• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteUmwelt und VerbraucherStrompreise steigen weiter31.12.2015

Prognose für 2016Strompreise steigen weiter

2016 werden die Strompreise voraussichtlich weiter steigen. Denn die Umlage für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wird angehoben. Verbraucherschützer befürchten zudem, dass eine neue Abgabe für Braunkohle-Kraftwerke im Reservemodus eingeführt wird. Frühestens im nächsten Jahrzehnt rechnen die Experten mit einem Rückgang bei den Stromkosten.

Von Dieter Nürnberger

Zwei Stromstecker sind in einem Zweifachstecker befestigt.  (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Warum steigen die Strompreise eigentlich weiter? (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Mehr zum Thema

Stromnetze Windkraft wird jetzt zur "Regel"

Allianz Schluss mit Kohle

Umlage für Erneuerbare Energien "Die Industrie wird deutlich bevorzugt"

Strompreise EEG-Umlage auf Rekordstand

Dass Strom 2016 billiger wird, davon geht eigentlich niemand aus. Ganz im Gegenteil. Einige Posten, die die Stromrechnung verteuern werden, stehen längst fest: So wird die Umlage für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien von derzeit 6,17 auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde steigen. Zudem müssen die Haushalte und die Industrie auch mit höheren Netzentgelten rechnen. Ein Posten, der inzwischen rund ein Fünftel der Stromrechnung ausmacht. Die Entgelte erheben Netzbetreiber für Bau, Betrieb und Instandhaltung von Stromnetzen. Je nach Region fallen sie zwar unterschiedlich aus, doch die große Mehrheit der Betreiber hat Steigerungen für 2016 längst angekündigt. Was für Kritik sorgt, beispielsweise bei Robert Busch, den Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft.

"Wenn Sie fragen, warum wird es denn bei Euch teurer, dann bekommen Sie bisher geschwärzte Bescheide. Sie sehen gar nichts - mit der Behauptung, es sei ein Geschäftsgeheimnis. Es ist also eine völlig kontrollfreie Zone, was da zwischen Netzagentur und den Netzbetreibern stattfindet."

Hier muss der Gesetzgeber künftig für mehr Transparenz sorgen, sagt Busch. Und er erhält Unterstützung vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Auch hier wartet man auf Korrekturen, die vielleicht 2016 kommen könnten, hofft zumindest DIHK-Energieexperte Hermann Hüwels:

"Man denkt darüber nach, bestimmte Pauschalen zu kürzen. Das bedeutet allerdings für den Verteilnetzbetreiber wiederum, dass er wesentlich mehr Bürokratie organisieren muss. Er muss detaillierter nachweisen. Was für kleinere Netzbetreiber sicherlich eine Herausforderung darstellt."

Die Experten sehen weitere Posten, die die Stromrechnung verteuern werden. Johanna Kardel vom Verbraucherzentrale Bundesverband:

"Zum einen steigt die Umlage, die für die Kraft-Wärme-Kopplung anfällt. Die verdoppelt sich. Gleichzeitig sehen wir auch eine neue Abgabe für die Braunkohle-Kraftwerke kommen. Von denen werden einige stillgelegt, gleichzeitig müssen sie aber als Reserve am Netz gehalten werden. Es ist einfach so, dass die Umlagen-Finanzierung nicht unbedingt immer die sozial gerechteste Lösung ist. Weil Familien mit vielen Kindern, oder auch solche, die sich nicht immer die neuesten Hausgeräte leisten können, proportional viel zahlen müssen. Einige Industriezweige können davon aber komplett ausgenommen werden."

Vorschläge um die Kosten zu senken

Dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist, darüber herrschte von Anfang an mehr oder weniger Konsens. Doch nun steht fest, dass es beim Netzausbau wohl weitere Steigerungen geben wird. Der Anteil der Erdverkabelung soll wachsen - oberirdische Leitungen die Umwelt nicht überproportional verschandeln, auch das wird mehr kosten. Vorschläge den Strompreis zu senken, gibt es. Auch beim Industrie- und Handelskammertag. Hermann Hüwels:

"Die Stromsteuer: 1,6 Cent sind es in etwa für das Gewerbe, rund zwei Cent für den Privatbürger. Sie ist ja ursprünglich als Ökosteuer eingeführt worden. Inzwischen aber gibt es so viele Umlagen, die diesen Effekt erzielen. Man könnte eigentlich mal darüber nachdenken, entweder auf diese Stromsteuer zu verzichten, oder das Geld für den Umbau des Stromsystems zu nutzen. Das sind immerhin sieben Milliarden Euro pro Jahr."

"Die Investitionskosten muss man eben einmal stemmen"

Da allerdings blockt bislang der Bundesfinanzminister. 30 Prozent beträgt inzwischen der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromgewinnung in Deutschland. Und wann wird es endlich einmal nach unten gehen beim Strompreis? Robert Busch vom Verband der neuen Energiewirtschaft blickt da eher in die mittelfristige Zukunft:

"Die Investitionskosten muss man eben einmal stemmen. Das ist die Aufgabe unserer Generation und das ist so. Aber wir haben die Erntephase noch vor uns. Und dann können wir uns sehr freuen, dass wir von gewissen Regionen der Welt - von fossilen Regionen - unabhängig sind. Wir sagen dann: Wir können dieses Industrieland so steuern, dass es funktioniert."

Im Klartext: Frühestens im nächsten Jahrzehnt rechnen die Experten mit einem Rückgang bei den Stromkosten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk