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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Altersflecken27.11.2012

Radiolexikon Gesundheit: Altersflecken

Fast jeder bekommt sie, sie sind nicht bösartig, für viele stellen sie allerdings ein kosmetisches Problem dar: Altersflecken. Die bräunlichen Stellen auf der Haut werden bis zu einigen Zentimetern groß und entstehen durch die Ablagerung eines bräunlichen Pigments in der Oberhaut. Wer viele Altersflecken hat, zählte übrigens in jungen Jahren zu den Sonnenanbetern.

Von Mirko Smiljanic

Es gilt der Grundsatz: Keine Sonne, keine Alterflecken. (AP)
Es gilt der Grundsatz: Keine Sonne, keine Alterflecken. (AP)
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Radiolexikon Gesundheit

Winter in Deutschland, kalt-nasses Wetter, kaum Sonne. Wer wünscht sich da nicht den Sommer herbei, sonnig-heiß wie am Mittelmeer, betörender Pinienduft pur. Leider nur ist Warten angesagt. Wer es nicht aushält, flüchtet in diesen Monaten schon mal ins Sonnenstudio!

"Wir haben hier unser Sunselect-Gerät, Sunselect bedeutet, dass man individuell den Hauttyp einstellen kann, es gibt drei verschiedene Funktionen, einmal den Hauttypen zwei, drei und vier, wir haben ja eben den Test zusammen durchgeführt, um ihren Hauttypen zu bestimmen, und demnach wäre der Hauttyp drei, der normale Hauttyp für Sie einzustellen."

Licht in den dunklen Jahreszeiten verscheucht schlechte Stimmungen, das ist wissenschaftlich bewiesen. Wissenschaftlich bewiesen ist aber auch, dass zu viel Licht - im Sommer wie im Winter - die Haut schädigt.

"Ich stelle das schon mal für Sie ein, damit Sie gleich loslegen können. Sie müssen da nichts mehr ändern. Dann zeige ich Ihnen mal die weiteren Funktionen des Gerätes."

Die sind nicht allzu kompliziert, so dass kurze Zeit später der Sonnenanbeter respektive die Sonnenanbeterin von künstlichem Licht beschienen wird. Und das kann Folgen haben, nicht heute, nicht morgen, vielleicht aber in 20 Jahren: Nach und nach entwickeln sich auf der Haut braune Flecken.

"Altersflecken sind Zeichen einer Degeneration oder eines zu lange dekadent geführten Lebens. Viel Sonne führen dazu, dass eben ein bestimmtes Protein, Lipofuszin, in der Haut abgelagert wird, und wenn Sie da noch lange, wie ich früher, lange im Süden gelebt haben, sich wenig um Sonnenschutz gekümmert haben, haben Sie natürlich auch Sonnenbrand auf dem Handrücken gehabt und das alles ist nicht förderlich für die Gesunderhaltung der Haut, wie ich heute weiß,"

erklärt der Kölner Hautarzt Hans-Georg Dauer und streckt seine Handrücken vor, die unübersehbar mit braunen Flecken gesprenkelt sind. Folge eines langen Lebens mit viel Sonne, sprich, mit intensiver UV-Strahlung.

"Wir haben solche Sachen auch gerne bei hellhäutigen Menschen, die gerne und häufig Golf oder Tennis spielen, gerade die lichtbeschienenen Areale, oder auch wenn man weniger Haare hat, sieht man es auch gerne im Bereich der größer werdenden Geheimratsecken und des Kopfschädels."

Bestrahlt UV-Licht die Haut, entstehen in den Zellen so genannte freie Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffmoleküle sind hochreaktive Oxidationsmittel, die in zu hoher Konzentration der Haut schaden. Nun verfügt die Haut über ein kompliziertes Schutzsystem, um diese freien Radikale unter Kontrolle zu halten. Antioxidanzien wie Vitamin C und E, Carotinoide, Zink und Selen spielen dabei eine wichtige Rolle. Bei intensiver Sonneneinstrahlung entstehen aber nicht nur mehr freie Radikale, gleichzeitig nimmt auch der Gehalt schützender Antioxidanzien in der Haut ab. Mit der Zeit entwickeln sich dann im besten Fall Altersflecken, im schlechtesten Fall Hautkrebs.

"Man sollte schon unterscheiden, ob es Altersflecken sind oder ob es Pigmentveränderungen sind, die gerade mal im Gesichtsbereich von älteren Damen in ein so genantes Lentigo maligna Melanom, also in einen bösen Schwarzen Hautkrebs übergehen können."

Neben UV-Licht fördern übrigens auch Alkohol und Tabakrauch das Entstehen von freien Radikalen, gleiches gilt für Medikamente sowie Nitrate und Nitrite aus der Nahrung. Deshalb gilt der Grundsatz: Wer gesund, mäßig und sonnenarm lebt, bleibt von Alterflecken verschont! Aber wem ist das schon vergönnt!? Noch einmal zeigt Hautarzt Hans-Georg Dauer seine Handrücken.

"Und jetzt habe ich diese hässlichen Dinger und versuche, sie so einmal im Jahr zu entfernen. Da ich feige bin, nehme ich natürlich keinen Laser, der weh tun könnte, sondern nehme moderatere Therapieversuche."

Altersflecken sind keine Krankheit, das ist die gute Nachricht. Es gibt aber auch eine schlechte: Wer seine Altersflecken entfernen lässt, muss die Behandlung aus eigener Tasche zahlen.

"Zuerst einmal versucht man auf das Leben des Patienten einzuwirken, dass er nicht mehr ohne Sonnenschutz sechs Wochen auf Mallorca in der Sonne liegt. Dann guckt man sich an, wie groß die sind und wie die verteilt sind, da bieten sich dann mehrere Therapieoptionen an. Es gibt moderatere Eingriffe, diese kleinen Flecken kann man mit einem Kältespray, Minus 180 Grad Celsius, eine Kryotherapie, behandeln, da wird das Spray appliziert, das tut nicht sonderlich weh, die oberste Hautschicht wird eingefroren, die Haut platzt dann ab, das Pigment liegt in den obersten Hautschichten, das geht dann mit weg, das ist eine simple, einfach durchzuführende, in über 90 Prozent der Fälle erfolgreiche Therapie. Nebenwirkung: Man kann ja nicht in die Haut hineingucken, wenn man zu viel vereist, kann ein roter Fleck übrig bleiben, aber den kriegt man mit einem Laser wieder weg."

Bei der nächsten Behandlungsform geht es schon etwas aggressiver zur Sache.

"Wir können Säuren nehmen, Trichloressigsäure, Chlor ist so mit das reaktivste Atom im Periodensystem. Wir nehmen Essigsäure, machen drei Chloratome dran, und dann tupfen wir mit so Wattestäbchen ein kleines bisschen da drauf, das brennt und es wird weich, je nach dem wie stark Sie die Säure wählen, 30, 50, 70 Prozent, je nach dem wie häufig Sie auf diesen Alterfleck drauf gehen, desto tiefer kann die Säure eindringen, das ätzt die Oberhaut wenn Sie es punktgenau machen ab, tut ein bisserl weh, geht aber sehr schön."

Und dann bieten Dermatologen noch die Hightech-Variante an: Altersflecken lassen sich elegant mit einem Laser entfernen. Je nach Art des Lasers, kratzt der Doktor dabei gerade mal an der Hautoberfläche oder er arbeitet sich bis in die unteren Hautschichten vor.

"Da gibt es ablative, also abtragende Laser, da legen Sie einen Eiswürfel drauf, kühlen ein bisschen und dann schalten Sie den Laser ein, das tut nicht sonderlich weh, wie kleine Nadelstiche, und da wird die ganze obere Haut abgelöst, brutal, aber es wirkt. Dann haben wir Farbstofflaser, Rubinlaser zum Beispiel, da wird auch ein bisschen gekühlt, der trägt nicht die ganze Oberhaut ab, dessen Wellenlänge geht in die Haut hinein, in dieses Pigment hinein, das Pigment wird resorbiert und dann zerplatzen diese Altersflecken in der Haut, so dass die Oberhaut nicht sonderlich verletzt wird, das ist die schönste und teuerste Methode."

Wer das Geld sparen will, kann natürlich ganz einfach mit den Altersflecken leben und sie - wie Dauer sagt - als Zeichen eines dekadent geführten Lebens stolz herzeigen. Doch der Trend geht in eine andere Richtung.

"Wir werden ja immer älter und den Spruch kennen Sie, "Alt werden will jeder, alt sein will keiner", und in der Werbung wird uns suggeriert, dass die Best-Agers nicht mehr die 20jährigen sind sondern die 60- bis 70jährigen sind, das sind nämlich die, die noch bisschen Kaufkraft haben, und dass die, wenn sie schon so umworben werden, auch attraktiv aussehen wollen, ist ganz klar, und so gibt es zusammenfassend eine immer größere Zahl von Patienten, die sich Altersflecken das aus kosmetischen Gründen entfernen lassen."

Winter in Deutschland, kalt-nasses Wetter, kaum Sonne. Wer wünscht sich da nicht den Sommer herbei, sonnig-heiß wie am Mittelmeer, betörender Pinienduft pur. Leider nur ist Warten angesagt...

"Also, ich würde Ihnen empfehlen, da Sie schon eine relativ gute Vorbräune haben, dass Sie erst in zehn Tagen wieder kommen, weil, die Haut muss sich ja regenerieren und man sollte es ja auch nur in Maßen machen!"

Oder gar nicht!

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