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StartseiteForschung aktuellProjekt Landmarke16.06.2009

Projekt Landmarke

Bessere Orientierung für Feuerwehrleute

Technik. - Manchmal gibt es bei Bränden Situationen, die auch erfahrene Einsatzkräfte überfordern. Im dichten Rauch sieht man oft nicht mal mehr die Hand vor den Augen. Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Angewandte Informationstechnik und die Kölner Berufsfeuerwehr arbeiten daher gemeinsam an neuen Lösungen. So genannte "Landmarken" sollen in Zukunft für eine bessere Orientierung sorgen.

Von Michael Böddeker

Feuerwehrleute üben mit modernsten Mitteln.  (AP)
Feuerwehrleute üben mit modernsten Mitteln. (AP)

Das Trainingsgelände des Instituts der Feuerwehr. Eine bis zu 30 Meter hohe Halle, in der mehrere Gebäude aufgebaut sind - ein sechsstöckiges Treppenhaus, Wohn- und Kellerräume, ein Supermarkt, eine Chemiefabrik und ein gentechnisches Labor. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen proben hier für den Ernstfall. Diesmal wird im Testeinsatz ein Wohnungsbrand simuliert. Theaternebel dient als Rauchersatz, und anstelle eines echten Feuers flackern in der zweiten Etage des Gebäudekomplexes helle orange-gelbe Lichter. Zwei Feuerwehrmänner in voller Montur und mit Druckluftflaschen auf dem Rücken gehen hinein. Sie ziehen einen schweren Schlauch durch das Treppenhaus.

Drinnen: weißer Rauch, man sieht fast nichts. Die Feuerwehrmänner bleiben dicht am Boden, dort ist im Brandfall der sicherste Ort. Systematisch arbeiten sie sich Raum für Raum vor. Wenn sie mit einem Zimmer fertig sind, legen sie vor der Tür eine leuchtende, tennisballgroße Landmarke aus Plastik ab, in der sich eine farbige Leuchtdiode befindet.

"Eine Landmarke ist ein Objekt, das die Feuerwehrleute ablegen können, um Informationen auf ihnen zu speichern, an bestimmten Orten. Das könnte zum Beispiel sein, dass sich an diesem Ort irgendeine Gefahr befindet. Und wenn jetzt nachfolgende Trupps kommen, dass die darauf aufmerksam gemacht werden, hier ist eine Gefahr. Und das ist in unserer Übung durch eine rote Landmarke markiert."

Eine grün leuchtende Landmarke zeigt dagegen an, dass ein Raum schon durchsucht wurde und sicher ist. Diese Informationen können für nachfolgende Trupps sehr hilfreich sein. Im Testeinsatz soll nun erprobt werden, ob sich die Landmarken im Zusammenspiel mit den Standard-Taktiken der Feuerwehr bewähren. Beim Testeinsatz in der Feuerwehr-Trainingshalle in Münster ist der erste Trupp inzwischen abgelöst worden. Die Männer hatten ein Brandopfer gefunden, und es sofort nach draußen gebracht. Einsatzleiter Thomas Stollenwerk hat anschließend zwei neue Feuerwehrmänner ins rauchende Haus geschickt.

"Der zweite Trupp kontrolliert jetzt noch einmal sämtliche Räume im zweiten Obergeschoss, denn da muss es noch brennen. Wir haben eine Person vom ersten Einsatztrupp gerettet aus dem zweiten OG, aber der eigentliche Brandherd ist noch nicht gefunden worden."

Dank der Landmarken findet der zweite Trupp schnell den Brandherd, das Feuer wird gelöscht. Über sein Funkgerät beendet Thomas Stollenwerk den Einsatz.

"Trupp zwei: Zum Abmarsch fertig!"

In Zukunft sollen die Landmarken noch wesentlich mehr leisten, als nur farbig zu leuchten. Tobias Dyrks zufolge könnten zum Beispiel Sensoren eingebaut werden, die per Funk Temperatur und Sichtverhältnisse an Einsatzleiter und Feuerwehrkräfte übermitteln. Die Empfangsgeräte für die Signale der Landmarken könnten dann direkt in die Feuerwehrkleidung integriert sein. Sehr hilfreich könnten die Landmarken auch sein, wenn ein Feuerwehrmann im brennenden Gebäude verloren geht, denn die Rettung von vermissten Einsatzkräften gilt als besonders schwierig und gefährlich. Die genaue Entfernung zum Vermissten könnte man in Zukunft mit Landmarken bestimmen, die in der Lage sind, sich gegenseitig zu orten. All diese Ideen sollen in das Projekt Landmarke einfließen. Bei der Entwicklung können die Forscher auch auf ein bereits existierendes System der Firma Drägerwerk zurückgreifen.

Auch dieses Gerät probieren die Feuerwehrleute in der Münsteraner Trainingshalle. Es ist etwa doppelt so groß wie ein Handy und hat ein Display, das die Entfernung zum nächsten Gerät in Metern anzeigt. Doch weil man im dichten Rauch kaum etwas sieht, gibt es auch ein akustisches Signal zu Orientierung ab. Verringert sich der Abstand zwischen zwei Geräten, wird der Piepton immer höher. Wenn ein Feuerwehrmann in Gefahr gerät, kann er außerdem ein lautes Hilfesignal auslösen. Bis all diese Funktionen in die Landmarken eingebaut sind, wird es wohl noch eine Weile dauern. Aber bereits in diesem Jahr soll ein Prototyp zu Demonstrationszwecken entstehen. Das finale Produkt wird dann nach Abschluss des Projekts von den Industriepartnern gestaltet.

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