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Presseschau am Sonntag

13. August 2017Die Presseschau

Die Kommentatoren befassen sich mit dem Jahrestag des Mauerbaus in Berlin und dem Dieselskandal. Doch zunächst geht es um den Nordkorea-Konflikt.

US-Präsident Donald Trump (links). Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un. (dpa / MAXPPP / Kyodo)
US-Präsident Donald Trump (links). Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un. (dpa / MAXPPP / Kyodo)

Dazu schreibt die schweizerische NZZ AM SONNTAG: "Plötzlich merken die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in Ostasien, dass Diktator Kim Jong Un seinem Ziel sehr nahe gekommen ist, Amerika glaubhaft mit Atombomben bedrohen zu können. Zielstrebig hat das absonderliche Regime in Pjöngjang während Jahren an der Entwicklung seiner Raketen und Atombomben gearbeitet. Nun steht es kurz davor, über die nötigen Interkontinentalmodelle und von Raketen tragbare kleine Sprengköpfe zu verfügen. Die Politik der halbherzigen und zudem von China und Russland hintertriebenen Sanktionen hat die Nordkoreaner bestenfalls etwas gebremst, aber nicht gestoppt. Was soll man tun? Es bleibt noch Zeit, um neue Zwangsmaßnahmen zu verhängen, die wirklich greifen und Kim am letzten Schritt hindern können. Allerdings müssten China, Pjöngjangs wichtigster Verbündeter, sowie Russland dahinterstehen und endlich allen Handel einstellen, der das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm erst möglich macht", meint die NZZ AM SONNTAG aus Zürich.

Die österreichische Zeitung DIE PRESSE führt aus: "Die Machthaber in Pjöngjang haben genau studiert, was mit den Diktatoren im Irak und in Libyen passierte, die sich ihre Atomwaffenprogramme abverhandeln oder abnehmen ließen. Sie wissen, wie Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi nach westlichen Militärinterventionen endeten: am Galgen und mit einer Kugel im Kopf. Kim wird eher sein Volk verhungern lassen, bevor er seine Atomsprengköpfe herausrückt. Und anders als Saddam und Gaddafi hat er immer noch einen mächtigen Verbündeten, der im Zweifel die schützende Hand über ihn halten wird: den Atomstaat China. Krieg ist keine Option in der Nordkorea-Krise. Es bleibt nur der mühsame Weg: das Regime in Pjöngjang einzudämmen und auf dessen Zerfall zu warten. Wenn Trump am Ende nicht als zahnloser Maulheld dastehen will, sollte er seine Drohungen gegen Nordkorea und Venezuela mäßigen – und wenigstens im Urlaub Twitterpausen einlegen." Das war DIE PRESSE aus Wien.

Die RHEINPFALZ AM SONNTAG geht auf die Rolle des US-Präsidenten ein: "Nach einem guten halben Jahr im Amt ist Donald Trump ein Lehrbub der Politik geblieben. Er hat, wie seine Wortsalven über Feuer und Wut beweisen, absolut nichts begriffen. Dass Atomwaffen der Abschreckung eines Gegners dienen sollen und nicht dem Einsatz in einem Krieg, dass eine Krise wie in Korea nur mit einer Mixtur aus diplomatischem und wirtschaftlichem Druck gemanagt werden kann, geht über Trumps geistigen Horizont. Seine Auffassungsgabe endet, wenn die Dinge zu kompliziert werden, um sie in die maximal 140 Zeichen einer Twitter-Nachricht zu packen. Zu hoffen, dass Reagans Nachfolger lernt, ist sinnlos. Trump bleibt Trump, ein selbstverliebter, unbelehrbarer Egomane. Es bleibt die Hoffnung, dass die Institutionen der USA, bald und bevor er  wirkliches Unheil anrichtet, diesen unfähigen Präsidentendarsteller dahin befördern, wohin er gehört: auf den Müllhaufen der Geschichte", urteilt die RHEINPFALZ AM SONNTAG aus Landau.

Die WELT AM SONNTAG hofft, dass frühere US-Generäle nun als Berater im Weißen Haus mäßigend auf den Präsidenten einwirken: "Vielleicht ist Trumps Rhetorik das Vorspiel zu einem Treffen mit Kim Jong-un. Man möchte es hoffen. Geschichte wiederholt sich nicht so einfach. Doch es gibt Beispiele dafür, dass Auftrumpfen nicht im Wahnsinn endete, sondern im Frieden, den wirklich niemand für möglich gehalten hätte."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG befasst sich mit dem Diesel-Skandal und der sogenannten Umweltprämie, die von den Herstellern ausgelobt wird. "Lasst die Stinker weiter fahren!", titelt die FAS. "Autofirmen wollen Autos verkaufen, das ist der Grund ihrer Existenz; und wenn sie Rabatte geben, tun sie auch nur das, was Verkäufer eben tun. Nur nennen sie die Rabatte nicht so; sie sprechen von 'Umweltprämie'; wer ein Elektroauto kauft, bekommt sogar eine 'Zukunftsprämie': So wird dem Kunden suggeriert, dass die Firmen sich um die Umwelt sorgen. Und dass der Kunde etwas ökologisch Gutes tut, wenn er seine alte Karre verschrottet und sich ein neues Auto kauft. Stimmt nur leider nicht; um die Sache beim Namen zu nennen, schon wieder eine Lüge. Mehr als die Hälfte des ökologischen Schadens entsteht bei der Produktion, da ist das vermeintlich so saubere Auto noch keinen Kilometer gefahren. Es sind also keine Umweltprämien, welche die Autofirmen jetzt anbieten. Es sind Verschmutzungsprämien. Man soll sie auch so nennen", empfiehlt die FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG.

In Berlin wird heute der Opfer des Mauerbaus vor 56 Jahren gedacht. Die BERLINER MORGENPOST merkt an: "Es ist nicht viel, was im Alltag der Berliner an die Mauer erinnert, an jenes monströse Bauwerk, mit dem die Führung der DDR ihr Wesen als menschenverachtende Diktatur dokumentierte. Warum heute daran erinnert wird? Richtig, da war ja was, am 13. August. Mauerbau. 56 Jahre später und fast 28 Jahre nach dem Mauerfall ist das Gedenken in den Hintergrund gerückt. Doch die Schrecken und das Leid dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Aus Respekt vor den Mauertoten. Aus Verantwortung, dass antidemokratische und menschenverachtende Ideologien nie wieder Fuß fassen. In Stein gegossene Zeugnisse der Brutalität des DDR-Regimes können dabei helfen. Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Aber auch das einstige DDR-Polizeigefängnis. Der Senat müsste das Gebäude endlich der Öffentlichkeit zugänglich machen", fordert die BERLINER MORGENPOST.

Für den TAGESSPIEGEL aus Berlin ist klar: Die Mauer war nie nur Wahrzeichen innerer Sicherheit, sondern vor allem Symbol der Repression und Abgrenzung. Sie diente dem DDR-Regime in Wirklichkeit als letztes Mittel, um die Flucht der eigenen Bürger und damit das wirtschaftliche Ausbluten zu verhindern. Das war keine Machtdemonstration, sondern das Eingeständnis von Schwäche, das durch Gewalt kaschiert wurde. Die Mauern und Zäune, die im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa entstanden, zeugen von ähnlicher Hilflosigkeit. Sie schützen nicht vor Gefahren, sie schaffen eher welche. Eine Mauer oder ein Grenzzaun werden die Migration nicht verhindern, sondern sie allenfalls erschweren. Wird eine Route geschlossen, finden Menschen eine andere. Das tägliche Sterben im Mittelmeer – der Todesstreifen Europas – und die Macht der Schlepperbanden sind auch der Festung Europa geschuldet", mahnt der TAGESSPIEGEL. Damit endet die Presseschau.