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StartseiteVerbrauchertippZuhause bei Fremden03.04.2017

Privater WohnungstauschZuhause bei Fremden

Das Hotel als Unterkunft auf Reisen hat Konkurrenz bekommen: Dank Internet boomen Online-Portale für Ferienwohnungen und -zimmer. Eine besondere Variante dabei ist der Wohnungstausch, bei dem Reisende die eigene Wohnung zu Verfügung stellen. Die Stiftung Warentest hat sich vier weltweit agierende Tauschportale angeschaut.

Von Dieter Nürnberger

Ein leerer Schaukelstuhl in einer Wohnung.  (picture-alliance / Lehtikuva Kirsi Salovaara)
Die Idee zum Wohnungstausch als Form des Reisens ist schon jahrzehntealt. Doch bekam sie durch das Internet neuen Schub (picture-alliance / Lehtikuva Kirsi Salovaara)
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Urlaubsplanung Wohnungstauschurlaub braucht Vertrauen

"Das ist die kostengünstigste und auch coolste Form des Reisens. Weil man nicht in irgendeinem Hotel oder irgendeinem Campingplatz landet, sondern in einer komplett ausgestatteten Wohnung. Wo man kochen kann, Bücher durchstöbern kann - man ist auf eine andere Art und Weise zu Hause." 

Egal, ob Barcelona oder London, Istanbul oder Montreal - Eric Pawlitzky und seine Familie haben in diesen Städten stets in Tauschwohnungen gelebt und im Gegenzug für den gleichen Zeitraum die eigenen vier Wände dem jeweils anderen überlassen. Die Bilanz des 60-jährigen Berliners fällt positiv aus - es sei eine kostengünstige, individuelle und authentische Art des Reisens.

"Es basiert alles auf Vertrauen"

Auch die Stiftung Warentest hat Tauschurlauber nach ihren Erfahrungen gefragt. Viele seien begeistert, sagt Falk Murko: "Es basiert alles auf Vertrauen. Und nicht alle Menschen haben ein so tiefes Vertrauen, dass sie das ohne Bauchschmerzen machen würden. Diejenigen, die es machen, sind aber sehr zufrieden. Aber es ist nicht für jeden geeignet."

Die Idee zum Wohnungstausch als Form des Reisens ist schon jahrzehntealt. Doch hat sie durch das Internet zusätzlichen Schub erhalten. Mussten die Mitglieder von Tauschbörsen früher noch recht mühsam Briefe und Fotos per Post schicken, geht heute alles sekundenschnell und einfacher. Vier weltweit anbietende Haus- oder Wohnungstauschportale haben sich die Warentester angeschaut. Sie arbeiten alle ähnlich: Tauschinteressierte müssen sich zuerst registrieren und in den meisten Fällen wird eine Jahresgebühr von ungefähr 100 Euro verlangt. Danach kann es losgehen mit dem Suchen auf dem Portal oder auch per Link auf die eigene Homepage eines Tauschinteressenten. Gegenseitiges Vertrauen ist das wichtigste Pfand beim Tauschurlaub, sagt Warentester Falk Murko.

"Es ist wenig geregelt: Der schlimmste Fall ist, wenn ein Tauschpartner kurzfristig abspringt. Die meisten sagen, das ist nur unter extremen Bedingungen - also Tod und Krankheit - möglich. Es gibt einen Anbieter - "HomeLink" - die haben da einen Garantiefonds. 2.500 Euro - beispielsweise für stornierte Flüge, es entstehen ja Kosten. In der Regel versuchen aber die Organisationen in solchen Fällen immer eine Ausweichmöglichkeit kurzfristig zu finden. Weil Geld ja eigentlich nicht fließen soll."

Einige Anbieter bieten auch den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung an. Gute Planung und Vorbereitung gehören somit dazu. Ideal ist natürlich ein gleichzeitiger Wohnungstausch, doch etliche Portale ermöglichen ebenso zeitversetzte Tauschmöglichkeiten per Gutschriftenmodell, mitunter werden auch Haushüter vermittelt.

Kaum Berichte über richtige Reinfälle

Da generell wenig geregelt ist, sollte auf jeden Fall eine Hausrat- und Haftpflichtpolice vorhanden sein. Auch sollte der Versicherer informiert werden, dass Gäste beherbergt werden. Um einen direkten Eindruck vom Tauschpartner zu bekommen, rät Warentester Falk Murko auch zu einem persönlichen Telefonat - bevor man den Tausch besiegelt: 

"Eingeweihte raten auch dazu, eine generelle Tauschvereinbarung abzuschließen. Formulare stellen die Tauschorganisationen zur Verfügung. Dann hat man wenigstens etwas in der Hand."

Auch Vermieter oder Nachbarn sollten vorab über die Fremden in der Wohnung unterrichtet werden. Interessant: Über richtigen Ärger in Folge eines Wohnungstausches wurde der Stiftung Warentest so gut wie nie berichtet. Zuhause bei Fremden - es scheint zu funktionieren.

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