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Seit 12:30 Uhr Nachrichten
StartseiteSprechstundeGelbsucht09.02.2016

Radiolexikon GesundheitGelbsucht

Das Weiße der Augen schimmert gelblich, ebenso Haut und Mundschleimhäute. Immerhin signalisiert der Farbton die Diagnose: Er oder sie leidet wahrscheinlich an einer Gelbsucht. Die Ursachen dafür können vielfältig sein.

Von Mirko Smiljanic

Die Illustration einer Leber. (Imago / Science Photo Library)
Eine Infektion des Lebergewebes kann Ursache für eine Gelbsucht sein. (Imago / Science Photo Library)

Universitätsklinikum Köln, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene. An diesem Nachmittag herrscht reger Andrang bei der dem Institut angeschlossenen Reiseimpfsprechstunde. Touristen sollten mit den notwendigen Impfungen mindestens drei Monate vor Abflug beginnen. Hin und wieder kümmern sich die Kölner Mediziner aber auch um Reiserückkehrer, von denen es manchen gar nicht gut geht.

- "Ja, ich war in Hurgada, ich wollte ein bisschen schnorcheln und tauchen, das war super", berichtet diese Mittzwanziger. "Andererseits komme ich jetzt zurück und ich sehe, meine Augen sind so gelb und meine Haut."
- "Seit wann bestehen die Beschwerden, seit wann sind Sie wieder zurück aus Ägypten", hakt Oberarzt Dr. Jörg Gielen nach.
- "Ja, ich bin jetzt so eine gute Woche wieder da, ich war da zwei Wochen im Hotel."

Fragen nach weiteren Symptomen folgen, ob sie häufig müde sei, ob sie einen Juckreiz verspüre und so weiter. Unabhängig von den Ursachen der Erkrankung, eines ist dem Reisemediziner schon jetzt klar: Die Patientin leidet an einem Ikterus, an einer Gelbsucht.

"Wir würden bei so einem Ikterus, wie wir das Phänomen nennen, was die Patientin schildert, eine Gelbfärbung der Skleren und der Haut, Müdigkeit, würden wir darauf tippen, dass irgendetwas mit der Leber oder mit Organen, die Produkte der Leber abführen, nicht in Ordnung ist."

Viele sehr unterschiedliche Ursachen

Ikterus beziehungsweise Gelbsucht ist ein Symptom für viele sehr unterschiedliche Krankheiten. Grob lassen sie sich zwei Gruppen zuordnen, so Professor Tobias Beckurts, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral-, Thorax- und Unfallchirurgie im Krankenhaus der Augustinerinnen Köln.

"Es gibt einmal die infektiösen Ursachen. Das sind letztendlich Krankheiten des Lebergewebes, bei dem durch eine mangelhafte Entgiftungsleistung der Leber eine Gelbsucht auftritt. Und dann gibt es den anderen Grund. Und das ist eigentlich mehr der, der chirurgisch relevant ist, das sind die Ursachen, die dazu führen, dass die Galle nicht mehr aus der Leber in den Darm abfließen kann."

Gelbsucht ist eine Störung des Bilirubin-Stoffwechsels. Bilirubin – ein gelber Farbstoff – entsteht beim Abbau alter roter Blutkörperchen. Kann das Bilirubin nicht über die Gallenblase in den Darm fließen, lagert es sich nach und nach im Gewebe ab: Augen, Haut und Schleimhäute nehmen eine gelbliche Färbung an. Häufigster Auslöser für diese Form der Gelbsucht sind Gallensteine.

"Es kann dazu kommen, dass in der Gallenblase Steine gebildet werden. Diese Steine rutschen aus der Gallenblase über den kleinen Verbindungsgang in den Hauptgallengang und verstopfen dann diesen Gang vor allen Dingen, wo er in den Zwölf-Finger-Darm mündet. Da ist eine Engstelle. Und die Steine können sich davor verklemmen oder davor ablagern und führen dazu, dass die Galle nicht mehr abfließen kann. Und dann entsteht eben die typische Gelbsucht durch einen Gallenstein."

Gallensteine müssen entfernt werden

Die Therapie liegt auf der Hand: Alle Gallensteine müssen entfernt werden, damit die Gallenflüssigkeit wieder frei fließen kann. Drei Möglichkeiten stehen dafür zur Verfügung: Die Gallensteine werden medikamentös aufgelöst, mit Stoßwellen mechanisch zertrümmert oder inklusive der Gallenblase operativ entfernt. Ist dies geschehen, verschwindet die Gelbsucht binnen kurzer Zeit. So unangenehm Gallensteine auch sein mögen – vor allem die sehr schmerzhaften Gallenkoliken – letztlich sei die Erkrankung gutartig, so Tobias Beckurts vom Krankenhaus der Augustinerinnen Köln.

"Es gibt aber auch daneben den großen Komplex der bösartigen Erkrankungen. Und da ist allen voran zu nennen das Karzinom des Bauchspeicheldrüsenkopfs. Das ist deswegen relevant, weil das Endstück dieses Hauptgallenganges läuft praktisch durch den Bauchspeichelkopf durch bevor es in den Zwölf-Finger-Darm übertritt. Das heißt, da ist eine ganz enge nachbarschaftliche Lagebeziehung. Und wenn in dem Pankreaskopf, also in dem Kopf der Bauchspeicheldrüse sich ein Tumor bildet, dann kann dieser Tumor auf den Gallengang draufdrücken und macht dann letzten Endes, was auch die Steine machen. Er verhindert dann, dass die Galle über diesen Gang in den Zwölf-Finger-Darm fließen kann."

Neben Gallensteinen und Tumoren lösen noch viele andere Erkrankungen eine Gelbsucht aus. Ein erhöhter Abbau roter Blutkörperchen etwa, wenn Medikamente oder Malariaerreger rote Blutkörperchen zerstören, Unverträglichkeiten nach Blutinfusionen und so weiter.

Hepartitis-A-Infektion auch eine mögliche Ursache

Immerhin konnte Oberarzt Jörg Gielen von der Uniklinik Köln die Ursache der Gelbsucht seiner Patientin rasch klären. Sie hat sich während ihres Ägyptenurlaubs durch verunreinigte Speisen eine Hepatitis-A-Infektion zugezogen. So unangenehm die Gelbsucht auch sein mag, der Behandlung kann sie trotzdem locker entgegensehen.

"Tatsächlich ist es so, dass diese infektiösen Leberentzündungen Hepatitis A und Hepatitis E ohne Probleme von selbst ausheilen. Tatsächlich empfiehlt man den Patienten nur eine symptomatische Therapie, man kann was gegen seine Schmerzen machen. Man empfiehlt ihnen, sich ein bisschen auszuruhen, ein bisschen Bettruhe einzuhalten. Aber tatsächlich geht die Erkrankung von selber meistens ohne Folgen wieder vorbei. Aber man ist in dieser Zeit nicht so leistungsfähig. Und man sollte natürlich auch darauf achten, dass man in dieser Zeit auch keine anderen Menschen ansteckt, weil man ist auch selber ansteckend für seine Mitmenschen."

Einen Vorteil hat die Hepatitis-A-Gelbsucht-Episode aber doch: Die Patientin ist jetzt immun gegen das Virus. Eine Hepatitis-A-Impfung vor der Reise hätte allerdings den gleichen Effekt gehabt.

 

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