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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Grippaler Infekt27.02.2007

Radiolexikon Gesundheit: Grippaler Infekt

Durchschnittlich drei Krankheiten pro Jahr durchlebt jeder Mensch, die weitaus meisten sind grippale Infekte. Kinder und Jugendliche sind häufiger betroffen als Erwachsene, was seinen Grund im noch nicht ausgereiften Immunsystem junger Menschen hat. Wobei die Symptome sich bei Kindern und Erwachsenen kaum unterscheiden.

Von Mirko Smiljanic

Grippale Infekte gehören zu den häufigsten Krankheiten. (AP)
Grippale Infekte gehören zu den häufigsten Krankheiten. (AP)

" Kinderarztpraxis Udo Balzer, guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?... Ah ja, ... "

Bergisch Gladbach, 17 Uhr 30, ein nasser, grauer Februartag.

"... oh je, das hört sich ja schlimm an. Seit wann hat er das? Seit heute, ... Wann möchten Sie denn kommen?... Heute möchten Sie noch kommen?!..."

Ein Notfall, keine Frage, die Tochter hat's erwischt, und zwar kräftig! Erkältung heißt die Krankheit umgangssprachlich, Mediziner sprechen vom grippalen Infekt. Es ist keine Grippe, sondern ein Infekt mit Symptomen, die einer Grippe ähnlich sind. Wichtigstes Kennzeichen: Den Patienten geht es richtig dreckig. Die elfjährige Luna Gruhn weiß worüber sie redet.

" Also, abends fing ich auf einmal an zu schnupfen, ich konnte gar nicht mehr richtig durch die Nase atmen und hatte auch Schleim in der Nase, und ich hatte auch Husten und ein bisschen Halsschmerzen, die Mandeln wurden auch dick, das tat auch weh, und dann musste ich ganz oft schniefen."

Und weil es immer schlimmer wurde, brachte sie ihr Vater in die Praxis des Kinderarztes Udo Balzer. Seine Diagnose fiel eindeutig aus.

" Das war ein grippaler Infekt bei ihr oder ein Erkältungsinfekt, also ein Virusinfekt der oberen Luftwege, mit der üblichen Symptomatik, Husten, Schnupfen, mit der entsprechenden Begleitsymptomatik wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit."

Hinzu kommen leichte bis mäßige Fieberschübe, die bei Erwachsenen in der Regel unter 39 Grad Celsius bleiben, bei Kindern aber auch höher ausfallen können, Schweißausbrüche wechseln sich mit Schüttelfrost ab, außerdem leiden die Patienten unter einer allgemeinen Kraft- und Antriebslosigkeit.

" Der grippale Infekt ist ein Virusinfekt, ein einfacher Infekt, der in der Regel ohne Komplikationen abläuft, es gibt ungefähr 200 Viren, die mittlerweile bekannt sind, die einen solchen Infekt auslösen können, da hat man also sein Leben lang mit Kontakt. Diese Viren dringen also in den Nasenrachenraum, in die Schleimhaut, dort lösen Sie diese Entzündung aus, wodurch diese ganze Symptomatik zustande kommt."

Durchschnittlich drei Krankheiten pro Jahr durchlebt jeder Mensch, die weitaus meisten sind grippale Infekte. Kinder und Jugendliche sind häufiger betroffen als Erwachsene, was seinen Grund im noch nicht ausgereiften Immunsystem junger Menschen hat. Wobei die Symptome sich bei Kindern und Erwachsenen kaum unterscheiden - hat zumindest Lunas Vater, Achim Gruhn, festgestellt.

" Bei mir geht es meist mit Kopfschmerzen los, das heißt, irgend wann beginnt auch die Nase zuzugehen, aber das nehme ich dann meist nicht ganz so ernst, aber wenn es dann mit Kopfschmerzen losgeht dann geht es relativ schnell, dass ich dann auch flach liegen, dann zieht sich das durch die Rückenknochen, da hat man so die typischen 2,3 Tage, und dann fängt es an besser zu werden."

Im Minutentakt rufen Eltern an, rund 80 Prozent aller Patienten von Udo Balzer leiden zurzeit an grippalen Infekten. Ein Grund für diese Häufung: Grippale Infekte sind hochgradig ansteckend.

"..dann haben wir ja mittlerweile fast alle aus dem Kinderladen, ... richtig, wenn schon alle krank werden, dann möglichst zusammen, (lacht) ... "

In Bus und Bahn, auf der Straße und am Arbeitsplatz, in Kindergarten und Schule - das Infektionsrisiko ist hoch. Von Durchseuchung sprechen Mediziner, was sich schlimmer anhört, als es ist: Wer eine schwache Immunabwehr hat, steckt sich irgendwo an.

" Meine Freundin, die lief schon seit gestern Morgen in der Schule so schniefend in der Klasse herum, sie hatte die Nase zu, und da ich sehr nah bei der sitze, könnte das von der kommen. "

Und wenn Vater Achim Gruhn demnächst flach liegt, weiß er, wer die Viren ins Haus geschleppt hat.

" Manchmal passiert es so, dadurch, dass sie so anfällig ist, auch durch ihren Heuschnupfen, bekommt sie dann schon mal schneller was weg, und dann fangen wir auch gleich an mit einer deftigen Hühnersuppe und tanken ordentlich Vitamine, damit wir das nicht gleich mitkassieren."

Womit wir beim weiten Feld der Therapien wären. Da gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die schlechte zuerst: Obwohl grippale Infekte die häufigste Krankheit überhaupt ist, gibt es bisher kein wirksame Therapie. Letztlich muss die Immunabwehr des Körpers die Viren abwehren.

" Das Immunsystem entwickelt Abwehrstoffe und bekommt den Infekt in der Regel auch gut in den Griff, so dass er meistens nur sieben bis neun Tagen über die Bühne ist."

Grippale Infekte oder Erkältungen kommen drei Tage, sie bleiben drei Tage und sie gehen drei Tage - sagt der Volksmund. Ein Rhythmus, den jeder Arzt bestätigt und den er kaum beeinflussen kann: Medikamente ändern fast nichts am Krankheitsverlauf.

" Der Körper muss damit alleine fertig werden, nun gut, wenn die Nase zu ist, gibt es abschwellende Nasentropfen, Hustensäfte sind wissenschaftlich schon sehr, sehr umstritten, ob die eine Wirkung im eigentlichen Sinne überhaupt entfalten. Da gibt es auch genug Meinungen, die sagen, die kann man getrost weglassen. Viel, viel trinken, viel Flüssigkeit, das ist immer gut bei Infekten, vor allem wenn Fieber dabei ist, aber ansonsten muss der Körper und der Organismus das auch alleine schaffen, auch ohne Arzt."

Und das ist die gute Nachricht: Es gibt wenige Krankheiten, die der Patient mit so einfach Mitteln zumindest lindern kann. Vor allem viel trinken ist wichtig, drei bis vier Liter pro Tag sollten es schon sein. Überhaupt keinen Nutzen haben Antibiotika. Sie helfen gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. Vitamin C hat zwar eine vorbeugende Wirkung, hilft letztlich aber auch nur bedingt. Im Übrigen gilt: Ein absoluter Schutz gegen grippale Infekte ist weder möglich noch sinnvoll.

" Gerade jetzt in dieser Jahreszeit, man hat immer Kontakt mit Menschen, die es eben übertragen, die Frage ist natürlich auch, ob es überhaupt Sinn macht, unser Immunsystem braucht Infekte, und auch diese leichteren Infekte, sie sind sehr gut geeignet, unser Immunsystem intakt zu halten, und sich jetzt nur jeden Infekt zu schützen, das macht aus medizinischer Sicht auch keinen Sinn."

Vorsichtig sollte jedoch sein, wenn das Schwächegefühl sehr stark ausgeprägt ist oder hohes Fieber - beim Erwachsenen über 39 Grad Celsius - auftritt. Ungewöhnlich sind auch Beschwerden, die länger als eine Woche andauern, Atemnot, eitriger oder blutiger Schleim oder ein vermindertes Hörvermögen. In dieser Fälle sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da die Gefahr besteht, dass die vermeintliche Erkältung in Wahrheit eine bakterielle Infektion - zum Beispiel eine Mandel- oder Mittelohrentzündung, eine Lungenentzündung oder eine Virusgrippe ist.

" Die Grippe beginnt oft sehr schlagartig, sehr schnell, mit schwerster Symptomatik, also mit sehr hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, also mit einem schon deutlich stärkerem Krankheitsbild, als es bei diesen grippalen Infekten der Fall ist."

Ein nasser, grauer Februartag, nicht kalt, nicht war - wie geschaffen für grippale Infekte.

" Na gut, dann kommen Sie am besten gleich vorbei, aber Sie müssen etwas Zeit mitbringen, der Warteraum ist voll, ... "

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