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StartseiteCampus & KarriereStudieren ausprobieren25.01.2016

Projekt Guter StudienstartStudieren ausprobieren

Der Start in ein Studium ist spannend - aber zugleich auch eine große Herausforderung. Viele stellen sich die Frage: Bin ich hier wirklich richtig, oder hätte ich lieber eine andere Hochschule nehmen sollen? In Aachen fällt die Antwort vielleicht etwas leichter, denn dort können sich Abiturienten seit dem vergangenen Jahr für ein Semester an zwei Hochschulen gleichzeitig anmelden.

Von Ingo Wagner

Ein Gebäude der Universität RWTH in Aachen.  (imago/Rainer Unkel)
Ein Gebäude der Universität RWTH in Aachen. (imago/Rainer Unkel)

"Ich weiß jetzt genau, was ich studieren will. Ich studiere im Moment Maschinenbau, hier an der TH und das Semester hat mir sehr geholfen, da reinzufinden, wie läuft das ab mit studieren." Hunor Emödi sitzt entspannt im Studentencafé der RWTH Aachen. Er ist froh, dass er bei dem Programm mitgemacht hat. Denn es hat nicht nur bei seiner Studienentscheidung geholfen, er hat dadurch sogar Vorteile gegenüber den anderen Erstsemestern – denn beim Projekt Guter Studienstart geht es nicht nur um einfaches Kennenlernen der Hochschule.

"Ich habe auch schon eine Klausur bestanden, ich habe schon Mathe bestanden und muss das jetzt im ersten Semester nicht mehr schreiben. Mein Primärziel war es herauszufinden, was ich studieren will und da hat mir der Gute Studienstart sehr geholfen."

Für seinen Kommilitonen Milan Kerpen ging es vor allem darum, für welche Hochschule er sich entscheiden sollte. Für die riesige Massen-Uni RWTH Aachen mit ihren mehr als 40.000 Studierenden und den gewaltigen Hörsälen? Oder die etwas kleinere Aachener Fachhochschule? Nach einem Semester in Hörsälen und Seminarräumen an beiden Hochschulen fiel ihm die Entscheidung leicht. "Ich habe mich entschieden für die Fachhochschule Aachen, wegen der Projekte, die man da macht und weil die auch ein bisschen familiärer sind, sind nicht ganz so viele Studenten und das passt mir einfach mehr."

Begonnen hat alles im April des vergangenen Jahres. 87 Abiturienten hatten sich gemeldet, um ein Semester lang die verschiedenen ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge an RWTH und FH kennenzulernen. Mit der Idee zu diesem Projekt verbinden die Verantwortlichen an beiden Hochschulen ganz konkrete Ziele, sagt Josef Rosenkranz, Prorektor für Studium und Lehre an der FH Aachen. "Ich denke, wir haben einfach gemeinsame Interessen. Wir wollen nämlich unsere Abbrecherquote in den Studiengängen minimieren. Und deswegen ist es uns wichtig, dass unsere Studienanfänger ihre Entscheidung wirklich fundiert treffen und das sie sich wirklich für das entscheiden, was später bei ihnen zum Erfolg führt."

Wenn ein Studierender sein Studienfach erst einmal richtig kennenlernt, und sogar schon Klausuren mitschreibt, dann weiß er auch, ob er das Studium packen wird – und wird sich dann auch richtig entscheiden. Und so ein Studierender scheitert dann auch nicht so schnell, hofft Prorektor Aloys Krieg von der RWTH Aachen. Denn derzeit ist die Abbrecherquote an der Elite-Uni noch sehr hoch. Aloys Krieg: "Im Maschinenbau werden von allen Anfängern 60 Prozent fertig, in der Elektrotechnik sind es vielleicht nur 40 Prozent, insgesamt schwankt die Absolventenquote in den Ingenieurwissenschaften um die 50 Prozent."

Damit kann eine Elite-Uni natürlich nicht zufrieden sein. Gespräche von Beratern und Fachstudienbetreuern mit Studierenden haben vor allem eines ergeben: Viele, die in den ersten Semestern abbrechen, waren sich vorher schon nicht sicher, ob sie das gewählte Studienfach wirklich nehmen sollten. Diese Unsicherheit gab es zum Beispiel auch bei Hunor Emödi, als er im April des vergangenen Jahres mit dem Testsemester anfing. Damals sagte er: "Ich weiß noch nicht genau, was ich studieren soll. Ich hab auch noch nicht so viele Informationen, ich weiß auch nicht, wie studieren wirklich aussieht, was muss ich da machen, wie viel muss ich tatsächlich lernen."

Viele Abiturienten entscheiden sich in so einer Situation einfach für irgendein Studium. Nach dem Motto: Mal sehen, wird schon gut gehen. Und sind dann überrascht, wenn sie feststellen, wie viel Mathematik zum Beispiel zu einem Maschinenbaustudium gehört. Gerade damit haben dann viele ihre Probleme. Deshalb mussten alle Teilnehmer des Guten Studienstarts Mathematik-Klausuren mitschreiben, sagt RWTH-Prorektor Aloys Krieg. "Wir haben zum Beispiel in der Mathematik was verpflichtend war für alle, eine sehr gute Erfolgsquote von über 80 Prozent erzielt."

Und damit eine gute Grundlage für die Absolventen den Testsemesters gelegt. Hunor Emödi und Milan Kerpen sind jedenfalls davon überzeugt, dass das Projekt ihnen geholfen hat. Das hat sich übrigens auch bei anderen angehenden Studierenden herumgesprochen: Für das neue Testsemester haben sich in diesem Jahr schon mehr angemeldet als für das alte. Ob sich damit aber die Abbrecherquote an den Hochschulen langfristig senken lässt, wird sich wohl erst in ein paar Jahren zeigen.

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