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StartseiteForschung aktuellPsychedelische Substanzen für die Forschung12.06.2013

Psychedelische Substanzen für die Forschung

Britischer Wissenschaftler fordert mehr Möglichkeiten, illegale Drogen zu untersuchen

Bewusstseinsverändernde Drogen sind für die Forschung interessante Substanzen. Ihre Untersuchung kann dazu beitragen, das Gehirn besser zu verstehen. Der britische Neurowissenschaftler David Nutt kritisiert, dass psychoaktive Drogen zu strikt verboten würden - das bedrohe die Freiheit der Forschung.

Von Katrin Zöfel

Seit zwei Jahren beschäftigt sich David Nutt mit Psilocybin, dem Wirkstoff halluzinogener Pilze, einer illegalen Droge.  (picture alliance / dpa)
Seit zwei Jahren beschäftigt sich David Nutt mit Psilocybin, dem Wirkstoff halluzinogener Pilze, einer illegalen Droge. (picture alliance / dpa)

Drogen, die das Bewusstsein verändern, sind für die Forschung interessante Substanzen. Sie zu untersuchen kann dazu beitragen, das Gehirn besser zu verstehen. Der britische Neurowissenschaftler David Nutt argumentiert im "Nature Neuroscience Reviews", dass psychoaktive Drogen zu strikt verboten würden. Das bedrohe die Freiheit der Forschung.

Dieser Mann hat wenig Angst vor Konflikten. David Nutt hat in den letzten Jahren die Wirkung von Heroin auf das Gehirn erforscht, seit zwei Jahren beschäftigt sich der Brite mit Psilocybin, dem Wirkstoff halluzinogener Pilze, einer illegalen Droge. Kürzlich hat ihm das Britische Medical Research Council Forschungsgelder bewilligt, um den Stoff an einer kleinen Gruppe depressiver Patienten auszuprobieren. Doch Nutt findet keinen, der ihm Psilocybin auf legalem Weg, in akzeptabler Qualität und zu bezahlbaren Preisen liefern könnte. Der Forscher kommt nicht weiter. Die Schuld dafür, gibt er der Politik. Deren Gesetze hält er für weit überzogen und vergleicht die Regeln, die den Missbrauch von Drogen unterbinden sollen, mit der Politik der katholischen Kirche im 17. Jahrhundert.

"Diese Gesetze sind die schlimmste Zensur der Forschung, seitdem die katholische Kirche versucht hat, Galileo Galileis Arbeit zu unterbinden. 50 Jahre lang haben sie die Erforschung von psychedelischen Drogen, von Empathogenen wie Ecstasy und von Cannabis verhindert."

Die Bestimmungen, sagt er, stünden in keinem Verhältnis zur Gefährlichkeit der Substanzen. Dabei müsse, sagt er, jeder ernstzunehmende Neurowissenschaftler verstehen wollen, was diese Stoffe im Gehirn bewirken.

"Das sind doch grundlegende Fragen der Neurowissenschaften, und wir können sie nicht klären, weil es so unsäglich schwierig ist, an diese Stoffe heranzukommen."

Ein Forscher, der die Dinge ähnlich sieht wie Nutt, ist Charles Grob. Er hat 2010 an der Harbor-Medical School der Universität von Kalifornien Los Angeles eine kleine Studie an Krebspatienten mit Psilocybin durchgeführt. Er gab die Droge an zwölf Menschen, die wegen ihrer Erkrankung unter Angst und Depressionen litten. Sie fühlten sich, berichtet er, noch Monate nach der Behandlung besser als davor. Die Teilnehmerzahl sei zwar klein gewesen, trotzdem untermauere seine Studie das Potenzial der Substanz:

"Wenn man die Behandlung optimal überwacht, kann man die Wahrscheinlichkeit gefährlicher Situationen auf ein Minimum reduzieren. Das haben wir geschafft. Wir sollten diese Forschung fortsetzen, es gibt für viele psychische Störungen immer noch keine Hilfe. Wir könnten mit Psilocybin und ähnlichen Stoffen endlich bessere Ergebnisse bekommen."

Es gebe viele Forscher, die gerne mit solchen verbotenen Substanzen forschen würden, davon ist Grob so überzeugt wie David Nutt. Doch die Auflagen seien zu streng, die Hürden zu hoch, daher ließen viele Kollegen lieber die Finger davon, der Schaden für die Neurowissenschaften sei groß. Doch das sehen längst nicht alle Kollegen so.

"David Nutt ist ein angesehener Kollege, aber in dieser Sache, glaube ich, hat er ein paar Dinge falsch verstanden."

Les Iversen ist emeritierter Professor für Neuropharmakologie und sitzt seit 2009 dem Gremium vor, das in Großbritannien die Regierung zur Drogenpolitik berät. David Nutt hatte den Vorsitz vor Iversen selbst für ein Jahr inne – bis er den Posten verlor, weil er öffentlich erklärte, viele illegale Drogen seien weniger gefährlich als Alkohol.

"Ich glaube nicht, dass viele nur darauf warten, endlich mit diesen Drogen zu forschen. Vielleicht sollten wir den Zugang für Forscher erleichtern, aber ich denke nicht, dass das alles ein so großes Problem für die Neurowissenschaften darstellt."

David Nutt hat für heute eine Konferenz zu dem Thema am Imperial College London organisiert. Viele Kollegen, das hofft David Nutt, werden eine Petition unterschreiben, die seine Forderungen unterstützt. Die Diskussion ist eröffnet.

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