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Profilschärfung nach christlichem Modell

Wissenschaftsrat empfiehlt Aufwertung der Islamwissenschaften

Von Jacqueline Boysen

Die Islamwissenschaften sollen ausgebaut werden.
Die Islamwissenschaften sollen ausgebaut werden. (AP)

Eine Lücke müsse geschlossen werden: Denn bislang werden die deutschen Hochschulen der Bedeutung der größten nicht-christlichen Glaubensgemeinschaft nicht gerecht: der Wissenschaftsrat empfiehlt daher, die islamische Theologie und die Relgionswissenschaften weiterzuentwickeln – nach dem Modell, dem die christlichen Religionen folgen – ein durchaus begrüßenswerter Ansatz, so Bundesbildungsministerin Annette Schavan:

"Für mich ist das Teil moderner Integrationspolitik und es ist Teil dessen, was ich in den Satz bringe: Theologien sind für Religionen zentral bedeutsam."

Doch so positiv der Ansatz des Wissenschaftsrates von der Bundesregierung aufgenommen wurde – die schwierigste Aufgabe stehe noch bevor: die Ausgestaltung der Studiengänge und Institute, so die christdemokratische Ministerin, selbst bekennende Katholikin und katholische Theologin:

"Die zentrale Frage wird sein, wer ist Partner bei der konzeptionellen Entwicklung. Ich glaube, die Sache wird insgesamt sehr positiv aufgenommen werden und wir sollten uns dann auch nicht abschrecken lassen von der Suche nach dem Partner."

Dem Wissenschaftsrat geht es um die Ausbildung von Religionslehrern, aber auch um die Ausbildung von Geistlichen muslimischen Glaubens. Die islamischen Studien an einigen Universitäten zu stärken, sei der beste Weg, die wissenschaftliche Qualität von Forschung und Lehre der Islamwissenschaft und Theologie zu sichern – nach dem Muster der evangelischen und katholischen Theologie. Der Wissenschaftsrat verspricht sich von einem solchen Aufbau der Religionswissenschaften insgesamt, dass das Gespräch zwischen den Religionen und anderen Formen wissenschaftlicher Weltauslegung intensiviert und eine theologische Basis für den interreligiösen Dialog geschaffen werden könne, so Peter Strohschneider. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates weist auf den Verfassungsgrundsatz, der den Glaubensgemeinschaften ein Mitspracherecht sichert – ein Grundsatz, der bei den nicht zentral organisierten Muslimen schwer zu realisieren sein werde. Strohschneider schlägt einen Beirat vor:

"Wir schlagen vor, die Mitwirkungsrechte der Gemeinden über theologisch kompetente Beiräte für islamische Studien zu organisieren, die bei den Universitäten eingerichtet sind, die islamische Studien einrichten und die würden dann – verfassungsrechtliches Erfordernis – an der Ausarbeitung und Einrichtung von islamischen Studien beteiligt und bei der Berufung von Professoren. Und zwar nicht, dass sie berufen, aber dass sie die von der Uni ausgewählten Kandidaten und Kandidatinnen prüfen, ob sie aus religiösen Gründen Einwände haben."

Tatsächlich erkennt auch die KMK in der Frage, wie die islamischen Vertreter einzubinden sein werden in staatliche Islam-Institute, noch einen Hemmnis, so der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Da sei der Stein der Weisen noch nicht gefunden, in seinem Bundesland aber blende man derzeit zum Beispiel beim Religionsunterricht in den Schulen das eigentlich gesicherte Mitspracherecht aus.

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