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StartseiteCampus & KarriereProduktionsalltag im Mini-Maßstab21.06.2011

Produktionsalltag im Mini-Maßstab

Modellfabrik für angehende Betriebswirte

Um mehr Praxis in den Uni-Alltag zu bringen, gehen Betriebswirte an der Fachhochschule Koblenz neue Wege. Dort wurde jetzt eine Modellfabrik eröffnet, eine Lkw-Fabrik mit kleinen Modellautos. Die Abläufe in einem Produktionsbetrieb können dort realistisch simuliert werden.

Von Gerd Stuhlfauth

An der FH Koblenz lernen die Studenten in einer Modellfabrik. (AP)
An der FH Koblenz lernen die Studenten in einer Modellfabrik. (AP)

Christoph Trembaczowski ist mit Ernst bei der Sache. Mit fast fünfzig weiteren angehenden Betriebswirten steckt der Student im vierten Semester an diesem Vormittag mittendrin in einer Übung in der neuen Modellfabrik. Die hatte er zuerst nicht so ganz ernst genommen.

"Also, bei mir war es schon so, dass ich das bisschen für Spielerei gehalten hab, ist ja eigentlich nur Spielzeug. Aber um die Realität darzustellen ist das schon ganz gut."

Auf langen Tischreihen sind die verschiedenen Betriebsbereiche aufgebaut. Zum Beispiel Materialbeschaffung, Qualitätskontrolle oder Montage. Räder, Achsen und viele andere Bauteile für die handgroßen Lkw-Modelle müssen beschafft und rechtzeitig bereitgestellt werden. Die Studierenden arbeiten in Teams zusammen. Es wird viel diskutiert. Professor Bert Leyendecker erklärt die Aufgabe.

"Wir haben ein bestimmtes Produktionsprogramm heute vorgegeben. Es soll eine bestimmte Menge von Kranwagen und Kipplastern produziert werden. Die Studierenden sind aufgeteilt auf die vier Produktionsgruppen, die wir hier aufgebaut haben und in die Endmontage. Und haben als Aufgabe bekommen, den Materialfluss durch das Unternehmen zu optimieren."

Dass dabei Probleme auftreten können, erleben die Studierenden hautnah. Zuerst habe man noch Kräne für die Kranwagen bauen können, sagt Christoph Trembaczowski.

"Als dann die Auftragsbestellung für die weiteren Kräne kam, konnten wir diese nicht mehr fertigstellen, weil das Zwischenlager konnte einfach nicht liefern, weil die selbst kein Material mehr hatten."

Bei einer Übung im Hörsaal würde man über Lösungsmöglichkeiten diskutieren. In der Modellfabrik muss man Lösungen wirklich durchspielen und sehen, ob es auch funktioniert. Das ist der Unterschied, der Professor Leyendecker und seine beiden Kollegen Ayelt Komus und Elmar Bräkling bewogen hat, die Modellfabrik aufzubauen. Nicht in einzelnen Fachdisziplinen denken, sondern entlang der Prozesskette in einem Unternehmen. Das ist das Ziel, sagt auch Professor Ayelt Komus.

"So überschaubar wie denn auch ein so kleines Fahrzeug wie ein Fischer-Technik-Lkw wirken mag, wir haben auf einmal reale Zwänge, der Lkw ist zusammengebaut, ist richtig gebaut oder eben nicht. Und das zwingt einen im positiven Sinne wirklich dazu, die Probleme zu Ende zu denken. Das zwingt einen wirklich zu schauen, wie passen die Sachen zusammen, wie funktionieren sie zusammen, und das ist einer der ganz großen Vorteile."

Mit der Modellfabrik an der FH Koblenz können bis zu 200 Lkw-Modelle gebaut werden. Das heißt, man kann auch die Produktion größerer Stückzahlen simulieren. 65 Lieferanten gibt es, weltweit verteilt. Natürlich nur ausgedachte Firmen, jede davon ist als Kunststoffbox in einem Regal vorhanden. Verschiedene Zulieferersysteme können damit aber durchgespielt werden. Beispielsweise auch, wie man reagieren kann, wenn ein wichtiger Zulieferer ausfällt, wenn es Qualitätsprobleme gibt oder plötzlich viele Mitarbeiter krank sind. Preisverhandlungen werden per Video aufgezeichnet und später analysiert. Das alles läuft mit professioneller Software-Unterstützung. Vieles kann eben realistisch simuliert werden, sagt Professor Elmar Bräkling.

"Wir können hier mit 28 standardisierten Bauteilen operieren. Aber gleichzeitig mit diesen standardisierten Bausteinen auch Produktplattformen abbilden, die wieder Varianten abbilden. Und damit bekommen wir die Komplexitätsherausforderungen, die wir heute in der modernen Fertigung auch haben. Heißt:28 Bauteile, zwei Produktplattformen mit jeweils zwei Varianten, und damit können wir alle Herausforderungen mit den Studenten bearbeiten, die in einer modernen Fertigungsfabrik heute eine Rolle spielen."

Nicht nur mit Studierenden können kleine Übungen oder komplexe Fragestellungen durchgespielt werden. Auch Firmen aus der realen Wirtschaftswelt haben schon Interesse angemeldet, ihre Mitarbeiter in der Modellfabrik schulen zu wollen, sagt Professor Leyendecker, der nach den ersten Wochen das Projekt sehr positiv sieht. Überzeugt von der Modellfabrik ist auch Studentin Katrin Humpert, die bei der Übung an diesem Vormittag für die Endmontage zuständig ist.

"Natürlich ist das sinnvoll, um einfach mal zu sehen, dass da ein ganzes Team dahintersteckt und dass das funktionieren muss. Also besser kann man es ja praktisch gar nicht beigebracht bekommen."

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