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StartseiteMarkt und MedienPosierende Profisportler15.10.2011

Posierende Profisportler

Sexualisierung im Sport

"Sex sells" - das gilt auch für die Berichterstattung über Sport und für Sportler. Wer seinen Marktwert steigern will, kommt an der medialen Sexualisierung seiner Person kaum vorbei. Doch was dem Einzelnen nützen mag, kann für den Sport insgesamt von Nachteil sein.

Von Vera Linß

Die Attraktivität der russischen Tennisspielerin Anna Kournikova verhalf ihr zu mehr Werbeeinnahmen als leistungsstärkeren Sportlern.  (AP)
Die Attraktivität der russischen Tennisspielerin Anna Kournikova verhalf ihr zu mehr Werbeeinnahmen als leistungsstärkeren Sportlern. (AP)

Die russische Tennisspielerin Anna Kurnikova ist so ein Phänomen, dass die Fachwelt ihr bereits ein Denkmal gesetzt hat. Nach ihr ist das sogenannte Kurnikova-Syndrom benannt. Das bedeutet, auch wenn die Sportlerin nie ein großes Turnier gewonnen hat - ihre Attraktivität verhalf ihr zu mehr Werbeeinnahmen als weit leistungsstärkeren Sportlern.

Kurnikova ist kein Einzelfall. Ob ein Foto im Schlafzimmer oder am Strand im knappen Bikini - das Spiel mit sexuellen Reizen kommt an, bestätigt der Sportjournalist Daniel Meuren.

"Die erfolgreichsten Sportlerinnen wie Anna Kurnikova beweisen das ja. Und es liegt ja schon lange zurück, als eine Steffi Graf in Deutschland ein Star war. Da spielte das noch keine solche Rolle. Aber die technische Entwicklung auch vom Fernsehen geht ja immer weiter, die Bilder werden immer ästhetischer und dadurch gewinnt das immer mehr an Bedeutung, wie eine Sportlerin sich inszeniert. Und dann ist der Weg zur Instrumentalisierung und Sexualisierung glaube ich nicht mehr weit."

Denn: Nicht immer geht die Initiative, sich mit sexuellen Reizen in den Medien zu präsentieren, vom Sportler selbst aus. Gerade bei Sportarten, die um ihre Existenzberechtigung kämpfen, greifen - vornehmlich männliche - Verbandsmanager gern zur sogenannten Sexualisierungsstrategie. Beispiel: Beachvolleyball. Der Sportjournalist Daniel Meuren.

"Der Verbandspräsident, der hat in einer Nacht- und Nebelaktion gesagt, diesen Beachvolleyball können wir nur gescheit vermarkten, wenn die Mädels gut aussehen. Und dann gab´s die Maße für die Höschen, also dass das minimale am Bikini nur noch vorhanden ist und darin Sport betrieben werden kann. Da ist dann auch das Problem, dass er mit diesem Maß einige Sportlerinnen, die sich darin unwohl fühlen, am Zugang zu der Sportart hindert und somit auch am Zugang zu den Erfolgen."

Dass überhaupt immer wieder Erotik eingesetzt wird, liegt auch daran, dass im Sportmarketing und im Sportressort der Medien männliche Sichtweisen dominieren. Gerade acht Prozent der Sportjournalisten etwa sind weiblich. Die Sexualisierung wird denn auch weiter zunehmen, meint Daniela Schaaf, Medienwissenschaftlerin an der Sporthochschule Köln. Sie hat ein Stufenmodell entworfen, das beschreibt, wie sich der Sport immer mehr in Richtung Entertainment entwickelt.

"Die Stufe eins ist die Sexualisierung der Sportler, wenn wir also sehen, dass die sich entsprechend präsentieren in den Medien. Zweite Stufe ist die Sexualisierung von etablierten Sportarten. Die dritte Stufe ist dann die Etablierung von neuen, erotischen Sportarten. Da ist das Beispiel die Lingerie Football League, eine amerikanische professionelle Football-Liga für Frauen, wo´s darum geht, dass die Frauen in Unterwäsche spielen, Slip, Höschen, Strapse und die werden dann auch nach Oberweite gecastet und nicht danach, ob sie gut Sport treiben können."

Als weitere Stufe beschreibt Schaaf die Adaption von Riten der Rotlichtbranche in den Sport. Stichwort: pole dance. Der Tanz an der Stange, bekannt aus einschlägigen Bars, soll 2016 in Brasilien olympische Demonstrationssportart werden.

Allerdings: Nicht immer muss die Sexualisierungsstrategie - egal ob bei Männern oder Frauen - zu einer Reduzierung der Sportler auf ihr attraktives Äußeres führen. Manchmal kann auch eine ganze Sportart davon profitieren, erklärt der Fachjournalist Daniel Meuren mit Blick auf die gerade zurückliegende Frauenfußball-WM.

"Der Frauenfußball hat durch die Strategie der Sexualisierung oder der Darstellung der hübschen Seiten der Fußballerinnen es geschafft, dass er aus der Ecke der Mannsweiber raus gekommen ist und das ist glaube ich sogar eine statthafte Strategie gewesen. Er sollte aber tunlichst vermeiden, jetzt nur noch in diese Ecke weiterzugehen und von daher denke ich, als Versuch, sich zu öffnen, dass jedes Mädchen elegant Fußball spielen kann, dafür war´s richtig. Aber da ist auch ein Stoppschild jetzt angesagt."

Schließlich so Meuren, gehe es um Leistung und nicht darum, wer der Schönste auf dem Platz ist. Das allerdings sollten sich zumindest auch die Qualitätsmedien zu Herzen nehmen.

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