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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteCorsoKultur frei Haus19.11.2014

Projekt "Kulturbox"Kultur frei Haus

Vorbild Gemüsekiste: Wer die "Kulturbox" abonniert, soll viermal im Jahr Bücher, CDs oder Tickets für Kulturveranstaltungen nach Hause geliefert bekommen. Die Macher der Box wollen damit regionale Indie-Kunst fördern.

Von Jürgen Stratmann

"Ich war immer drauf und dran, mir eine Gemüsekiste zu bestellen," erklärt etwa der Pop-Autor Linus Volkmann im Kulturbox-Unterstützer-Video - aber:

"Mal ehrlich: Gemüse? Was hat Gemüse je für mich getan? Uneingeschränkt empfehlen kann ich allerdings: die Kulturbox!"

Denn: Die Macher der Kulturbox sind ausdrücklich angetreten, um etwas für Leute wie Linus Volkmann zu tun:

"Unsere Initiative ist als Kulturförderung gedacht. Das war der Ursprungsgedanke: Wie können wir die Indie-Kultur fördern?"

Vor allem die Indie-Kultur jedes einzelnen Bundeslandes soll für sich genommen vorgestellt werden, erklärt die ehemalige Arte-Redakteurin und Kulturbox-Mit-Erfinderin Nadja Dumouchel aus Straßburg - wobei "Indie" eine Art "Öko" der Kreativ-Wirtschaft ist - unkonventionelle Klein-Erzeuger, oft in gerade erst urbar gemachten Randlagen arbeitend - denn:

"Das findet eher in der Peripherie als im Zentrum statt. Lokale oder regionale Indie-Kultur. Für die sehen wir das als neuen Vertriebsweg."

Und darum ist die Kulturbox auch aus Sicht derer, die davon leben müssen -

"Eine sinnvolle Nahrungsergänzung," wie es der Musiker Matthias Hübner formulierte.

Stichwort: Nahrungsergänzung: Für Gemüsekisten-Abonnenten beginnt jetzt eine karge Zeit - denn im Winter bedeutet "saisonal" doch oft genug: Bis Mai gibt´s nur Grünkohl - nun:

"Kultur funktioniert ja auch sehr stark saisonal."

Aber: So was könne mit der Kulturbox nicht passieren, denn:

"Wir gehen davon aus, dass es ein Überangebot gibt - ein Überangebot an Kultur!"

"Perlen herausfischen"

Eine Behauptung, die manch Kultur-Interessierten - vor allem abseits der Metropolen - sicher wundern dürfte: Überangebot? Bei uns gibt's nicht mal Grünkohl - wird mancher in scheinbar kultur-strukturschwacher Region erwidern - aber - so erfährt man auf der Webseite:

"In ganz Deutschland, in jedem Bundesland gibt es großartige Indielabels, unabhängige Verlage und Künstler, von denen du noch nie etwas gehört hast, weil Monopolisten die Vertriebskanäle dominieren, weil diese Inhalte extrem selten in den großen Mainstream-Medien besprochen werden."

So Alain Bieber, auch einer der drei Gründer - das Schwierige sei eher, aus dem Überangebot "die Perlen, die Highlights herauszufischen."

Das ist der Service der Kulturbox-Macher: eine Auswahl zusammenstellen - und zum Päckchen verschnürt Kulturliebhabern ins Haus zu schicken - und zwar:

"Viermal im Jahr - die Box an sich wird von Künstlern gestaltet - es ist eine Karton-Kiste und drin ist dann ein Buch, ein Magazin, eine CD - oder DVD, eine Eintrittskarte für Festivals oder Konzert oder Performance oder Film - die Idee ist aber auch, dass wir Sonder-Editionen planen - mit limitierten Künstler-Drucken, oder eine signierte Bücherreihe."

Nun versprach das Gemüsekisten-Abo immer: viel Gutes für wenig Geld!

"Unsere Kulturbox kostet 49 Euro pro Quartal! Wenn man sich überlegt, dass man ein neues Buch, einen neuen Roman für 20 Euro bekommt - und ein hochwertiges Magazin im Handel auch um die 10 Euro kostet - sind wir schon günstiger, als wenn man die Kulturgüter einzeln kaufen würde."

Finanzierung durch Crowdfunding

Außerdem: "Uns ist aufgefallen, dass es vor allem junge Berufstätige sind, die genug Geld haben, sich eine Box zu kaufen - die aber keine Zeit haben. Wir hatten auch die Idee: Es gibt ja viele Fernbeziehungen heutzutage - der eine wohnt in Frankfurt, der andere wohnt in München - dann könnte man sich von der jeweils anderen Stadt eine Kulturbox bestellen. Es gibt natürlich auch die Oma, die nicht weiß, was sie ihrem Enkel zu Weihnachten schenken soll und sich denkt: Das könnte ein cooles Geschenk sein."

Allerdings soll's die ersten Kisten erst Anfang Januar geben - die Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung des Projekts hat gerade erst angefangen, Spender können direkt Boxen ordern "und die erste Gemüsekiste - ääh, nee: Die erste Kulturbox haben wir uns gesagt, dass wir eine Schnupperkiste rückblickend auf das Jahr 2014 eine Best-Of Deutschland -Box machen, aber ab Januar 2015 soll es für jedes einzelne Bundesland eine einzelne Kulturbox geben."

Jedenfalls empfehlen Künstler aus Ihrer Region: "Die Kulturbox! Regelmäßig freshe Kunst - eine sinnvolle Nahrungsergänzung!"

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