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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Hämatom/blauer Fleck22.11.2011

Radiolexikon Gesundheit: Hämatom/blauer Fleck

Eine kleine Unachtsamkeit, man stößt sich am Schrank oder an der Tischkante. Was zurück bleibt, kennt jeder: ein blauer Fleck, auch Hämatom oder Bluterguss genannt. Doch nicht alle Menschen sind gleich anfällig für blaue Flecken und nicht alle Hämatome sind harmlos.

Von Jochen Steiner

Bei Boxern gehört das blaue Auge zum Alltag. (picture alliance / dpa)
Bei Boxern gehört das blaue Auge zum Alltag. (picture alliance / dpa)
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Radiolexikon Gesundheit

Eine kleine Sporthalle in Köln. In einer Ecke ist ein Boxring aufgebaut, von der Decke baumeln rote und schwarze Sandsäcke. Schon nach wenigen Minuten Aufwärmtraining haben sich bei den Männern und Frauen unterschiedlichen Alters die ersten Schweißperlen auf der Stirn gebildet. Trainer Rolf Worthoff treibt die Boxer mit seinen kurzen, präzisen Ansagen durch die Halle.

Nach dem Laufen steht Seil-Springen auf dem Programm. Stefan Worth hebt abwechselnd seine Füße gerade so weit an, dass das Seil zwischen ihnen und dem Boden hindurchpasst. Als Box-Profi kennt sich der Deutsche Meister im Weltergewicht aber auch mit blauen Flecken, speziell mit dem typischen blauen Auge aus. Und was macht er dagegen?

"Also eigentlich immer kühlen, aber meistens bin ich dann auch zu faul und lass es dann. Bei mir ist es immer nach einer Woche komplett weg meistens, aber wenn ich kühle, ist es schneller weg.""

Im Boxring tänzelt Dr. Leo Balzer von einem Bein aufs andere und verpasst seinem imaginären Gegner regelmäßig Links-rechts-Kombinationen. Auch der Allgemeinmediziner hatte schon mal ein blaues Auge. Dann heißt es so schnell wie möglich:

"Kühlen und drücken, das ist die beste Medizin gegen einen blauen Fleck und gegen jede Verletzung im Gesicht oder am Körper."

Das verhindert eine üppige Schwellung. Sein Fachwissen setzt der Mediziner ein, um bei Box-Wettkämpfen seine Kameraden bei Bedarf zu verarzten. Kühl-Pads sind immer mit dabei. Doch es muss erst gar nicht zu einem blauen Fleck kommen:

"Gute Verteidigung, gute Beinarbeit, mehr Deckung, und man bekommt einfach kaum blaue Flecken."

Auch wer nicht boxt, dem sind blaue Flecken wohl bekannt. Jeder hatte mal welche, weil ein Tisch plötzlich im Weg stand oder der Hammer den Nagel verfehlte und stattdessen den Daumen traf. Aber was ist das eigentlich genau – ein blauer Fleck oder wie es medizinisch heißt: ein Hämatom?

"Das Hämatom oder der klassische blaue Fleck bezeichnet eigentlich Blut im Körper, das aber nicht dort, wo es normalerweise vorkommt, also in den Blutgefäßen, vorliegt, sondern im Gewebe","

… sagt Professor Bernd Pötzsch von der Uniklinik Bonn. Wenn man sich also heftig an einem Tisch stößt, führt dies dazu, dass feine Blutgefäße, die Kapillaren, beschädigt werden. Blut kann aus ihnen heraus fließen und sich unter der Haut ansammeln. Vor allem Kinder bringen schon mal den einen oder anderen blauen Fleck vom Spielen draußen mit nach Hause.

""Hinzu kommt, dass im Kindesalter die Gefäße noch sehr elastisch, sehr weich sind und es dann sehr leicht zu entsprechenden Hämatomen kommen kann."

Aber nicht nur Kinder bekommen relativ schnell mal einen blauen Fleck. Bernd Pötzsch:

"Wir wissen, dass es Geschlechtsunterschiede gibt. Der Gewebsaufbau bei Frauen ist etwas anders als bei Männern, und deswegen neigen Frauen auch leichter dazu, blaue Flecken zu bekommen."

Außerdem sind Menschen, die an einer Gerinnungsstörung des Blutes leiden, besonders anfällig für Hämatome. Bei ihnen kann schon das Aufstützen des Armes zu einem blauen Fleck führen.
Generell ist ein Bluterguss, je nach Größe, nach sieben bis zehn Tagen wieder verschwunden. In dieser Zeit kann man sehr gut beobachten, warum ein Bluterguss oder Hämatom auch blauer Fleck genannt wird.

"So ein Bluterguss macht ja so eine bestimmte Karriere durch: Der fängt zuerst an, ist vielleicht dunkelrot, färbt sich dann etwas livide und wird immer bläulicher und mit der Zeit blasst er ab und wird immer grünlicher."

Der Grund für die unterschiedlichen Färbungen ist der schrittweise Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.

""Man kann das so ein bisschen vergleichen: Im Herbst, wenn das Laub sich färbt, das ist ein ähnlicher Prozess. Auch da wird der grüne Farbstoff, der vergleichbar wäre mit dem roten Farbstoff des Blutes, chemisch abgebaut, und diese Abbaustufen haben eine unterschiedliche Färbung."

Die meisten blauen Flecken sind harmlos und müssen nicht behandelt werden. Sie gehen ganz von allein wieder weg. Hat man sich das Hämatom frisch zugezogen, sollte allerdings der Rat des boxenden Arztes Leo Balzer befolgt werden: Kühlen! In den Apotheken gibt es außerdem etliche Salben mit blutverdünnenden Substanzen.

"Die sollte man eigentlich nicht einsetzen, denn der Bluterguss ist ja gerade das Zeichen, dass Blut ausgetreten ist, und wenn man dann jetzt hier eine blutverdünnende Salbe gibt, wäre das falsch. Wenn man sehr starke Schmerzen hat, dann kann auch schon mal ein Schmerzmittel helfen, wobei man dann nach Möglichkeit keine sogenannten Aspirin-haltigen Medikamente, also Acetylsalicylsäure-haltigen Medikamente nehmen sollte, weil die die Funktion der Blutplättchen beeinträchtigen und dann wieder zu einem erhöhten Blutungsrisiko beitragen könnten."

Bei Bedarf kann also das richtige Schmerzmittel helfen. Doch es gibt auch Hämatome, bei denen das nicht ausreicht, bei denen der Arzt eingreifen muss, zum Beispiel bei einem Blutaustritt in den Herzbeutel oder bei Blutungen in den Gelenken, die vor allem bei Menschen mit einer Gerinnungsstörung auftreten können. Und manchmal muss der Arzt auch ganz schnell handeln:

"Gefährlich werden Hämatome immer dann, wenn sie in Körperregionen austreten, wo die betroffenen Organe keine Möglichkeit haben, sich dann auszudehnen. Also das klassische Beispiel ist das Hämatom, das im Kopf zwischen der Schädeldecke und dem Gehirn entsteht und das dort einfach Platz einnimmt und das Gehirn zusammendrückt. Und das ist ein medizinischer Notfall, den man sofort behandeln muss, weil das sonst im Extremfall tödlich verlaufen kann."

Dazu kommt es natürlich bei den allermeisten Hämatomen nicht. Ein Besuch beim Arzt empfiehlt Bernd Pötzsch dann, wenn die Zahl der blauen Flecken in einer unerklärlichen Häufigkeit auftreten oder wenn schon bei einer kleinen Verletzung ein ungewöhnlich großes Hämatom entsteht.

Beim Boxen gehören blaue Flecken einfach dazu. Der 25-jährige Profi-Boxer Stefan Worth sieht es so:

"Manchmal muss man auch mal was riskieren oder geht zu sehr in den Kampf rein. Ich bin meistens der kleinere Mann, deshalb muss ich mehr angreifen und dadurch kassiere ich öfter mal ein, zwei Schläge."

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