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StartseiteUmwelt und VerbraucherProteste gegen Tagung des Deutschen Atomforums03.02.2009

Proteste gegen Tagung des Deutschen Atomforums

Atomkraftgegner bereiten Demonstrationen vor

Ab Mittwoch tagen in Berlin die Vertreter der deutschen Atomenergie-Branche. Bürgerinitiativen und Umweltverbände wollen mit einer Lichterkette protestieren - gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg.

Von Philip Banse

Philip Banse in unserem Berliner Studio, warum wollen denn die Aktivisten die bevorstehende Wintertagung des Deutschen Atomforums nicht einfach geräuschlos über die Bühne gehen lassen?

Umweltverbände wie BUND und Deutsche Umwelthilfe halten die Atomenergie nun mal für eine Steinzeittechnologie und das Atomforum ist nun mal die größte Lobbyorganisation der deutschen Atomwirtschaft. Und deswegen soll das Maritim Hotel in Berlin Mitte, wo das Atomforum stattfindet, morgen mit einer Lichterkette eingekreist werden. Die Organisatoren erwarten einige Hundert Teilnehmer. Sie werden protestieren gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Die CDU will ja bestehende Atomkraftwerke länger laufen lassen, als derzeit im Atomausstieg vereinbart. Das sei falsch, sagte Rainer Baacke, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe:

"Das Forum steht unter der Überschrift Energieverantwortung für Deutschland. Wir sind der Auffassung, hier von Verantwortungslosigkeit zu sprechen. Es gab gute Gründe, die Laufzeit der Kraftwerke zu beschränken und aus der Atomenergie auszusteigen. Das war das Risiko eines Unfalls, hinzugekommen ist das Risiko durch einen Terroranschlag. Das ist die ungelöste Entsorgungsfrage: Auch die Große Koalition mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Deutschen Bundestag hat es nicht geschafft, dieses Problem auch nur einen Schritt einer Lösung näher zu bringen."

Hohes Risiko und keine Endlager - zu diesen bekannten Argumenten ist in jüngster Zeit ein Neues hinzugekommen, das mit dem geplanten massiven Ausbau erneuerbarer Energien zusammen hängt. Danach seien Atomkraftwerke nicht flexibel genug, um an die schwankenden Stromlieferungen von Windkraftparks angepasst zu werden. Wenn viel Wind bläst, also viel Strom ins Netz strömt, müssen andere Kraftwerke heruntergefahren werden, um das Stromnetz nicht aus dem Tritt zu bringen. Atomkraftwerke seien dazu nicht in der Lage, so Rainer Baake:

"Es ist Ziel aller Parteien im Bundestag die erneuerbaren Energien massiv auszubauen. Das heißt, wir müssen jetzt, da wir in Richtung 30 Prozent erneuerbarer Energien marschieren, dass das restliche System mit diesem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien zusammenpasst. Und das geht mit Atomkraft nicht. Die erneuerbaren Energien speisen wechselnd ein, sie haben Vorrang in den Netzen, der Strom kommt zuerst. Und wir brauchen jetzt einen angepassten restlichen Kraftwerkspark mit viel Regelenergie, der in der Lage ist, diese schwankenden Mengen auch auszugleichen."

Deswegen plädieren die Umweltverbände gerade jetzt, in 2009 dafür, beim Ausstieg aus der Atomkraft zu bleiben, sagt Christoph Bautz vom Online-Netzwerk Campact:

"2009 ist das Jahr der Entscheidung. Entweder es gelingt der Atomlobby den Atomausstieg rückgängig zu machen nach der Bundestagswahl. Dafür setzt sie gerade alles in Bewegung. Oder aber es gelingt den Atomausstieg zu verteidigen und das heißt dann, das in den nächsten zwei Jahren eine ganze Reihe von Reaktoren vom Netz gehen würde. Dafür muss jetzt Druck gemacht werden, damit der Atomausstieg nach den langen Jahren endlich greift."

Auf dem Atomforum werden Wissenschaftler und AKW-Betreiber erklären, sei Atomstrom Klima schonend, weil wenig CO2 in die Luft geblasen werde. Das sei eine Lüge, so Christoph Bautz, auch Atomkraftwerke produzierten CO2 – wenn auch nicht so viel wie Kohlekraftwerke. Auch wird auf dem Atomforum das Stromlücken-Argument nicht fehlen: Wenn der Atomausstieg kommt und - wie derzeit Gesetz - das letzte AKW in 11, 12 Jahren abgeschaltet wird, dann gebe es ein Stromlücke, dann könne in Deutschland also nicht mehr genug Strom produziert werden. Auch das sei falsch, sagt Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe:

"Ich sehe keine Stromlücke. Das Gegenteil wird der Fall sein. In dem Moment, wo die Laufzeiten verlängert werden, wird dies eine massive Bremse sein für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir erleben im Moment bei den Erneuerbaren einen Boom ungekannten Ausmaßes. Die Branche rechnet damit, dass bis 2020 der Anteil der Erneuerbaren bei 47 Prozent liegt."

Das sei genug, um den Strombedarf in Deutschland zu decken – auch ohne Atomkraftwerke.

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