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StartseiteVerbrauchertippEin Nachsendeauftrag allein reicht nicht mehr05.09.2017

Private Brief-DiensteEin Nachsendeauftrag allein reicht nicht mehr

Wer umzieht und sichergehen will, dass er seine Post nicht verpasst, der muss sich selbst darum kümmern. Aber mit einem einzigen Nachsendeauftrag ist es längst nicht mehr getan, denn es gibt viele private Zusteller. Das ruft Unternehmen mit zweifelhaften Geschäftsmodellen auf den Plan.

Von Sebastian Moritz

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Ein Postbote bringt ein Paket an die Haustüre (imago/STPP)
Die Deutsche Post schätzt, dass sich jeden Monat rund 4.000 Kunden über diese Drittanbieter ärgern (imago/STPP)
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Bei der Frage, wer zu Hause die Post bringt, kann man schon mal den Überblick verlieren. Die Bundesnetzagentur hat in ihrer aktuellsten Statistik für das Jahr 2015 deutschlandweit gut 570 Lizenzen für Postdienstleistungen aufgelistet. Nicht alle dieser Zustelldienste sind bundesweit im Einsatz, viele verteilen die Briefe nur regional begrenzt in einzelnen Städten oder Kreisen, trotzdem ist der Markt ziemlich bunt. Für den Nachsendeantrag heißt das: Wenn die Deutsche Post bei einem Umzug die neue Adresse kennt, ist das zwar gut, es reicht aber in der Regel nicht aus.

Postsprecher Achim Gahr: "Wir selber können mit unserem Service, weil wir Marktführer sind, den größten Teil der Sendungen nachschicken. Wir haben auch Mechanismen, um andere Postanbieter über Nachsendungen zu informieren."

Viele Nachsendeanträge

Das klingt gut - doch die Sache hat einen Haken: Wenn private Zusteller auf die Umzugsdatenbank der Deutschen Post zugreifen möchten, müssen sie dafür bezahlen und dieses Geld sparen sich viele Anbieter. Konsequenz für den Verbraucher ist, dass er bei einem Umzug, einem längeren Urlaub oder einem Sterbefall unter Umständen ziemlich viele Nachsendeanträge stellen muss. Das ist aufwendig und kostet Zeit. Und genau hier beginnt das Geschäft eher zweifelhafter Unternehmen. Sie kümmern sich für die Kunden um die Nachsendeanträge. Ihr Angebot: "Mit uns verpassen sie keine Post mehr". Doch so ganz stimmt das nicht immer. Diese Drittanbieter stellen den Nachsendeantrag zwar bei verschiedenen Zustellern, oft aber nicht bei allen. Kunden sollten bei solchen Angeboten daher vorsichtig sein, sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW.

"Auf was erstreckt sich der Nachsendeauftrag, also betrifft es hier nur zum Beispiel die Deutsche Post selbst oder auch andere Anbieter. Dann der Zeitraum ganz wichtig: Handelt es sich nur um einen Jahreszeitraum oder um mehrere Jahreszeiträume, gegebenenfalls auch um vielleicht auch Verträge, die sich nach einem Zeitraum verlängern. Und von größter Bedeutung ist natürlich der Preis, der für diese Leistung verlangt wird und in welchem Verhältnis steht der zur Leistung von anderen Anbietern."

Drittanbieter verlangen hohe Preise

Bei der Deutschen Post zahlen Kunden jährlich 26,90 Euro für den Nachsendeservice. Die Drittanbieter verlangen teilweise mehr als das Dreifache. Und nicht immer bekommt der Kunde dafür tatsächlich auch mehr Leistung. Bei einem Test-Auftrag mit einem Umzug von Köln nach Berlin verlangte einer der Anbieter knapp 90 Euro im Jahr. Er leitet den Antrag jedoch ausschließlich an die Deutsche Post weiter. Das könnten Kunden also günstiger haben. Vielen sei jedoch gar nicht bewusst, dass sie nicht bei der Deutschen Post gelandet sind, kritisiert der Marktführer. Schließlich wirkten die Internetseiten mit ihrer Aufmachung oft so, als handele es sich um ein offizielles Angebot der Deutschen Post. Wenn sich dann herausstellt, dass das nicht der Fall ist, ärgern sich viele Kunden, sagt Achim Gahr:

"Letzten Endes geht es vor allem erstens um Geld. Dass die Kunden sehen, sie sind - in Anführungsstrichen - betrogen worden. Das heißt, sie zahlen viel zu viel für eine Dienstleistung. Das Zweite ist, dass ihnen wohl versprochen wird, dass alle Post nachgesendet wird und das ist anscheinend nicht das, was die leisten können."

Die Deutsche Post schätzt, dass sich jeden Monat rund 4.000 Kunden über diese Drittanbieter ärgern. Eine kostenlose Alternative zum Nachsendeservice ist übrigens die Umzugsmitteilung der Deutschen Post. Hier informiert die Post eine ganze Reihe von Banken, Versicherungen und Versandhäusern - und das völlig kostenlos. Dass so wirklich jeder Absender erreicht wird, ist allerdings nicht garantiert. Aber vielleicht hilft es ja auch, wenn man einfach mal in sich geht, überlegt, wer einem überhaupt noch Briefe verschickt und sich dann direkt bei diesen Behörden, Versicherungen oder auch Freunden mit der neuen Adresse meldet.

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