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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteSprechstundeDer Adamsapfel - prägend für die Stimme11.07.2017

Radiolexikon GesundheitDer Adamsapfel - prägend für die Stimme

Der Adamsapfel sitzt am oberen Ende der Schilddrüse und wird deshalb auch Schildknorpel genannt. Die Höhe oder Tiefe der Stimme hängt davon ab, wie stark der Knorpel während der Pubertät wächst. Bei Männern ragt die Kehlkopfspitze sichtbar heraus. Bei Frauen ist der Adamsapfel in der Regel nicht zu sehen.

Von Justin Westhoff

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Mund und der Kehlkopf eines zwölfjährigen Jungen (dpa/ Jens Büttner)
Kehlkopf eines 12-Jährigen: Während des Wachstums in der Pubertät entscheidet sich, wie hoch oder tief die Stimme wird. (dpa/ Jens Büttner)

Als Adam von der verbotenen Frucht im Garten Eden naschte, blieb ihm dieser Bissen erst einmal im Halse stecken. Daher also die Bezeichnung Adamsapfel! Warum aber tragen seitdem nur die Männer diesen Makel, wo doch Eva dazu verführt hatte, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Sie hatte, heißt es, schlauerweise gekaut, bevor sie geschluckt hat.

An dieser beliebten Erklärung zur Namensherkunft dürfte rein gar nichts dran sein. Unter anderem, weil in der Bibel überhaupt nicht von Äpfeln, sondern nur von irgendeiner Obstsorte die Rede ist. Allerdings bedeutet das Hebräische Wort für Schildknorpel gleichzeitig auch Apfel. Und Adam heißt in dieser alten Sprache nichts anderes als: Mann.

Bei Frauen ist der Winkel der Schildknorpel-Platten stumpf

"Der Adamsapfel, das ist ein Vorsprung im Hals, der sich hoch und runter bewegt, wenn wir schlucken und wenn wir sprechen, da sieht man einfach so eine kleine spitze Ecke herausragen, und zwar bei Männern", erläutert Professor Tadeus Nawka, Spezialist für Stimm- und Schluckstörungen an der Charité. Und er fügt an, dass Eva im Paradies wohl doch nicht so clever war. Denn auch Frauen haben diesen Teil des Kehlkopfs, den Adamsapfel: "Aber da ist der Winkel der Schildknorpel-Platten stumpf und dadurch springt es nicht so vor, beim Mann wird dieser Winkel durch das Kehlkopfwachstum spitz und dadurch steht er sichtbar hervor."

Bei Frauen ist der Adamsapfel in der Regel nicht zu sehen, aber durchaus tastbar. Der Unterschied zu der sichtbaren Kehlkopfspize des Mannes hat mit dem männlichen Hormon Testosteron zu tun, erklärt Carsten Niemitz, langjähriger Professor für Biologe und Anthropologe an der Freien Universität Berlin.

"Bis zur Pubertät ist das bei Jungs und Mädchen ziemlich gleich, und in der Pubertät, mit den Hormonschüben, da gibt es eben ein stärkeres Wachstum bei Jungs, das äußert sich dann beim Stimmbruch, weil nämlich der ganze Raum des Kehlkopfs größer wird, die Stimmbänder länger werden und schwerer, und auf diese Weise bekommen dann die heranwachsenden jugendlichen Männer die erwachsene Stimme."

Die Funktion der Stimmlippen

Der Adamsapfel sitzt am oberen Ende der Schilddrüse und wird deshalb auch Schildknorpel genannt. Und die Höhe oder Tiefe der Stimme hängt eben davon ab, wie stark der Knorpel während der Pubertät wächst, erklärt Stimmexperte Tadeus Nawka: "Dieses Wachstum des Schildknorpels zieht es mit sich, dass auch die Stimmlippen, – der Muskel, der darin aufgespannt ist, – dass die auch mit wachsen, und dieses Wachstum der Stimmlippen bedingt eine größere Länge, und längere Stimmlippen schwingen langsamer und erzeugen deswegen tiefere Töne."

Wozu dient der Adamsapfel überhaupt? Carsten Niemitz: "Zunächst mal ist er ein Schutz unserer Atemwege, und er ist ein Widerlager für die Muskulatur, die unsere Sprachsteuerung erlaubt, also die Vokalmuskeln. Diese Muskeln müssen fest sein, wenn das weich wäre ringsherum, könnte man die Stimmbänder zum Beispiel nicht so gut bewegen, wie es für die Sprache nötig ist."

Und das fehlt halt allen anderen Wesen, auch den Säugetieren. Hier dürfte der Grund dafür liegen, dass sie zwar durchaus so etwas wie eine Sprache haben, aber keine, die mit der des Menschen vergleichbar ist.

"Sie haben keinen Adamsapfel, aber embryologisch sind das Kiemenbögen. Das kann man oberhalb des Kehlkopfs sehr leicht tasten, man findet den sofort, aber er ist schmerzhaft, wenn man diesen drückt, und drunter ist der Ringknorpel. Und das sind Überbleibsel der Kiemenbögen, die wir noch vor einer halben Milliarde Jahren genetisch von den Fischen erworben haben."

Der gestagene und der östrogene Typ

Bei einigen Frauen ist Adams Apfel doch deutlicher sichtbar als bei den meisten. Der Biologe und Anthropologe Professor Carsten Niemitz hat dazu folgende Theorie: "Es gibt zwei Frauentypen, nämlich den gestagenen und den östrogenen Typ; der östrogene Typ ist weiblich rundlicher, und der gestagene Typ ist der etwas schlankwüchsigere, bei dem, auch durch die Anatomie des Halses, der dann etwas schlanker ist, kommt er etwas prominenter hervor. Das ist absolut gesund und entspricht völlig der Variabilität normaler Frauen."

Wenn sich allerdings ein Mann zur Frau umwandeln lassen möchte, hat er unter Umständen psychische Probleme mit seinem großen Adamsapfel. Denn der ändert sich nicht mehr, erläutert Professor Tadeus Nawka.

"Das Wachstum ist irreversibel, der Kehlkopf, wenn er einmal größer ist, dann bleibt er auch so, der kann sich auch nicht durch Hormongabe dann wieder verkleinern, und wenn man einen vorspringenden Kehlkopf, einen Adamsapfel, bei einer Mann-zu-Frau-Transsexuellen verändern möchte, muss man das operieren."

Dafür gibt es erfolgversprechende Methoden, die seelisch sehr entlastend wirken können. Und wie sieht es mit möglichen Krankheiten des Adamsapfels aus? "Erkrankungen an diesem Schildknorpel selbst sehen wir selten, meistens sind das gutartige Knorpelgeschwülste, ansonsten sind die Erkrankungen im Kehlkopf mehr an die Muskulatur, an die Schleimhaut und an die Nerven gebunden."

Keine Rückschlüsse auf das männlichste aller Organe

Und dann gibt es ja noch das Gerücht, dass die Größe nicht nur der Nase, sondern auch des Adamsapfels Rückschlüsse auf die des männlichsten aller Organe zulässt. Selbstverständlich ist da nichts dran. Professor Nawka hat eine hübschere Erklärung: "Es ist vielleicht weniger die Größe des Kehlkopfs als mehr der Stimmklang. Also mehr Männlichkeit bei einer bassigeren Stimme, das ist glaube ich so ein Reflex; obwohl dem gegenüber wiederum steht, dass die Tenöre mehr Chancen bei den Frauen haben sollen, aber die hohen Töne, die Tenöre singen, die verlangen ja auch einen hohen Kraftaufwand, also wird auf diese Weise anders auch Stärke demonstriert."

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