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StartseiteKommentare und Themen der WocheLiberias Hoffnungsträger muss liefern29.12.2017

Präsident George WeahLiberias Hoffnungsträger muss liefern

Im Wahlkampf wie im Sport: Der Ex-Fußballer George Weah hat seinen langen Atem bewiesen und wird neuer Präsident von Liberia. Doch nun seien schnelle Erfolge gefragt, vor allem im Kampf gegen die Korruption, meint Stefan Ehlert. Denn einmal an der Macht hat George Weah nur begrenzt Zeit dafür.

Von Stefan Ehlert

Der frühere Fußball-Profi George Weah hat die Präsidentenwahl in Liberia gewonnen. (pa/dpa/EPA/Jallanzo)
Der frühere Fußball-Profi George Weah hat die Präsidentenwahl in Liberia gewonnen (pa/dpa/EPA/Jallanzo)
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Der Wahlsieg des einstigen Weltfußballers George Weah in Liberia weckt Hoffnungen über die Landesgrenzen hinaus. Friedliche Machtwechsel sind möglich, auch in einem Land, das unter den Folgen brutaler Bürgerkriege und einer verheerenden Ebola-Epidemie zu leiden hat.

Demokratie ist machbar, auch in einem der Armenhäuser Afrikas, wenn sich die Regierenden an die Verfassung halten und bereit sind, die Macht abzugeben. Wenn Institutionen wie Wahlkommission und Gerichte funktionieren. Und wenn unterlegene Kandidaten ihre Niederlage ohne Wenn und Aber eingestehen. All das ist in Liberia der Fall, zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren.  

Jetzt ist es an George Weah, die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht zu enttäuschen. Sie sind besonders groß, weil sein Mythos als Stürmer-Star die Menschen ergriffen hat, die wahre Legende des kleinen Jungen aus ärmsten Verhältnissen - einer von uns, sagen die Liberianer - der es über den Sport mit Disziplin und Beharrlichkeit bis ganz oben geschafft hat. Doch große Erwartungen bergen die Gefahr großer Enttäuschungen. Und dieser Gefahr ist Liberias neuer Hoffnungsträger ganz besonders ausgesetzt.

Bodenschätze, Holz, Kautschuk, eine junge Bevölkerung, fruchtbare Böden

Warum sollte ihm gelingen, was selbst seiner Vorgängerin, der Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf, versagt blieb? Dass die Menschen teilhaben am Reichtum ihres Landes. Bodenschätze, Holz, Kautschuk, eine junge Bevölkerung, fruchtbare Böden - daraus muss sich doch mehr machen lassen als ein Staat, in dem sieben von zehn Menschen unterhalb der Armutsgrenze überleben? Vor Weah liegt eine gewaltige Aufgabe. Dass er einen langen Atem hat und den Willen zum Erfolg, das hat er bewiesen, im Sport wie auf dem Weg ins Präsidialamt, um das er sich schon vor zwölf Jahren bewarb.

Doch gefragt sind jetzt schnelle Erfolge. Vor allem im Kampf gegen die Korruption, für die sind rohstoffreiche Länder wie Liberia besonders anfällig. Ob dubiose Deals mit Ländereien oder mit fragwürdigen Schürfrechten – einmal an der Macht, hat George Weah nur eine begrenzte Zeit, korrupte Netzwerke zu zerschlagen. Wenn er das will. Seine Vizepräsidentin ist Jewel Howard-Taylor, die Ex-Gattin jenes Mannes, der als erster Staatschef der Welt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde, ein geübter Plünderer. Manche werten dies als Geste der notwendigen Versöhnung mit Liberias grauenhafter Vergangenheit. Andere sagen: George Weah habe sich mit den falschen Leuten eingelassen, um bei den Wahlen gewinnen zu können. Jetzt kommt es darauf an, dass er etwas macht aus diesem Sieg. 

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