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Presseschau aus deutschen Zeitungen

20. September 2017Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Im Mittelpunkt steht die erste Rede von US-Präsident Donald Trump vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Außerdem geht es um die Äußerung von De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi zur Lage der Rohingya in Myanmar.

US-Präsident Donald Trump während seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (dpa picture alliance/ Nancy Siesel)
US-Präsident Donald Trump während seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (dpa picture alliance/ Nancy Siesel)

Der Zeitung DIE WELT hat der Auftritt Trumps vor der UNO missfallen: "Allen Zuhörern signalisierte er, arrogant und offenbar durch Berater nicht zu bremsen, dass der hässliche Amerikaner weiter da ist und nicht vorhat, sich bei anderen Ländern und Kulturen hübsch zu machen. Der Rede fehlte jedes Maß, und sie ist nicht nur in dem, was sie sagte, erschreckend, sondern auch in dem, was ungesagt blieb, tief beunruhigend. So spricht keine Macht, die moralische und politische Führung in der Welt anstrebt", unterstreicht DIE WELT.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG befindet: "Trump sprach so, wie man ihn kennt: undiplomatisch, laut, aggressiv. So hat er die Wahlen in den USA gewonnen, so wird er weiter regieren. Ob er sich in der Welt mit diesen Worten durchsetzen kann, ist zweifelhaft. Die Völkergemeinschaft durfte ihr Bild bestätigt sehen."

Aus Sicht des REUTLINGER GENERAL-ANZEIGERS war Trumps Premiere vor den UNO ... "... weniger spektakulär, als von ihm zu erwarten gewesen wäre, entsprach aber ganz seinem bisherigen Stil: Weder dem Ort noch der Bedeutung angemessen. Wenn da nicht wieder seine vulgäre Wortwahl gewesen wäre, mit der er jede Möglichkeit, aufeinander zuzugehen unnötig erschwert", empört sich der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG gibt dem US-Präsidenten in einem Punkt recht: "Es ist richtig, wie Donald Trump die Effizienz der Vereinten Nationen kritisch zu hinterfragen. Große Institutionen haben die Neigung, über Jahre einen bürokratischen Wasserkopf zu entwickeln. Und nicht immer sitzt jeder Bedienstete auch am richtigen Platz. Einer Verwaltungsreform sollten sich die Vereinten Nationen also nicht verschließen. Mehr Effizienz bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Weltorganisation billiger werden muss oder sollte. Unruheherde gibt es reichlich. Überall dort, wo Gewalt an die Stelle von Politik getreten ist, lindern die UNO-Hilfsorganisationen zumindest das Leid jener Menschen, über deren Wohl sich die Herrschenden gewissenlos hinwegsetzen. All das sollten die USA bedenken, bevor sie die UNO finanziell ausbluten lassen" warnt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

"Die Vereinten Nationen haben einen riesigen, aufgeblähten Apparat, der viel Geld kostet und ineffizient arbeitet", räumt auch die SÄCHSISCHE ZEITUNG ein. "Doch wenn der US-Präsident den Erfolg der Weltorganisation allein nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet, kommt er zu falschen Schlüssen. So simpel ist Weltpolitik nicht. Wer die UNO wirklich stärken will, kommt an einer Reform ihrer Institutionen nicht vorbei", schreibt die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden.

Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG kritisiert vor allem die Drohungen des US-Präsidenten an Nordkorea: "In der aktuell gefährlichsten aller Krisen drohte Trump mit der 'totalen Zerstörung' Nordkoreas. Dabei ahnen alle: Jedes Säbelrasseln wird den Diktator in Pjöngjang nur anstacheln, immer neue Raketen zu entwickeln. Zur Lösung des Nordkorea-Konflikts braucht man am Ende auch China und Russland sowie neue, konkrete Maßnahmen - die idealerweise auf der Ebene der Vereinten Nationen abgestimmt werden sollten", hebt die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG hervor.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU hält Trumps "Versuch" für gefährlich, ... "... Nordkorea und den Iran auf eine Stufe zu setzen. Man muss die Mullahs in Teheran nicht mögen. Doch bislang gibt es keine Belege dafür, dass sie gegen das Atom-Abkommen verstoßen. Wenn Trump nun den zwei Jahre alten Deal in die Tonne treten will, spielt er damit nicht nur den Hardlinern im Iran in die Hände. Auch Kim Jong Un wird so sicher nicht motiviert, bei Verhandlungen einen Stopp seines Atomprogramms zuzusichern. Trump agiert wie ein wandelndes Pulverfass", urteilt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE resümiert: "In Trumps Welt ist die Politik an ihrem Nullpunkt angelangt, kommt alles Gute nur aus entschlossenem Handeln in wohlverstandenem Eigeninteresse. Dieses kalte Kalkül der Macht verbindet den US-Präsidenten ausgerechnet mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un; auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping, den Mullahs in Teheran und anderen Herrschern. Dass Trump sich in diesem Sinne an ihre Seite stellt, ist die eigentliche Botschaft des Tages. Der Welt drohen schwere Konflikte", befürchtet die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel.

Damit zum zweiten Thema: In Myanmar hat die faktische Regierungschefin Suu Kyi nach Wochen des Schweigens erstmals die Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya verurteilt. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fragt: "War das alles? Es ist gut, dass sich Aung San Suu Kyi endlich zum Rohingya-Konflikt geäußert hat. Was die Friedensnobelpreisträgerin allerdings zu sagen hatte, ist enttäuschend. Die Rede war deutlich eine Reaktion auf internationale Kritik und deshalb auch vor allem an das Ausland gerichtet. Besser wäre freilich gewesen, sie hätte ihren Landsleuten ins Gewissen geredet. Aber es sieht so aus, als hätte sie dann gegen ihre eigene Überzeugung sprechen müssen. Und das lässt tief blicken", bemerkt die F.A.Z.

Im KÖLNER STADT-ANZEIGER heißt es: "Trotz allen bombastischen Redeaufwands zeigte Suu Kyi, wie sehr sie der Wirklichkeit entrückt ist. Sie versuchte, der Welt weiszumachen, es gebe keine Militäraktionen gegen die Rohingya mehr. Beobachter am Grenzfluss konnten von Bangladesch aus das Gegenteil sehen. Aung Sang Suu Kyi steckt ihren Kopf zwar nicht in den Sand, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ihr vorwarf. Ihr Blick auf die Tragödie der Rohingya ist jedoch von einer Wolke falscher Informationen und Halbwahrheiten vernebelt. Ihre Ankündigung, Schuldige von Übergriffen zu bestrafen, ist ehrenwert. Aber als Gefangene der vom Militär bestimmten Machtverhältnisse in Myanmar sollte sie nicht solche falschen Erwartungen wecken", findet der KÖLNER STADT-ANZEIGER.

Nach Einschätzung der TAGESZEITUNG steckt Suu Kuy - Zitat: "... in einer furchtbaren Klemme. Vor allem aber kann sie sich nicht offen auf die Seite der Rohingya stellen und das Militär verurteilen, wenn sie nicht ihr Lebensziel aufs Spiel setzen will: ein demokratischeres Land ohne eine Vormachtstellung der Armee. Täte sie, was ihre Ankläger verlangen, wäre ihre politische Karriere am Ende – und im schlimmsten Falle auch ihr Leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Militärs die Lage im Bundesstaat Rakhine nach den Attacken einer muslimischen 'Heilsarmee' auf Militärposten absichtlich anheizen, nicht nur um die Rohingya zu vertreiben, sondern auch um Aung San Suu Kyi und ihre Regierung zu destabilisieren", überlegt die TAZ.

Auch die PASSAUER NEUE PRESSE zeigt für Suu Kyis Verhalten ein gewisses Verständnis: "Wegen ihrer unvermeidbaren Rücksichtnahme auf das Militär und die buddhistische Mehrheitsbevölkerung in Myanmar mussten ihre Aussagen zwangsläufig vage bleiben. Es ist der typische Konflikt zwischen Idealismus und Realpolitik, in dem die langjährige Kämpferin für Freiheit und Menschenrechte steckt. Die Internationale Gemeinschaft muss den Druck auf Myanmar erhöhen, ohne die diffizile Machtbalance zwischen der De-facto-Regierungschefin und den weiterhin einflussreichen Militärs zu gefährden. Denn letztlich wäre es fatal, wenn die Friedensnobelpreisträgerin politisch scheitern würde. Die Hoffnungen auf ein Erstarken der jungen Demokratie in Myanmar wären damit endgültig zerstört", gibt die PASSAUER NEUE PRESSE zu bedenken, und damit endet die Presseschau.