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Qualität kostet

Was das Zeitungssterben für die Meinungsvielfalt bedeutet

Von Birgit Wentzien, Deutschlandfunk

"Financial Times Deutschland" (FTD) wird am 7. Dezember eingestellt
"Financial Times Deutschland" (FTD) wird am 7. Dezember eingestellt (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)

Journalismus ist keine Ware. Journalismus ist ein Gut. Und dieses Gut hat einen Preis – auch und gerade in Zeiten des Internets. Die Datenmengen wachsen, die Datenverarbeitung wächst nicht. Und das ist sie – die eigentliche Aufgabe von gutem, belastbarem, auch streitbarem Journalismus.

Er ist mehr als eine pure Benutzeroberfläche, und er braucht Verleger, die von diesem Gut überzeugt sind, es weiterentwickeln und finanzieren. Und dieser Journalismus braucht Nutzer, die seinen Wert erkennen und schätzen und zahlen. Auf vielen Verlagsoberflächen wird mehr und mehr platziert, was Geld bringt und immer weniger, was Geld kostet, beworben und durchdacht und vernetzt sein will und darum etwas wert ist. Viele Verlage verdienen ihr Geld längst mit Internetplattformen und Portalen mit Immobilien und Partnerschaftsanzeigen. Das ist ein Geschäft, im besten Fall ein einträgliches Geschäft, und das hat mit Journalismus nichts zu tun.

Wenn jetzt ausgerechnet manche Vertreter der Verlagsbranche, die über Jahre kräftig verdient haben, besonders heftig klagen, dann sollte ihr Versäumnis auch Versäumnis genannt werden. Sie haben die Entwicklung von Strategien, auch für die Verbindung von Print und Online, schlicht verschlafen. Die "Frankfurter Rundschau" hat sich kein entscheidendes wirtschaftliches Fundament geschaffen. Die "Financial Times Deutschland" fremdelte mit dem Netz, ist damit nicht allein und die Anzeigen, sie brachen weg. Für den Vorstand des Verlages Gruner + Jahr spricht Julia Jäckel von einer brisanten Mischung in ihrer Branche und zwar aus Hoch- und Kleinmut. Mit zu großer Selbstsicherheit seien viele Verleger an den Umbruch in der Branche herangegangen. Gleichzeitig hätten jedoch viele auch "den Kopf in den Sand gesteckt".

Qualitätsjournalismus leistet sich Korrespondenten, die recherchieren, von ihren Beobachtungen erzählen – auch, um etwas ganz und gar Neues und nicht Erwartbares zu erzählen. Qualitätsjournalismus ist das Medium für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft. Wie lässt sich guter, professioneller Qualitätsjournalismus finanzieren, wenn immer mehr Informationen und Daten im Netz kostenlos zu haben sind? Und zu welchen Bedingungen? Über sogenannte Bezahlmodelle wird nachgedacht.

In den Vereinigten Staaten zum Beispiel funktionieren sie. Eine bestimmte Menge an Artikeln im Netz ist umsonst, dann muss bezahlt werden. Über Stiftungsmodelle wird auch nachgedacht. Und über die nachwachsenden Journalisten-Generationen muss nachgedacht und gesprochen werden. Diese jungen Generationen lieben Journalismus, können davon aber oftmals längst nicht mehr leben. Sie suchen sich andere Standbeine, in der Werbung beispielsweise, um sich Journalismus leisten zu können. Eine Generation draußen vor der Tür der Medienhäuser im Land. Auch diese künftigen Journalisten-Generationen brauchen für ihre Geschichten, für ihre Interviews und Kommentare – in meist freier Arbeitnehmerschaft – ein Dach über dem Kopf, damit ihr Journalismus keine Ware ist, sondern ein Gut bleiben kann.

Qualitätsjournalismus – das sind Menschen in Redaktionen, die beobachten, was in der Welt geschieht. Menschen, die mit anderen Menschen sprechen, um zu verstehen. Menschen, die Geschichten so zu erzählen wissen, dass sich andere dafür interessieren. Und Menschen, die unter Recherche mehr verstehen als das Eingeben eines Wortes in eine Suchmaschine. Und - Qualitätsjournalismus – gedruckt, gesendet oder im Internet – ist keine Ware, sondern ein Gut, und er muss sich rechtfertigen als Institution in einer freien, demokratischen Gesellschaft. Er muss seinen Mehrwert für seine Nutzer beweisen und belegen. Er darf diese Nutzer niemals unterschätzen. Dann, nur dann ist ein solcher Qualitätsjournalismus seinen nachgewiesenen Preis auch wert. Und diejenigen, die diesen Wert erkennen, wissen nur allzu gut: Der Gegensatz von Information ist nicht Unterhaltung. Der Gegensatz von Information, das ist Manipulation, ist Fälschung. Ohne Kenntnis und ohne Wissen, ohne Ahnung, ohne Haltung, ohne Diskurs – gedruckt, gesendet oder im Netz. Das wäre dann der Preis, gäbe es eines Tages Qualitätsjournalismus nicht mehr. Und diesen Preis sollte niemand zu zahlen bereit sein.



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