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StartseiteVerbrauchertippNichtwissen kann teuer werden09.02.2018

Private Krankenversicherung für StudentenNichtwissen kann teuer werden

Hunderttausende junge Leute beginnen Jahr für Jahr mit dem Studium und müssen sich krankenversichern. Die Angebote vieler privater Krankenversicherer klingen verlockend. Doch Studierende sollten mit spitzer Feder rechnen.

Von Ursula Reinsch

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Studienanfänger sitzen am 14.10.2013 während ihrer ersten Juravorlesung in einem Hörsaal der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam (Brandenburg).   (dpa / picture alliance / Ralf Hirschberger)
Wer jung ist und schnell studiert, für den kann sich die private Krankenversicherung rechnen. In anderen Fällen drohen allerdings erhebliche Extrakosten (dpa / picture alliance / Ralf Hirschberger)
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Zwei Orte: Universität zu Köln, Universität Aachen. Zwei Fragen: Wie sind Sie krankenversichert und was wissen Sie darüber? "Krankenversichert, ja, familienversichert, über meine Mutter." "Über meine Eltern." "Ich weiß es nicht." "Ich weiß, dass es 'ne Altersgrenze gibt, aber wann die ist, weiß ich nicht." "Mein Vater ist privat versichert und bekommt Beihilfe. Deshalb hab ich mich auch privat versichert." " Ich kenn mich gar nicht aus, sorry, ich weiß gar nichts."

Am Anfang sehr günstig

"Ich weiß gar nichts." - Das kann auf die Dauer teuer werden. Auch wenn die Prämien der privaten Krankenversicherer zunächst verlockend günstig, die Leistungen verlockend gut sind, wie bei diesem Aachener Student.

"Das ist erst mal gut, weil man viele Vergünstigungen bekommt und beim Arzt direkt drankommt und so. Und ich bezahle knapp 20 Euro im Monat, und das ist natürlich sehr günstig."

So günstig ist die private Krankenversicherung - zeitlich begrenzt - nur für Studenten, deren Eltern Beihilfe, das heißt Zuschüsse zu den Arztrechnungen, erhalten. Und: "Das dauert an bis zum 25. Lebensjahr." Sagt Regina Behrend, Gesundheitswissenschaftlerin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Schallgrenze 25. Geburtstag

Beenden Studenten ihr Studium bis zum 25. Geburtstag, kann es sich dennoch rechnen, den günstigen Studententarif einer private Krankenversicherung zu nutzen. Der liegt oft ein paar Euro unter dem der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Aber: "Wenn dann aber diese Vergünstigungen wegfallen, mit 25 Jahren, dann verfünffacht sich die Prämie. Man kann dann aber nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung."

Einmal privat versichert, das heißt nämlich für das gesamte Studium: immer privat versichert. Und sogar darüber hinaus. So lange bis man einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht. Es gibt kaum Ausnahmen. Und dann kann es schnell so aussehen wie bei dieser Studentin.Private Krankenversicherung - Studenten achten müssen

Der Papa muss es richten

"Ich bin privat versichert, jetzt inzwischen alleine... Unfassbar viel muss ich bezahlen und zwar sind das 250 Euro. Ich muss grundsätzlich bei meiner Privatversicherung bleiben. Also man hat kein gesondertes Kündigungsrecht, was ich dann auch erfahren habe … Der Papa muss das finanziell schaffen..."

Deshalb scheint es klug, über die folgende Alternative nachzudenken, selbst wenn sich zu Beginn des Studiums die private Krankenversicherung günstiger ist als die gesetzliche: "Meine Eltern sind privat versichert, und wenn ich auch weiter über sie versichert worden wäre mit Beihilfe - meine Eltern sind Beamte -, dann müsste ich ab 25, wenn ich mein Studium bis dahin nicht abgeschlossen hätte, selber versichert werden. Dann würde das ziemlich teuer werden. Und deshalb habe ich lieber vorher auf die gesetzliche Krankenversicherung umgeschwenkt."

Fazit: Wer jung ist und schnell studiert, für den kann sich die private Krankenversicherung rechnen. Wer nach dem Studium dann aber erst mal jobben und reisen will, der sollte die Finger von den Privaten lassen. Immer gilt: nach dem 14. Semester oder dem 30. Lebensjahr enden sämtliche Studentenvergünstigungen.

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