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StartseiteDLF-MagazinQuote, nein danke!09.12.2010

Quote, nein danke!

Katrin Poleschner, die Frauenquoten-Gegnerin der CSU

Quote, nein danke!

Von Michael Watzke

Beim CSU-Parteitag in München sollte eine junge Schwäbin den Parteichef noch ins Schwitzen bringen. (AP)
Beim CSU-Parteitag in München sollte eine junge Schwäbin den Parteichef noch ins Schwitzen bringen. (AP)

Katrin Poleschner, die Frauenquoten-Gegnerin der CSU
Von Michael Watzke

Ausgerechnet die Vizechefin der Jungen Union in Bayern, Katrin Polescher, ist eine der erbittertsten Gegnerinnen der Frauenquote, wie sie CSU-Vorsitzender Horst Seehofer anstrebt.

Gerolfingen. Ein kleines Dorf in Mittelfranken. Katrin Poleschner betritt den Gasthof zum goldenen Löwen. Sie soll eine Rede halten. Beim traditionellen Schlachtschüssel-Essen der örtlichen CSU.

"Ich wurde eingeladen. Und wenn mich jemand nett einlädt, dann komm ich auch. Ich glaub, die sind neugierig, wer das so ist - die Frau Poleschner, die sich auf dem Parteitag zu Wort gemeldet hat."

Katrin Poleschner, 27, 1.80 Meter groß, blond. Der Gerolfinger Bürgermeister Karl Fickel ist ganz begeistert von ihr:

"Frau Poleschner im Dirndl - da macht sie auch eine gute Figur. Sie ist eine ganz Süße." [Lachen.]

Katrin Poleschner lächelt. Sie kann süß sein - und sauer. Zum Beispiel auf die Frauenquote. Beim Parteitag hat sie ihren Vorsitzenden Horst Seehofer ins Schwitzen gebracht. Als Anti-Quotenfrau:

"Wir müssen so viele Kompromisse eingehen in der Politik. Und ich habe ganz ehrlich die Nase voll, wenn wir die ganze Zeit faule Kompromisse machen. Ihre Basis erwartet von Ihnen, dass Sie endlich mal von Anfang bis Ende Ihre Meinung durchziehen."

Niemand hat die CSU-Basis auf dem Parteitag stärker elektrisiert als die "junge Frau gegen Quote". Sogar Publikumsliebling zu Guttenberg musste am Ende aufs Podium, um Parteichef Seehofer zu retten. Der lobte Poleschner danach zähneknirschend:

"Ich sag's ungern: Sie waren nicht schlecht!"

Die Zeit danach war nicht leicht für die junge Schwäbin. Poleschner arbeitet in der CSU-Landesleitung. Als Referentin für Senioren und Bildung. Die CSU mag es nicht so gern, wenn man die Hand beißt, die einen füttert. Katrin Poleschner:

"Ich habe gehört, dass es den einen oder anderen gab, der damit ein Problem hatte. Und das ist immer schwer. Ich bin sehr froh, dass ich die Unabhängigkeit ab jetzt haben werde, mir diese Fragen nicht mehr stellen zu müssen."

Denn Katrin Poleschner hat gekündigt. In drei Wochen schon verlässt sie die CSU-Parteizentrale. Sie heuert bei einem Energie-Unternehmen an. In der Kommunikationsabteilung. Ihren Job als stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union behält Poleschner. Nächstes Jahr sind Vorstandswahlen.

"Also meine Kündigung hat nichts mit der Wahl von irgendeinem Vorsitzenden im nächsten Jahr zu tun. Aber innerhalb der Jungen Union kann ich mich jetzt durchaus freier bewegen. Ich bin unabhängiger. Das ist einfach so. Da muss man nicht drum rum reden. Das ist Fakt."

Unabhängigkeit ist ein entscheidender Wesenszug für die junge Frau, deren Mutter berufstätig ist und mehr verdient als der Vater. Die Kollegen in der CSU-Landesleitung haben Poleschner zum Abschied ein vielsagendes Plakat geschenkt. Mit ihrem Kopf und der Freiheits-Statue dahinter. "Independence Day" steht darüber.

"Ich lass mir vor allem nix befehlen. Wenn das der Fall ist, dann mach ich, was ich will. Natürlich wird man irgendwann mal - vielleicht jetzt - ein bisschen aufpassen müssen, dass man nicht dieses Dagegen-Schild aufgedrückt bekommt."

Manche in der CSU haben Katrin Poleschner diesen Stempel bereits aufgedrückt. Vor allem jene Parteifreundinnen, die für die Quote gekämpft haben. Die stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär zum Beispiel findet, dass Quoten-Gegnerinnen wie Kathrin Poleschner selbst Quotenfrauen seien:

"Die sind auch nur deshalb drin, weil man gesagt hat: ein, zwei [Frauen] tun wir noch dazu. Die denken, na, das war ja einfach, haben aber letztlich auch diese Hinterkopfquote gebraucht, um überhaupt mal die Chance zu haben, sich beweisen zu können."

Poleschner spürt den innerparteilichen Gegenwind. Sie hofft, dass er nachlässt, wenn sie Ende des Jahres ihren Job bei der Partei aufgibt. Für 2011 hat die CSU das "Jahr der Frauen" ausgerufen. Doch die meiste Unterstützung findet die 25-Jährige vor allem bei den Männern. An der Basis. Etwa in Gerolfingen. Beim Schlachtschüsselessen. Das hat eine lange Tradition, erklärt der Bürgermeister:

"Geht zurück auf die heilige Katharina. Die hatte ihrem Glauben nicht abgeschworen und wurde deshalb im Mittelalter ins, nun ja, Verlies gesperrt. Wurde gefoltert und im Endeffekt auch enthauptet."

Katrin Poleschner: "Zufälligerweise heiße ich ja Katrin, hab am 25. November Namenstag, weil da Katharina ist."

"Hat das was mit dieser Katharina zu tun?"

"Ja genau, das ist richtig. Das ist der Namenstag."

Betretene Gesichter bei den anwesenden Herren. Man werde auf jeden Fall verhindern, dass Katrin Poleschner einen Kopf kürzer gemacht wird, verspricht der örtliche Landtagsabgeordnete Gerhard Wägemann:

"Sie haben mit uns einige Schutzheilige. Die Basis schützt normalerweise immer gerne diejenigen, die angegriffen werden. Für mich - und für viele andere junge Frauen und junge Männer und vielleicht auch für Sie war es einfach die Wahrheit, dass die Quote nicht richtig ist. Und wenn das für die Basis ein wichtiges Thema ist, dann schäme ich mich überhaupt nicht, dass wir auf dem Parteitag da mal fünf Stunden drüber diskutiert haben. Die Großen können sich leichter verteidigen oder wehren. Aber wir müssen schon dafür sorgen, dass wir unseren politischen Nachwuchs entsprechend fördern und nach oben kommen lassen."

Das gilt vor allem für die CSU des Jahres 2011 - dem Jahr der Frau.

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