Mittwoch, 22.11.2017

Powell wird neuer Fed-ChefDanke, Donald!

Diese Nominierung ist die erste vernünftige politische Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Jerome Powell ist der beste Mann für den aktuell wichtigsten Job in der Weltwirtschaft. Es hätte eine bessere Frau gegeben, nämlich die amtierende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen.

Von Klemens Kindermann

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Donald Trump steht vor dem Weißen Haus in Washington und schüttelt die Hand von Jerome Powell. (AFP/SAUL LOEB)
US-Präsident Donald Trump (re.) will, dass künftig Jerome Powell die amerikanische Notenbank Federal Reserve leitet. (AFP/SAUL LOEB)
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Aber Trumps Maxime scheint ja zu sein, mit Vorsatz alles anders machen zu müssen als sein Vorgänger Obama. Also musste auch eine neue Besetzung an der Spitze der Federal Reserve her. Powell ist dafür die beste Wahl. Im Direktorium der Fed ist er der Dienstälteste nach Yellen, die er von Anfang an loyal unterstützt hat. In seinen fünf Amtsjahren bei der Notenbank hat er nicht ein einziges Mal gegen einen Beschluss votiert.

Mit seiner Berufung wird also mit großer Sicherheit zum einen der Pfad vorsichtiger Zinserhöhungen weiter beschritten werden. Zum anderem wird es nun voraussichtlich auch nicht zu einer Revision des "Dodd-Frank-Acts" kommen, dem Herzstück der neuen US-Finanzmarktarchitektur. Er verbietet - als Lehre aus der Weltfinanzkrise 2008 - riskante Handelsgeschäfte der Banken, ist aber Hardlinern bei den Republikanern und Unbelehrbaren an der Wall Street ein Dorn im Auge.

Eine mutige Personalentscheidung Trumps

Powell, bei der Fed bisher für die Beaufsichtigung der wichtigen Banken zuständig, wird jedoch an diesem Kern der neuen Finanzordnung nicht rütteln. Insofern ist seine Berufung sogar eine mutige Personalentscheidung Trumps, der damit einen Teil seiner Unterstützer von der Wall Street und aus der konservativen Ecke der Republikaner verprellt.

Trump kommt damit aber bei seinem größten Vorhaben, der Steuerreform, weiter: denn die wird zwar viele Bürger entlasten, aber auch viel Geld kosten. Wenn sie so verwirklicht wird, wie sie gestern vom Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, dem Republikaner Kevin Brady, in einem Entwurf vorgestellt wurde, wird sie das Haushaltsdefizit der USA explodieren lassen - um mindestens weitere eineinhalb Billionen Dollar. Diese neuen Schulden müssen finanziert werden und daher ist Trump brennend daran interessiert, dass die Zinserhöhungen in den USA nur sachte ausfallen und sich über einen langen Zeitraum erstrecken. Genau dafür steht Jerome Powell. US-Präsident Trump hat ihn daher also gewiss aus Eigeninteresse für sein Großprojekt Steuerreform ausgesucht. Der Stabilität der US-Geldpolitik und damit eines weiteren weltwirtschaftlichem Wachstums hat er damit aber einen großen Dienst erwiesen. Ob beabsichtigt oder nicht: Danke, Donald!

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

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