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StartseiteCampus & KarriereProfessionalisierung, ja bitte!05.03.2013

Professionalisierung, ja bitte!

In Magdeburg treffen sich die Hochschuldidaktiker zu ihrer Jahrestagung

Der zunehmenden Komplexität der Lehre müsse die Didaktik Rechnung tragen, sagt Marianne Merkt, Leiterin des hochschuldidaktischen Zentrums der Hochschule Magdeburg-Stendal. Hier befassen sich die Fachkollegen auf ihrer Jahrestagung mit der Professionalisierung ihrer Disziplin.

Marianne Merkt im Gespräch mit Ulrike Burgwinkel

Ein Dozent hält vor Studenten der Universität Stuttgart eine Vorlesung. (AP)
Ein Dozent hält vor Studenten der Universität Stuttgart eine Vorlesung. (AP)

Ulrike Burgwinkel: In Magdeburg treffen sich derzeit die Hochschuldidaktiker zu ihrer Jahrestagung. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht eine Professionalisierung der Disziplin – das Tagungsthema. Wird die Hochschuldidaktik derzeit denn nicht professionell genug betrieben? Gastgeberin der Tagung ist die Leiterin des hochschuldidaktischen Zentrums der Hochschule Magdeburg-Stendal, Professor Marianne Merkt. Guten Tag, Frau Merkt!

Marianne Merkt: Guten Tag!

Burgwinkel: Wieso ist denn eine Professionalisierung nötig?

Merkt: Die Professionalisierung in der Hochschuldidaktik hat mit der stärkeren und zunehmenden Komplexität der Hochschullehre zu tun. Hochschullehrende stehen heutzutage oft vor Situationen, die sehr schwer zu entscheiden sind, weil sie eigentlich Dilemma-Situationen sind. Das heißt, man kann sich nicht für eine Lösung entscheiden, und das ist die richtige Lösung, sondern man steht ganz oft vor Entscheidungen, wo man Priorisierungen treffen muss. Das ist die eine Sache, die andere Sache ist, dass die Studierendenschaft sich geändert hat, sie ist sehr viel heterogener geworden, das Studiensystem ist schwieriger geworden mit Einführung des Bologna-Systems, und es gibt noch Altlasten, die die Hochschullehrer auch noch mit sich rumtragen, die eigentlich seit Einführung der Massenuniversitäten noch nicht so richtig gelöst sind – in der Praxis zumindest nicht.

Burgwinkel: Jetzt haben Sie zwei Stichworte für mich auf einmal geliefert, nämlich einmal sind es die Entscheidungen, die die Leute heute treffen müssen, und dann sprachen Sie von Altlasten. Was meinen Sie damit?

Merkt: Letztendlich ist es ja so, dass das Universitätssystem vor den 1970er-Jahren in erster Linie gedacht war für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, und es gab nur ein paar Professionsbereiche wie Medizin, Jura, ein paar weitere, die sozusagen auch für den Beruf ausgebildet haben. Wir haben mit Einführung der Massenuniversitäten jetzt eine bildungspolitische Entscheidung getroffen, die dahin geht, dass man gesagt hat, der größte Teil der Studierenden geht anschließend in einen Beruf. Damit sind Fragen sozusagen in die Hochschullehre reingekommen, wie bilde ich denn Studierende aus, die einen besonders guten Theoriepraxistransfer erlernen.

Burgwinkel: Es gibt unterschiedliche Unterrichtslehren in den verschiedenen Fächern, also die einzelnen Fachdidaktiken. Was kann die Hochschuldidaktik darüber hinaus denn an Hilfestellung leisten?

Merkt: Das ist genau der Punkt mit dieser stärkeren Komplexität, die auch zunimmt. Die Fachdidaktiken beschäftigen sich ja vor allen Dingen damit, wie ihre Fachinhalte didaktisch gut aufbereitet werden, wie zum Beispiel Forschung oder Forschungsansätze auch in die Lehre hineinkommen können und wo sozusagen welche Inhalte auch später für Berufsfelder, für die ganz spezifischen Berufsfelder dieses Faches auch relevant sind. Worum sich aber die Fachdidaktiken nicht so sehr kümmern, ist, wie gestalte ich zum Beispiel eine Prüfungsarchitektur über einen ganzen Studiengang hinweg, die kompetenzorientiert aufgebaut ist. das ist eine Frage, die sozusagen eine typische hochschuldidaktische Frage ist, und die die Fachdidaktiken gar nicht betrachten.

Burgwinkel: Und es gibt verschiedene Wege, also eine große Methodenvielfalt steht ja zur Verfügung, ob ich problemorientiert oder projektorientiert lerne, ob ich forschendes Lernen bevorzuge, mit Tutoren oder Praktika auf jeden Fall mit rein müssen – sind das Themenbereiche, mit denen Sie sich auch beschäftigen?

Merkt: Das sind durchaus Themen, die wir ja in der hochschuldidaktischen Weiterbildung anbieten. Ich würde sagen, wir betrachten eigentlich die hochschuldidaktische Weiterbildung mittlerweile berufsbegleitend und definieren sozusagen Transitionsphasen. Also eigentlich sollte die hochschuldidaktische Weiterbildung bei studentischen Tutorinnen und Tutoren anfangen, die da schon eine didaktische Weiterbildung brauchen in den ersten Workshops. Die nächste Transitionsphase wäre dann, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Lehrbeauftragte, die das erste Mal in der Lehre anfangen, diese brauchen natürlich eine methodische Grundlage, die brauchen auch erst mal ein grundlegendes Verständnis, was ist Lernen eigentlich, wie funktioniert das, und die brauchen natürlich Unterstützung, um ihre wissenschaftlichen und Fachinhalte auch gut in der Lehre aufbereiten zu können.

Burgwinkel: Und daran anschließen müsste sich auch die Evaluation dieser verschiedenen Verfahren?

Merkt: Das ist richtig, die Evaluation ist ein weiterer wichtiger Punkt. Lehrevaluation ist ja schon sehr weitgehend eingeführt worden an den Hochschulen, bisher ist es aber so, dass die Lehrevaluation eher lehrzentriert ausgerichtet ist, wie wir das als Hochschuldidaktiker sagen würden, und dass es bisher noch wenige Ansätze gibt, wie man sozusagen auch das Lernen der Studierenden evaluieren kann, da ist also auch noch Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu leisten, und nun kommt ja sozusagen als weiterer Kontext der Qualitätspakt Lehre dazu, der noch mal erhebliche Anforderungen, neue Anforderungen an Evaluationsfragen stellt. Das heißt, wir haben ja in den nächsten – also bis 2020 vom Bundesministerium gefördert –, haben die Hochschulen Projektanträge eingereicht und haben Fördermittel bekommen, um die Lehre zu verbessern, spezifisch die Lehre und die Studienbedingungen zu verbessern, und da gibt es einfach innovative Projekte, und da muss man natürlich auch Evaluationsmaßnahmen einsetzen und gucken, wie wirken die eigentlich, wie wirkt sich das aus, was davon läuft gut, wo muss man auch sagen, da sind Veränderungen notwendig, oder das waren Interventionsmaßnahmen, die nicht erfolgreich waren.

Burgwinkel: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Tagung!

Merkt: Ja, danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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