Interview / Archiv /

 

Portal zur Wahl - bürgerinfo09.de

Die Internetgemeinde diskutiert vor allem Inhaltliches

Eine Frau wirft im Wahlamt in Bremen ihren Stimmzettel in die Wahlurne.
Eine Frau wirft im Wahlamt in Bremen ihren Stimmzettel in die Wahlurne. (AP)

Das Internetportal bürgerinfo09.de fasst Stimmen aus dem Netz zur bevorstehenden Bundestagswahl zusammen. Laut Herausgeber Michael Maier interessiert sich die community für die Wahlargumente der Parteien - die auch bei bürgerinfo09. de zu Wort kommen.

Bettina Klein: Von Twitter über Facebook bis hin zu downloadbaren Klingeltönen fürs Handy nutzte das Wahlkampfteam von Obama alle Kanäle und warb damit Millionen freiwillige Helfer, sammelte Spenden in Rekordhöhe. Bei den Bundestagswahlen 2009 versuchen die deutschen Parteien nun, den Erfolg zumindest teilweise nachzuahmen, allerdings dies mit mäßigem Erfolg.
Wir wollen das Thema vertiefen. Über die Online-Aktivitäten der Parteien haben wir eben gehört. Was aber bewegt die Wähler, die Bürger in den Blogs und Internetforen? Darüber habe ich mit dem Herausgeber von "Bürgerinfo09.de"gesprochen. Die Frage an Michael Maier: Welche Themen sind für die Blogger vor allem interessant?

Michael Maier: Ich glaube, die Wähler in den Blogs – das konnten wir in den letzten Wochen beobachten – interessieren vor allem Inhalte. Koalitionsfragen interessieren die Leute oder Überhangmandate, diese ganz speziellen Themen, auf die die Journalisten gerne abstellen, stehen nicht so sehr im Vordergrund. Die Blogger, Twitterer auf YouTube oder wo auch immer fragen die Leute, wofür stehen die Parteien, warum vertreten sie die Position, und es ist interessant dabei: Es ist sehr sachlich, wie die Diskussionen hier ablaufen. Die Leute wollen wirklich vernünftige Argumente haben und weniger taktische Erwägungen.

Klein: Um welche Themen geht es dann besonders?

Maier: Es geht um die ganze Palette, natürlich um die Frage Arbeitsplätze, Wirtschaft, aber auch Afghanistan spielt eine große Rolle und naturgemäß im Internet das große Thema Datenschutz, Piratenpartei, wie wollt ihr Politiker sozusagen auf die neue Generation reagieren, die sich im Internet bewegt, seid ihr in der Lage, eigentlich unsere Positionen zu vertreten, ganz klar auch ein Punkt, der in allen Politikergesprächen eine Rolle spielt.

Klein: Lassen sich denn für Sie Präferenzen erkennen anhand dessen, was die Wähler schreiben?

Maier: Nein, aber was sich erkennen lässt, ist, dass die Leute sich wirklich schlaumachen im besten Sinne des Wortes. Sie wollen was wissen, sie stellen Fragen, sehr ergebnisoffen. Es gibt eigentlich vergleichsweise wenig Ideologie. Man muss hier natürlich unterscheiden: Was sind die Leute, die normalen Blogger, Bürgerjournalisten oder Sympathisanten, und was machen die Parteien selbst. Wir haben ja bei unserer Plattform diese beiden Dinge ganz bewusst gegeneinandergestellt. Es ist da wenig parteipolitische Taktiererei dabei, sondern wirklich sachliches Interesse.

Klein: Finden denn die Blogger, die bei Ihnen schreiben, Antworten auf ihre Fragen?

Maier: Es gibt ja verschiedene Modelle mittlerweile. Zum Beispiel auf StudiVZ gibt es die Möglichkeit eines sogenannten Edelprofils, das heißt, dass Politiker selbst Profile anlegen können, und diese Profile finden regen Zuspruch. Da sind sehr viele Leute dort. Da gibt es auch viele Gruppen, die sich artikulieren. Und es gibt dann auch ganz schnell großen Missmut. So wurden eben vergangene Woche auf StudiVZ etwa 3000 Fragen gesammelt, die die StudiVZler Frau Merkel stellen wollten. Die hat dann irgendwie sich geweigert, das zu beantworten, und das ist natürlich kein besonders gutes Echo, das man damit erzeugt.

Klein: Sie haben jetzt beschrieben, Fragen werden gestellt. Was ist denn der entscheidende Gewinn für den Wähler, an einer solchen Bürgerplattform teilzunehmen?

Maier: Ich glaube, der entscheidende Gewinn ist, dass man ein sehr, sehr umfassendes Bild bekommt. Wenn Sie zum Beispiel nehmen: Eines unserer Ressorts gewissermaßen beschäftigt sich mit YouTube und bildet die Parteiensender, wie wir das nennen, ab, alle Videos, die von den Linken, von den Grünen, von der FDP und so weiter ins Netz gestellt werden. Da kriegen sie natürlich ganz einen anderen Eindruck auch von der Kultur der jeweiligen Partei, wie möchte sich eine Partei präsentieren. Das ist bei den Grünen eben sehr quirlig, manchmal chaotisch ungeordnet, bei der Linken erstaunlicherweise staatstragend, alles sehr mit roten Farben hinterlegt, mit einer ganz eigenen Dramaturgie, und sie bekommen natürlich über diese soften Faktoren aus meiner Sicht einen viel unmittelbareren Eindruck als über das, was dann im Fernsehen im Kanzlerduett dargestellt wird, wo alles vorbereitet ist, wo es kein Risiko mehr gibt und dann auch die Enttäuschung entsprechend groß ist.

Klein: Dieses Forum wendet sich an den interessierten Bürger. Welche Rolle spielen die Journalisten oder spielen Sie als Journalist und Herausgeber dabei?

Maier: Wir spielen hier eine, glaube ich, sehr moderne Rolle, nämlich die als Moderatoren. Unsere Aufgabe war es, die Quellen zusammenzubinden, zu finden, denn es gibt ja ganz, ganz viele Blogs - man sagt immer, in Deutschland ist nicht so viel los, aber in Wahrheit gibt es sehr, sehr viel, was sich bereits tut -, die Twitterer zu finden, wer ist ein guter Twitterer, und dann: Wir haben eine Redaktion, eine eigene Redaktion, die Bürgerinfo09.de betreut und die zu jedem Tag im Grunde mehrfach Schlagzeilen schreibt, was läuft heute gerade, worauf muss man achten, was passiert. Also es ist einerseits die Quellenauswahl, um Relevanz herzustellen, dass sie nicht den ganzen Mist dort vorfinden, den sie im Internet natürlich, wenn es ungefiltert ist, auch vorfinden, und andererseits einen Kontext herzustellen zur gesamten Diskussion.

Klein: Der Deutschlandfunk arbeitet eng mit Bürgerinfo09 zusammen und so werden wir sie, verehrte Hörer, jeden Abend in dieser Woche in unserer Sendung "Das war der Tag" kurz vor Mitternacht live darüber informieren, was sich in den Foren des Internets mit Blick auf die Wahlen so tut. Herr Maier, was erwartet uns da?

Maier: Ich glaube, da erwartet uns noch mal eine Beschleunigung der Diskussionen. Wir hatten schon in den letzten Wochen sehr, sehr viele, sehr lebendige Diskussionen. Ich glaube, es werden noch mehr die Positionen aufeinanderprallen. Man darf sich natürlich jetzt auch nicht erwarten, dass in der Woche davor auf einmal die ganze Welt sich verändert. Es wird eher eine Zuspitzung dessen sein, was wir in den letzten Wochen gesehen haben, sicher zum Beispiel auch in der Frage Abgrenzung der einzelnen Koalitionen. Jede Partei wird das Staatstragende ablegen. Wir haben ja auch Originalquellen eingebunden, also das, was die Parteien direkt sagen, und da kann man jetzt schon in den letzten Tagen feststellen: viel weniger Rücksichtnahme der SPD auf die CDU, viel weniger Freundlichkeit seitens der CDU zur SPD, die FDP versucht sich selbst zu profilieren, die Grünen sind ein bisschen ratlos, weil sie nicht mehr genau wissen, warum sie diese Wahl eigentlich betreiben. All diese Befindlichkeiten werden sicher noch einmal verschärft und zugespitzt.

Klein: Michael Maier von Bürgerinfo09.de und sie können ihn in dieser Woche jeden Abend kurz vor Mitternacht live hören hier im Deutschlandfunk mit Informationen aus den Blogs und auf Bürgerinfo09 können sie sich auch einbringen, indem sie zum Beispiel das, was wir im Deutschlandfunk hier bieten, etwa unsere Interviews, kommentieren.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Interview

US-Luftschläge in Syrien"Assad muss mitspielen"

US-Präsident Barack Obama hält eine Rede im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington.

Die Angriffe gegen die Terrormiliz IS seien für die USA "die letzte Chance, sich als Ordnungsmacht im arabischen Raum zu rehabilitieren", sagte der Bonner Konfliktforscher Christian Hacke im DLF. Syrien spiele dabei eine entscheidende Rolle, genau wie perspektivisch die Türkei und Ägypten.

Luftangriffe in Syrien"Wirklicher Erfolg in der Bekämpfung des islamistischen Terrors"

Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs spricht am 19.12.2013 in Berlin bei der 6. Sitzung des Bundestags in der 18. Legislaturperiode

Die Amerikaner hätten überhaupt keine andere Wahl gehabt, als ihre Luftangriffe gegen die Terrormiliz IS auszuweiten, sagte der Türkei-Experte Johannes Kahrs (SPD) im Deutschlandfunk. Die Beteiligung mehrerer arabischer Partner an dem Einsatz sei ein großer Erfolg in der Bekämpfung gewesen.

Tag der deutschen Industrie"Wir müssen mehr investieren"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD/2.v.l.) und BDI-Präsident Ulrich Grillo (l).

Der BDI hat von der Bundesregierung eine Innovations- und Wachstums-Initiative verlangt. Vor allem die Infrastruktur müsse ausgebaut werden, sagte Verbandspräsident Grillo im DLF. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation Frankreichs sagte er, die Regierung müsse ihre angekündigten Maßnahmen nun auch konsequent umsetzen.

 

Interview der Woche

Bayerns Finanzminister Söder"Der Länderfinanzausgleich belohnt das Nichtstun"

Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU), aufgenommen am 05.12.2013 auf einer Pressekonferenz in München.

Ähnlich wie für Griechenland in der Eurokrise müsse es für schwache Bundesländer in Deutschland Anreize und Druck geben, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen und Strukturreformen anzustoßen, forderte Bayerns Finanzminister Markus Söder im Interview der Woche des DLF. Das bisherige System schädige starke wie schwache Länder.

McAllister über Schottland-Referendum"Das ist eine sehr emotionale Debatte"

David McAllister, CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament

Der CDU-Europaabgeordnete David McAllister ist Sohn eines schottischen Vaters. Das bevorstehende Unabhängigkeitsreferendum habe in der schottischen Gesellschaft zu tiefen Rissen geführt, sagte McAllister im DLF. Nach der Abstimmung sei es enorm wichtig, wieder Brücken zwischen den Lagern zu bauen.

EZB"Die niedrigen Zinsen sind gerechtfertigt"

Sabine Lautenschläger, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank.

Der Leitzins in der Eurozone ist auf einem neuen Rekordtief - und das zurecht, meint Sabine Lautenschläger im Interview der Woche im Deutschlandfunk. Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank verwies auf die langfristige Verantwortung der EZB. Die Bank wolle keine Sparer ärgern, sondern die Wirtschaft ankurbeln.