Die Nachrichten

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

Die Nachrichten

17. Juni 2018Die Presseschau

Die Krise innerhalb der Union ist das Hauptthema auch in den Sonntagszeitungen. Außerdem geht es die Fußball-WM in Russland, wo die deutsche Nationalelf heute ihr erstes Spiel bestreitet.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) spricht mit Bundesinnenminister Seehofer (CSU) (dpa / Michael Kappeler)
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) spricht mit Bundesinnenminister Seehofer (CSU) (dpa / Michael Kappeler)

Zum Streit zwischen CDU und CSU schreibt die WELT AM SONNTAG: "Die beiden Verlierer dieses dramatischen Spiels stehen schon fest, es sind die Hauptakteure Horst Seehofer und Angela Merkel. Noch offen ist der Grad der Verletzungen. Es reicht von zwei blauen Augen mit multiplem Rippenbruch bis zum Ende der politischen Karrieren. Macht Seehofer am Montag Ernst und ordnet die Zurückweisung an der Grenze an, muss Merkel ihn zwangsläufig entlassen. Dann platzen Union und Koalition, die professionellen Merkelhasser setzen ein Ausrufezeichen hinter ihre Merkelmussweg-Hashtags, und es wird neu gewählt. Gewinnen würde in jedem Fall die AfD. Sogar deren Traumszenario einer bürgerlichen Kernschmelze mit zwei bundesweiten C-Parteien ist nicht mehr undenkbar. Für die CSU wäre dieser Fall fatal", glaubt die WELT AM SONNTAG.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG skizziert mögliche Zukunftsszenarien: "Wenn die CSU mit Seehofer als politischem Selbstmord-Altenteiler Koalition und Kabinett sprengt, weil die Bundeskanzlerin sich ihm nicht unterordnet, dann –ja, dann werden die CSU-Minister eben durch andere ersetzt. An Bewerbern herrscht ja kein Mangel. Statt herumzustreiten, könnte die Regierung Politik machen. Neuwahlen kann keiner erzwingen. Um Merkel abzulösen, bedürfte es eines konstruktiven Misstrauensvotums. Wer sollte zur Wahl antreten? Dobrindt, Spahn oder Lindner? Die Fraktionsgemeinschaft der Union wäre zerfetzt, und damit auch die Schwesternschaft der Parteien. Die CDU würde schon bei der Landtagswahl im Oktober in Bayern antreten. Die CSU müsste anschließend in den anderen Bundesländern ihr Glück versuchen, zunächst in Hessen. Doch während die CDU in Bayern von christsozialem Fleisch zehren würde, müsste sich die CSU anderswo bei der AfD schadlos halten", notiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.

"Deutschland debattiert über eine pauschale Rückweisung von Flüchtlingen, Italien lässt Schiffe mit Flüchtlingen durchs Mittelmeer irren", hält die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG AM SONNTAG fest und moniert: "Die EU hat sich fast drei Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 immer noch nicht auf einen vernünftigen und geordneten Umgang mit Asylsuchenden geeinigt, denn zu gross sind die inneren Gegensätze. Stattdessen greifen immer mehr Staaten zu einseitigen, populistischen Aktionen. All dies bringt nur neues Leid und neue, unkontrollierte Migrantenströme. Es ändert aber nichts daran, dass weiterhin Menschen ihr Glück in Europa suchen. Darauf kann es logischerweise nur eine gemeinsame europäische Antwort geben, so wie es die Regierungen etwa in Deutschland oder Frankreich fordern. Dabei bedarf es mehr als verstärkter Kontrollen der Aussengrenzen, nämlich einer europäischen Asylpolitik. Brüssel muss sie koordinieren und muss Mitgliedsstaaten auch für die Aufnahme von Flüchtlingen entschädigen. Wenn all dies nicht gelingt, drohen noch mehr nationale Alleingänge und noch mehr populistische Regierungen", warnt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG AM SONNTAG.

Die Flüchtlingskrise hätte verhindert werden können, meint die türkische Zeitung KARAR und erläutert: "Die Migrationswelle hat drei Hauptgründe. Der erste sind Kriege und politische Instabilität. Hätte man nicht auf Frankreichs Anregung hin in Libyen militärisch eingegriffen, wäre es von dort nicht zur massenhaften Flucht nach Italien, Spanien und Malta gekommen. Hätte man im Krieg in Syrien rechtzeitig eingegriffen, wäre die Flüchtlingswelle über Griechenland und Bulgarien nach Europa ausgeblieben. Hier hat Europa ganz klar versagt. Der zweite Grund ist das wirtschaftliche Ungleichgewicht. Solange es zwischen der EU und ihren Nachbarn rund um das Mittelmeer ein Wohlstandsgefälle gibt, wird es bei der Masseneinwanderung bleiben. Diese Länder brauchen die Hilfe Europas. Der dritte Grund ist das Demokratiedefizit. Wenn die EU wirklich wollte, könnte sie helfen, demokratische Strukturen in den Nahostländern zu installieren. Man könnte noch vielmehr tun, doch wahrscheinlich wird weiterhin nichts passieren. Das Flüchtlingsproblem wird das Schicksal Europas bestimmen", prognostiziert KARAR aus Istanbul.

Themenwechsel. Die BERLINER MORGENPOST kommentiert die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland: "Nichts polarisiert mehr als der Fußball, nichts vereint mehr. Man kann sogar sagen: Nichts macht die Deutschen leidenschaftlicher. Am Ende wird wohl passieren, was DFB-Präsident Grindel in einer reichlich naiven, aber ebenso wahren Stellungnahme prophezeite. 'Wir werden wieder erleben, dass sich Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund in den Armen liegen, weil ein Spieler von Bayern München ein Tor geschossen hat.' Grindel kassierte dafür in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Wahr aber ist: Putin, Erdogan, Kommerz und all die vielen anderen Nebengeräusche, die vor jedem Turnier die Lücken schließen, die eine fußballlose Zeit im Sommerloch auftut, werden ab heute in den Hintergrund gedrängt. Es muss nur der Ball rollen", unterstreicht die BERLINER MORGENPOST.

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin macht sich anlässlich des ersten Spiels der deutschen Mannschaft Gedanken über die Bedeutung von nationaler Identität: "Schwarz-Rot-Gold weckt derzeit andere Assoziationen als ausgelassene Freude. In Zeiten der globalen Renationalisierung kann nicht oft genug betont werden, dass Nationalität eine willkürliche Konstruktion ist. Ihr eigener Beitrag für die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Vorzüge dieses Landes hält sich in ebenso überschaubaren Grenzen wie der Beitrag zum Weltmeistertitel 2014. Das war das alleinige Verdienst einer 23-köpfigen multiethnischen Fußballmannschaft, die der beste Beweis dafür ist, wie grotesk das Verlangen nach einer bewahrenswerten deutschen Identität ist. Natürlich sollen sich Fans heute freuen dürfen, wenn die Nationalmannschaft gegen Mexiko gewinnen sollte. Aber doch nicht, weil sie die gleiche Staatsangehörigkeit teilen, sondern weil sie mit den vertrauten Spielern mitfiebern. Denn Fußball funktioniert nach einfachen, universalistischen Regeln, die unabhängig von Herkunft und Hautfarbe die Menschen zusammenbringen. Damit hat er der Weltpolitik derzeit einiges voraus", hält der TAGESSPIEGEL fest, und damit endet die Presseschau.