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StartseiteSprechstundeAugenfarbe16.02.2016

Radiolexikon GesundheitAugenfarbe

Die Augenfarbe bestimmt im Zusammenspiel mit der Haut- und Haarfarbe maßgeblich das Erscheinungsbild eines Menschen – wobei die Farbe der Augen allerdings nicht sonderlich viele Variationen bietet: Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung hat braune Augen, der Rest blaue, grüne oder graue.

Von Mirko Smiljanic

Das Auge eines Fotomodels mit überlangen künstlichen Wimpern (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Das Auge eines Fotomodels - mit überlangen künstlichen Wimpern. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Universitätsaugenklinik Münster, Behandlungsraum 2: links Schränke mit medizinischen Geräten, hinten rechts eine Untersuchungseinheit inklusive Spaltlampenmikroskop, vorne Tische und drei Stühle. Auf einem der Tische steht groß und plastisch das Modell eines menschlichen Auges.

"In gewissem Sinne kann man ganz grob sagen, es ist eine Kamera mit verschiedenen Funktionen." Dr. Ralph Laurent Merté, Leitender Oberarzt. "Um das Licht zu bündeln, gibt es die Hornhaut und es gibt die Linse, und entsprechend wie bei der Kamera gibt es auch eine Struktur, die da heißt Regenbogenhaut oder im Fachbegriff Iris, wobei das landläufig auch als Iris bezeichnet wird, die hat ein Loch in der Mitte, dieses Loch nennt man Pupille, und diese Iris mit dem Loch ist zuständig als Blende, das heißt, sie steuert den Lichteinfall."

Der größte Teil des Auges liegt gut geschützt im Schädel, von außen sichtbar ist nur ein kleiner Bereich. Der zeichnet sich aber durch eine Besonderheit aus: Die Farbe der Iris oder Regenbogenhaut variiert von Mensch zu Mensch, "und Sie sehen hier an dem Modell, das erscheint blau, die Iris".

Augenfarbe hängt von der Melaninkonzentration ab

Wer daraus schließt, die Regenbogenhaut enthält blaue Farbpartikel beziehungsweise Pigmente, die das Auge bläulich erscheinen lassen, liegt leider falsch. Die Augenfarbe hat genau genommen mit Farbe nichts zu tun. Ob Augen braun oder grün, grau oder blau wirken, hängt von der Konzentration des Melanins ab, eines braunschwarzen Pigments, das sich auf der Hinterseite der Iris ansammelt. Melanin absorbiert oder reflektiert bestimmte Wellenlängen von weißem Licht. Dadurch sehen Außenstehende die drei Grundaugenfarben Blau, Grün und Braun. Je geringer Melaninkonzentration erscheint die Iris blau oder grau, bei hoher Konzentration tendiert die Farbe Richtung Grün und Braun.

"Man kann auch nicht sagen, die ganze Iris ist gleich gefärbt. Wenn wir nachher an der Spaltlampe das in Vergrößerung sehen, dann werden auch Sie sehen, wenn ich Ihnen das demonstriere, dass in verschiedenen Bereichen der Iris auch unterschiedliche Farbtönungen sein können."

Mit der Spaltlampe, dem wichtigsten Diagnoseinstrument des Augenarztes, lassen sich diese Unterschiede bis ins kleinste Detail darstellen. "Ja, und das hat mir schon seit einigen Tagen Sorgen bereitet, und deshalb habe ich mich entschieden, mich mal hier vorzustellen, um das ganze durch einen Experten beurteilen zu lassen", berichtet ein knapp 30 Jahre alter Patient, der auf dem Stuhl hinter der Spaltlampe sitzt.

"Wären Sie mal so lieb und würden mal hier nach vorne kommen und mit dem Kinn hier aufliegen und die Stirn hier vorne anlegen, damit ich mir das anschauen kann, die Augen bitte ganz weit aufmachen und geradeaus schauen -und hier haben wir schon ein seltenes Objekt einer Irisfarbe, nämlich eine grünliche Iris, braun-grünliche Iris, Sie sehen, da kann man gar nicht so eindeutig sagen, wie die Augenfarbe ist, im Randbereich ist die Iris heller und im Bereich um die Pupille herum sind mehr Pigmentierungen da und es sieht so ein bisschen bräunlich aus."

Funktionen der Augenfarbe noch nicht geklärt 

Drei Gene bestimmen die Vererbung von Augenfarben, die genauen Funktionen sind aber noch nicht restlos geklärt. Geklärt ist aber die weltweite Verteilung von Augenfarben. 90 Prozent aller Menschen haben braune Augen, der Rest blaue, graue oder grüne, wobei Grün mit einem Anteil von zwei Prozent die seltenste Augenfarbe ist. Auffällig ist ein charakteristisches Nord-Süd-Gefälle. Im Süden dominieren braune Augen, im Norden blaue – Estlands Bevölkerung ist zu 99 Prozent blauäugig. Daraus zu schließen, im sonnigen Süden funktioniert das Melanin als Schutzfilter, liegt auf der Hand, bewiesen ist die Vermutung aber nicht. Die Fähigkeit des Auges, seine Pupille zu öffnen und zu schließen, sei ein weit effektiverer Schutz vor zu hoher Sonneneinstrahlung. Ebenfalls unbewiesen ist die These, Augenfarben sagen etwas über den Charakter eines Menschen aus, so Julia Termühlen, Assistenzärztin in der Universitätsaugenklinik Münster.

"Man sagt, dass braune Augen eher die weicheren Augen sind, die typischen Rehaugen, oder dass blaue Augen einen Menschen etwas kühler oder faszinierender wirken lassen, aber von der medizinischen Seite ist das nicht so relevant. Es sei denn, es hat einen medizinischen Hintergrund, wie zum Beispiel bei einer Entzündung kann sich die Augenfarbe ändern, oder aber durch bestimmte Augentropfen, die den Augendruck senken, die können die Augenfarbe ändern, aber sonst ist die Augenfarbe für uns relativ unbedeutend."

Blaue Augen wandeln sich in braune und umgekehrt. Das in jedem Personalausweis vermerkte unveränderliche Merkmal "Augenfarbe" ist also gar nicht unveränderlich. "Es gibt sogar in Amerika Laserbehandlungen, die dunkle Augen zu helleren machen, das ist in Deutschland aber nicht zugelassen, weil das auch Nebenwirkungen haben, wie einen erhöhten Augeninnendruck und so weiter, deshalb gibt es das in Deutschland und in der EU nicht."

Für Ralph Laurent Mertés Patient mit dem rot-geschwollenen linken Auge gibt's Entwarnung. Seine braun-grünliche Iris ist nicht in Gefahr. "Wir werden Ihnen eine Augentropfentherapie ansetzen mit Antibiotika und das sollte eigentlich in ein paar Tagen wieder besser sein, sowohl Hornhaut, Vorderkammer, Iris, Linse, ist alles tipptopp!"

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