• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteSprechstundeRadiolexikon Babynahrung14.08.2012

Radiolexikon Babynahrung

Muttermilch ist die ideale Säuglingsnahrung für den Anfang. Mit fünf bis sechs Monaten ist ein Baby so weit entwickelt, dass es lernen kann, Brei vom Löffel zu essen, die sogenannte Beikost.

Von Renate Rutta

Wer nicht stillt, sollte HA-Nahrung nehmen.  (AP)
Wer nicht stillt, sollte HA-Nahrung nehmen. (AP)
Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Radiolexikon Gesundheit

Muttermilch ist in den ersten Monaten im Leben eines Säuglings die beste Nahrung. Sie ist immer da, wenn sie gebraucht wird und sie hat immer die richtige Temperatur.
Professor Berthold Koletzko, Kinderklinik und Kinderpoliklinik, Abteilung Stoffwechsel und Ernährungsmedizin, Klinikum der Universität München.

"Für einen gesunden Säugling ist das allerbeste, gestillt zu werden. Muttermilch ist die ideale Säuglingsernährung, die die Nährstoffe in der richtigen Menge in der richtigen Proportion zueinander enthält."

Stillen ist aus vielerlei Gründen das Beste für Mutter und Kind.

"Vergessen sollte man auch nicht, dass das Stillen zu einer ganz besonders intimen Verbindung führt zwischen Mutter und Kind, der Hautkontakt, die Wärme. Es heißt nicht umsonst Stillen, weil Kinder ganz schnell an der Brust still und ruhig und geborgen sind. Das vermittelt Sicherheit für beide, Mutter und Kind."

Es gibt viele Gründe, warum ein gesundes Kind wann immer möglich gestillt werden sollte.

Prof. Erika von Mutius, Kinderklinik und Kinderpoliklinik, Asthma- und Allergieambulanz, Klinikum der Universität München.

"Ich denke, das Stillen hat insbesondere Vorteile für die Bindung zwischen Mutter und Kind. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Zum zweiten gibt es gute Daten, die zeigen, dass wer stillt, das Adipositasrisiko seines Kindes verringert. Das liegt möglicherweise daran, dass die Muttermilch weniger Eiweißgehalt hat, bessere Energiebalance hat.
Und ganz sicher wissen wir, dass das Stillen bioaktive Substanzen enthält, dass man dadurch das Infektrisiko bei den Kindern, zum Beispiel Mittelohrentzündung reduzieren kann."

Diese gesundheitsfördernde Wirkung von Muttermilch hat Prof. Koletzko untersucht:

"Eine spannende Beobachtung ist, dass Kinder, die gestillt werden, im Mittel zwanzig Prozent weniger Übergewicht und zu 25 Prozent weniger krankhaftes Übergewicht, die sogenannte Adipositas haben. Das ist wirklich ein toller Effekt, wenn man sich überlegt, wie stark heute Übergewicht zunimmt im Kindesalter und im Erwachsenenalter. Und wenn man nur durch Stillen einen solchen starken Schutzeffekt hat, dann lohnt sich das Stillen um so mehr."

Die meisten Kinder, die gestillt werden, entwickeln sich im ersten Lebenshalbjahr gut, sind schlank und werden weniger übergewichtig. Auch mit einem Jahr sind gestillte Kinder schlanker als nicht gestillte Kinder.

"Wir haben es zum Beispiel bei mehr als 4000 Kindern hier in Bayern untersucht, bei denen wir Gewichte auswerten konnten bei der Schuluntersuchung. Und wir haben gesehen, dass Kinder, die sehr rasch in den ersten beiden Lebensjahren an Gewicht zugenommen haben zwischen Geburt und dem Alter von zwei Jahren, dass die zu 30 Prozent Übergewicht im Schulalter hatten. Während Kinder, die nur sehr wenig an Gewicht zugenommen hatten, zu weit weniger als fünf Prozent Übergewicht hatten."

Ideal ist, wenn ein Kind mindestens vier Monate ausschließlich gestillt wird. Das scheint auch Allergien vorzubeugen. In dieser Zeit werden schon Weichen gestellt für eventuelle spätere Allergien.

"Bei gestillten Kindern wissen wir zum Beispeil, dass sie seltener Ekzeme, Neurodermitis, atopisches Ekzem bekommen, wenn sie mindestens drei Monate gestillt sind."

Anders liegen die Dinge bei Kindern, die nicht ausschließlich gestillt werden und die möglicherweise empfindlich für eine Allergie sein können. Für solche Kinder kann eine hypoallergene Nahrungs, sogenannte HA-Nahrung, Schutz bieten.

"Bei flaschenernährten Kindern haben wir gute Daten, die zeigen, dass wenn in der Familie eine Allergie vorliegt, wenn bei den Eltern oder bei den Geschwistern eine allergische Erkrankung vorliegt, dass dann die Ernährung mit einer Nahrung mit gespaltenem Eiweiß, eine sogenannte HA-Nahrung, einen Schutzeffekt bis ins Schulalter für das Auftreten von Allergien, insbesondere für das Auftreten von Ekzemen liefert.

Man sollte also unbedingt, wenn ein Kind eine Allergievorgeschichte hat in der Familie und nicht voll gestillt werden kann, solche HA-Nahrung nehmen."

Wenn Stillen nicht möglich ist, gibt es industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung. Sie kann von Geburt an gefüttert werden.

Wenn das Kind gestillt wird, muss die Mutter nach etwa einem halben Jahr überlegen, wie lange das Kind weiter gestillt wird - je nachdem was am besten zu ihrer Lebenssituation passt, wie sich Mutter und Kind wohlfühlen.

Mit fünf bis sechs Monaten ist ein Baby so weit entwickelt, dass es lernen kann, Brei vom Löffel zu essen, die sogenannte Beikost. Man merkt das daran, dass das Baby sich für alles interessiert, was andere essen.

Früher dachte man, Kinder mit Allergierisiko sollten auf mögliche Allergieauslöser wie Hühnerei, Fisch oder Nüsse verzichten. Was empfiehlt man heute? Prof. von Mutius:

"Es gab ja die Empfehlung früher in puncto Allergie, dass man möglichst viele Sachen vermeiden sollte. Das ist im Moment sehr in der Diskussion, ist ungeklärt letztlich. Aber manche Wissenschaftler denken heute, dass man das Allergen sehen muss, um tolerant dagegen zu werden."

Die erste feste Mahlzeit für Babys ist der Brei. Besonders beliebt ist der Karottenbrei – nicht nur weil die Babys dann so eine schöne braune Haut bekommen.

Man kann diesen Brei selbst kochen oder fertig kaufen. Das Grundrezept für den Brei besteht aus Gemüse wie Karotten, Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Zucchini und zusätzlich Fleisch oder Fisch und Kartoffeln. Nach dem Pürieren rührt man einen Esslöffel Rapsöl unter. Prof. Koletzko:

"Als erster Brei ist eigentlich ideal ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei. Auch deshalb, weil der kritische Nährstoff ja das Eisen ist in diesem Alter. Am Ende des ersten Lebenshalbjahres sind die Eisenvorräte, die das Kind bei der Geburt bekommt, erschöpft und Milch bietet nicht viel Eisen.
Wenn ich also einen Brei mit Fleisch und Gemüse gebe, dann habe ich eine sehr gute Eisenquelle. Und diese Kinder haben eine bessere Versorgung. Das ist nicht nur wichtig für die Blutbildung sondern es ist auch wichtig für den Hirnstoffwechsel. Wir wissen, dass ein Eisenmangel im Säuglingsalter Nachteile hat für die Gehirnentwicklung."

Der Brei darf nicht gewürzt und nicht gesalzen werden. Das schmeckt dann zwar für die Mutter fad, aber sie muss ja den Brei nicht essen.

Auch Zucker und Honig sollte man bei der Säuglingsnahrung weglassen. Gerade auch Kräuter- oder Früchtetee für das Kind sollen nicht gesüßt werden. Zwischendurch trinkt das Baby auch gern Leitungswasser oder stilles Mineralwasser. Wenn es mehr Beikost isst, dann steigt der Durst.

"Im ersten Lebensjahr sollte ein Säugling nur Muttermilch oder eine Säuglingsnahrung bekommen aber keine normale Kuhmilch aus dem Supermarkt. Kuhmilch enthält für einen Säugling viel zu viel Eiweiß. Also Faustregel: keine Kuhmilch als Getränk bis das Kind ein Jahr alt ist."

Nach dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei folgt ab dem sechsten bis achten Monat zusätzlich ein Milch-Getreide-Brei und ein Getreide-Obst-Brei mit püriertem Obst.

Die Fertigbreie enthalten Milch oder Milchpulver und am besten Vollkorn-Getreide wie Haferflocken oder Dinkelflocken.
Ab dem zehnten Monat fangen viele Babys an, nicht mehr nur die Breimahlzeiten zu essen, sie gewöhnen sich langsam an das Essen, das die Familie isst.

"In der Vergangenheit hat man oft Kindern zehn Tage immer dasselbe gegeben. Zehn Tage Karottenbrei aus der Sorge, das Kind könnte allergisch reagieren.
Wir wissen heute, dass das keine gute Idee ist, sondern dass auch Säuglinge genau wie wir geschmackliche Abwechslung lieben und dass es nützlich ist, wenn man sie an viele Gemüsesorten gewöhnt. Weil große Studien zeigen, wenn ein Kind bis zum Alter von sieben Monaten viele Gemüsesorten kennengelernt hat und viele Gemüsesorten gegessen hat, dass es dann auch mit sieben Jahren mehr Gemüse isst. Und das ist ja für die Gesundheit langfristig sehr nützlich."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk