, der zu bewältigen ist. Meiner Ansicht nach, und auch der Ansicht der Gewerkschaft nach, wäre es natürlich wünschenswert, wenn Polizisten in der ganzen Bundesrepublik so gut bezahlt werden wie hier in NRW."

Fünf bis zehn Prozent Studienabbrecher

Nils Jäger ist seit neun Jahren Polizeibeamter. Er sagt, kein Tag sei wie der andere. Das mache seinen Beruf so attraktiv. Für fünf bis zehn Prozent der Auszubildenden ist das aber gerade nichts. Sie brechen das Studium ab. Janine Kulinski hingegen fängt jetzt bald mit ihrer Bachelorarbeit an und ist stolz auf das, was sie geschafft hat.

"Vor allen Dingen stolz, dass man es nach drei Jahren auch wirklich bis zum Ende geschafft hat. Und man dann zufrieden eben diesen einen silbernen Stern auf der Schulter tragen darf."

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