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StartseiteSprechstundeAtemnot06.05.2014

Radiolexikon GesundheitAtemnot

Wer intensiv Sport treibt – joggt, Fahrrad fährt, Fußball spielt – erreicht irgendwann einen Punkt, an dem das Atmen schwerfällt. Bei gesunden Menschen ist diese Atemnot ein normaler Vorgang, sie kann aber auch Symptom von Krankheiten sein, die ihren Ursprung in der Lunge haben.

Von Mirko Smiljanic

Richard und Helene Matiburski sitzen am 15.03.2013 in Essen (Nordrhein-Westfalen) in ihrer Wohnung. Der 104-Jährige leidet unter Atemnot und trägt einen Sauerstoffschlauch. (dpa picture alliance / Caroline Seidel)
Neben Fibrosen können eine Reihe weiterer Krankheiten Atemnot auslösen. (dpa picture alliance / Caroline Seidel)
Weiterführende Information

Radiolexikon Gesundheit: Lungenentzündung (Deutschlandfunk, Sprechstunde, 20.08.2013)

Ursachen für Atemnot (Deutschlandfunk, Sprechstunde, 19.02.2013)

Eigentlich war der 60-jährige stolz auf seine körperliche Fitness. Zwei Stunden joggen? Kein Problem! Skifahren in größeren Höhen? Warum nicht? Eine Runde Fußballspielen mit Freunden? Auf jeden Fall! Aber irgendwann vor einem Jahr spürte er Veränderungen: Er war schnell außer Atem, seine Kräfte schwanden schnell, nicht von heute auf morgen, langsam, aber unerbittlich.

"Das ist ein Prozess, also, das ist nicht so, dass man sagt, man kriegt das von der einen auf die andere Woche, sondern man stellt einfach fest, dass man im Rahmen seiner sportlichen Aktivitäten plötzlich weniger leistungsfähig ist, und dann versucht man das zu kompensieren durch noch mehr Leistung,..."

...was nicht nur nicht funktionierte, sondern dazu führte, dass er noch schneller außer Atem war. Ein Besuch beim Arzt war unausweichlich...

"...und dann wird man natürlich zunächst auch - das kann man verstehen - in die Schiene "Bronchitis", "Erkältungskrankheiten" eingereiht, weil, das ist auch so schnell nicht erkennbar, so, und nach einem dreiviertel Jahr habe ich so viel Misstrauen gehabt in mich selbst, in meine Gesundheit, dass dann ein CT gemacht wurde, und da konnte man im Rahmen des CTs sehen, dass sich die Lunge verschlechtert hatte,..."

Atemnot bis hin zu Erstickungsgefahr

...er leide an einer Fibrose, sagte ihm sein Arzt, Teile der Lunge seien vernarbt. Kurze Zeit blieb er noch zu Hause, dann ging gar nichts mehr.

"Diese Atemnot, die dann entsteht innerhalb von sechs bis acht Wochen, die kann so stark sein, dass man Erstickungsgefahr hat, dass man nachts aufwacht und denkt, den Hustenanfall überlebst Du nicht, also es war ziemlich stark, was mich auch wieder in die Hände von Professor Windisch getrieben hat,..."

...der während des Gesprächs entspannt hinter seinem Schreibtisch im fünften Stock der Lungenklinik Köln-Merheim sitzt. Wolfram Windisch ist Chefarzt und verantwortet den Bereich "Pneumologie",...

"...also, unser Patient hat eine fibrotische Erkrankung, eine Lungenfibrose, das ist in der Tat eine schwierige Erkrankung, weil die Ursachen für diese Erkrankung nicht wissenschaftlich etabliert sind. Es ist auch Überbegriff für ganz verschiedene Entitäten, wie wir sagen, also unterschiedliche Erkrankungen, die dem ganzen zugrunde liegen können, aber in seinem Fall ist es in der Tat eine Erkrankung, die mit Vernarbungen der Lunge einher geht und damit einer Unfähigkeit der Lunge, Sauerstoff aufzunehmen."

Das „Respiratorische System" eines Menschen setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Da ist zunächst einmal die „Atempumpe", zu der das Atemzentrum im Zentralen Nervensystem zählt, sowie alle an der Atmung beteiligten Muskeln,...

"...spezifisch dann in der Lunge selber findet der Gasaustausch statt, das sind dünne Häute, die gewährleisten, dass in einer ganz engen Verbindung zwischen Luft und Blut Sauerstoff in den Blutkreislauf hineindiffundiert und gleichzeitig Kohlendioxid herausdiffundiert."

Sauerstofftherapie kann Luftnot lindern

Der Sauerstoffanteil der Atemluft und die Fläche der Lungenbläschen, über die der Gasaustausch zum Blut stattfindet, sind so austariert, dass die Sauerstoffversorgung des Organismus gewährleistet ist. Vernarben nun Teile der Lunge, wie beim Patienten von Wolfram Windisch, bekommt der Körper nicht genug Sauerstoff – Atemnot ist die Folge,...

"...und daher ist seine Form der Luftnot zunächst einmal von den Symptomen behandlungspflichtig mit einer Sauerstofftherapie, um die Symptome zu lindern."

Sauerstoffmasken kennen viele aus amerikanischen Filmen: Will der Regisseur eine gewisse Dramatik erzeugen, zeigt er bettlägerige Patienten mit Plastikschläuchen, deren Ende in die Nasenlöcher reichen – und zwar auch dann, wenn die Patienten an vielem leiden, nur nicht an Atemnot. Das Prinzip ist einfach: Kann die Lunge aus der eingeatmeten Luft nicht genug Sauerstoff an den Organismus weitergeben, wird der Sauerstoffgehalt der Luft erhöht.

"Normalerweise ist ja der Anteil an Sauerstoff 21 Prozent in der Umgebungsluft, und man versucht mit der Einatemluft die Sauerstoffkonzentration zu erhöhen. Das geht relativ einfach durch eine solche Nasensonde, Sauerstoffbrille, wie wir sagen, und damit kann man den Anteil an Sauerstoff erhöhen, je nach Atemmuster geht das von 20 oder 21 Prozent auf fast 50 Prozent. Man wird unter schwerer Luftnot oder schwereren Einschränkung dann, vor allem in der Klinik oder in der Notfallsituation, diesen Anteil noch erhöhen können bis auf fast 100 Prozent."

Dieser Schocktherapie musste sich der Patienten mit der Lungenfibrose zwar nicht unterziehen, leistungsfähig war er aber auch nicht.

"Plötzlich stellen Sie nach einer Etage fest, dass Sie nachschnappen müssen, wie ein Karpfen, der nach Luft schnappt, auch wenn ich jetzt zurück in die Station gehen würde mit meinem normalen Tempo, das halte ich gerade durch zehn, fünfzehn Meter, dann muss ich stehe bleiben."

Luftnot muss nicht immer von der Lunge ausgehen

Ein Zustand, der Verunsicherung und Angst erzeugt.

"Ich habe jetzt schon Nächte gehabt, wo ich wirklich darüber nachgedacht hab, also, wenn das in dem Maße so weitergeht, dann hast Du noch drei Monate, dann hast Du keine Luft mehr."

Neben Fibrosen können eine Reihe weiterer Krankheiten „Atemnot" auslösen. Zu den wichtigsten zählen die Herzschwächen, die Chronische Obstruktive Lungenerkrankung mit dem Lungenemphysem, das Asthma bronchiale sowie Infektionen und Entzündungen. Mitunter hat Luftnot aber auch Ursachen, die nichts mit der Lunge zu tun haben,...

"...wie zum Beispiel die Tatsache, dass Sauerstoff ja an das Blut gekoppelt ist, und wenn Sie kein Blut zur Verfügung haben, eine Blutarmut haben, eine sogenannte Anämie, auch dann ist es so, dass der Mangel an Sauerstoffträgern dazu führt, dass Patienten Luftnot haben und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit."

Und was kann man tun gegen Luftnot? Natürlich sofort einen Arzt aufsuchen, Eigentherapien sind nicht möglich! Und lässt sich vorbeugend etwas gegen Luftnot tun? Leider nur wenig!

Wichtigste Vorbeugung: nicht rauchen

"Mit Sport können Sie natürlich den Körper trainieren, aber Sie trainieren insbesondere das Herz-Kreislauf-System. Sie können wenig Lungenfunktion zum Beispiel verbessern, Sie können wenig bei diesen Erkrankungen rein von der Lungenfunktion her prophylaktisch begegnen. Selbstverständlich ist eine sportliche Betätigung und eine körperliche Fitness immer gut, insbesondere, weil die meisten, die das auch machen, das Rauchen aufhören oder besser nie angefangen haben, aber klar, dass "Stopp Smoking", "Quit Smoking" oder gar nicht erst angefangen zu haben, die wichtigste Prophylaxe ist, die man betreiben kann, um schwer luftnötig bedingt durch Lungenerkrankungen oder auch Herzerkrankungen zu werden."

Tabak ist seit langem für den Patienten mit der Fibrose tabu, die Ursache seines Leidens sucht Wolfram Windisch an anderer Stelle. Weil eine Cortisontherapie nicht anschlug, geht er mittlerweile von einer Infektion aus,...

"...und in der Tat habe ich gerade vor einer halben Stunde das Ergebnis bekommen, dass wir einen starken Hinweis darauf haben, dass er einen Pilz zusätzlich zur Fibrose in seiner Lunge hat, der wahrscheinlich dafür verantwortlich ist, dass gerade in den letzten Wochen die Erkrankung so viel schlechter geworden ist."

Endlich eine Diagnose! Endlich ein Weg in eine hoffentlich wirksame Therapie.

"Nichts würde mich mehr erfreuen, zu wissen, dass ich in den acht, neun Wochen wieder da stehe, wo ich mal war. Da gebe ich mich auch keiner Illusionen hin, aber mit ein bisschen Training kommt man da hin, das ist der Optimismus, den man haben muss!"

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