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StartseiteMarkt und Medien Posten mit üppigem Gehalt15.01.2011

Posten mit üppigem Gehalt

Die CSU balgt sich um den Posten des obersten bayerischen Medienaufsehers

In Bayern wird ein Nachfolger für Wolf-Dieter Ring, Präsident der Landesmedienanstalt, gesucht. Der verdiente 300.000 Euro pro Jahr - mehr als Bundeskanzlerin und Ministerpräsident. Das Gehalt wird nun gekürzt, dennoch stehen sich zwei Bewerber um das Amt gegenüber - beide kommen aus der CSU.

Von Michael Watzke

Siegfried Schneider ist Horst Seehofers Wunschkandidat für das Amt des BLM-Präsidenten. (AP)
Siegfried Schneider ist Horst Seehofers Wunschkandidat für das Amt des BLM-Präsidenten. (AP)
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Im Buch "Herr der Ringe" spaltet ein Ring die Streit-Parteien. In Bayern ist es derzeit ähnlich. Wenn Ministerpräsident Horst Seehofer über die Nachfolge von Wolf-Dieter Ring spricht, dem Präsidenten der Bayerischen Landesmedienanstalt (BLM), dann macht Seehofer ein Gesicht wie Gollum, der zerknirschte Gnom:

"Das ist ein erklärungswürdiger Vorgang, das schafft Ärger, das spüren Sie ja."

Was Seehofer verärgert: Der Koalitionspartner FDP hat Professorin Gabriele Goderbauer als künftige Präsidentin der BLM vorgeschlagen. Die ist in der CSU. Genau wie Seehofers BLM-Top-Kandidat: Staatskanzleiminister Siegfried Schneider. CSU gegen CSU - eine vergiftete Situation. Schneider wird schmallippig, wenn man ihn auf den Wunsch der Parteifreundin Goderbauer anspricht, ihn zu treffen:

"Ich sehe keine Veranlassung. Ich wurde vorgeschlagen von einer Reihe von Medienräten. Und offensichtlich hat die Opposition keine andere Wahl, als eine CSU-Kandidatin zu benennen. Das ist aber eine Entscheidung der Opposition und der FDP."

Stimmt ja gar nicht, erwidert Gabriele Goderbauer, und schüttelt im Deutschlandfunk-Interview energisch den Kopf:

"Es ist ja nun nicht so, dass mich Parteivertreter für die Kandidatur vorgeschlagen haben, sondern es haben mich Medienräte vorgeschlagen. Nicht Parteien wählen die Präsidentschaft der BLM, sondern Medienräte."

Natürlich haben viele der 47 Medienräte klare Parteipräferenzen. Am 24.Februar müssen sie nun zwischen zwei CSU-Kandidaten auswählen. Hier der Minister mit viel politischer und wenig Medienerfahrung, dort die niederbayerische Kommunalpolitikerin, bei der es umgekehrt ist:

""Ich war viele Jahre aktive Journalistin, ich bin seit über 13 Jahren engagierte Medien-Professorin. Ich habe zehn Jahre lang den Medien-Campus Bayern für den Freistaat Bayern geleitet. Insofern glaube ich, dass ich ganz gut aufgestellt bin."

Tatsächlich genießt Goderbauer in Medienkreisen einen guten Ruf. Gegenkandidat Siegfried Schneider punktet vor allem mit einem dichten politischen Netzwerk - ein Netzwerk, das auch Wolf-Dieter Ring mitbrachte, als er vor 21 Jahren BLM-Präsident wurde. Ring kam wie Schneider aus der Staatskanzlei. Der Bamberger Medienprofessor Markus Behmer weist auf den Widerspruch hin, dem der Chef der Landesmedienanstalt ausgesetzt ist: einerseits die privaten Rundfunksender kontrollieren, sie andererseits aber auch fördern und dafür sorgen, dass sich möglichst viele Sender in Bayern ansiedeln:

"Ein Spagat, der hier manchmal zu bestreiten ist. Ich würde mir wünschen, dass die Kandidaten auch eine gewisse Unabhängigkeit mitbringen. Nach der Debatte um Nikolaus Brender, dem Chefredakteur des ZDF und seiner Nachfolge, auch nach der Debatte um Ulrich Wilhelm, der von der Politik direkt zum Bayerischen Rundfunk als Intendant gewechselt ist, ist die Skepsis in der Öffentlichkeit durchaus gegeben."

Derzeit ist das Nachfolge-Rennen offen, mit Vorteilen für Schneider, der bereits eine Liste mit Unterstützern präsentierte. Doch manche Medienräte sind inzwischen ins Grübeln gekommen, sagt ein CSU-Insider. Denn Schneider haftet das Gerücht an, er solle vor allem deshalb BLM-Präsident werden, weil er dann seine politischen Ämter abgeben muss. Dass käme CSU-Partei-Chef Seehofer zupass, der Schneiders Eichstätter Wahlkreis übernehmen könnte. Seehofer wird bei diesen Gerüchten so ärgerlich wie Gollum aus dem Herrn der Ringe:

"Dass meine Motivation ein Stimmkreis sei - dazu sage ich mal in der Landtagsfraktion das Nötige. Das ist die blanke Unwahrheit."

"Ein Ring, sie alle zu binden" - heißt es in Tolkiens Roman über den goldenen Ring. Die Ring-Nachfolge bei der BLM wird in Zukunft nicht mehr ganz so golden sein. Wolf-Dieter Ring verdiente 300.000 Euro pro Jahr - mehr als Bundeskanzlerin und Ministerpräsident. Der BLM-Verwaltungsrat will das Gehalt nun auf 200.000 Euro herunterkürzen. Auch Bayern muss sparen.

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