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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Keuchhusten03.04.2007

Radiolexikon Gesundheit: Keuchhusten

" Ich weiß das nur von meiner Mutter, dass wir alle drei Geschwister das hatten, und dass das eben wirklich Hustenattacken sind, die über mehrere Minuten gehen, bis zum Erbrechen gehen können, und vor allen Dingen in der Nacht auftreten. "Keuch"- oder "Stickhusten" nennt der Volksmund diese weltweit verbreitete Kinderkrankheit, die aber durchaus auch Erwachsene bekommen können. Sie wird ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen und ist sehr ansteckend!

Von Andrea Westhoff

Keuchhusten ist ansteckend. (AP)
Keuchhusten ist ansteckend. (AP)

" Es ist eine klassische Tröpfcheninfektion, wenn man mal versucht hat, solche Tröpfchenwolken sichtbar zu machen, das sind ungeheuer großvolumige Nebelwolken, die bei einem einzigen Hustenstoß schon den Mund verlassen, unsichtbar, natürlich die Schleimhäute des Gegenüber bei entsprechendem Einatmen benetzen können und dann auch ihr schlimmes Tun dort beginnen."

Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt und Pressesprecher des Berufsverbandes, nennt den Keuchhusten eine besonders "tückische Krankheit" Es beginnt damit, dass der Keuchhusten nach einer Inkubation von etwa einer Woche eine sehr unspezifische Hustensymptomatik mit sich bringt,"

... und ausgerechnet in diesem ersten, noch untypischen Stadium ist der Kranke infektiös...

" dann das so genannte Hauptstadium, das heißt also Stakkatohusten, Brechattacke und dann anschließend dieses juchzende Luftholen, das kann für etwa drei bis vier Wochen anhalten, um dann allmählich zurückzugehen in das Abklingstadium, welches dann allmählich verdämmert."

In der Medizinersprache heißt der Keuchhusten Pertussis. Er wurde schon im 16. Jahrhundert beschrieben, den verantwortlichen Erreger hat man aber erst 1906 gefunden:

" Die Erkrankung wird hervorgerufen durch ein Bakterium, das ist die bordetella pertussis. Das Teuflische an diesem Erreger ist, dass er gar nicht selbst den Keuchhusten auslöst, sondern ein Toxin, ein Stoffwechselprodukt, was dieser Erreger herstellt, und dieses Stoffwechselprodukt, das wandert entlang der Gefäßnervenscheiden über das Rückenmark allmählich ins Hirn und wenn man so will vergiftet oben das Hustenzentrum und macht dann die klassische Symptomatik. "

In Deutschland starben Anfang des 20. Jahrhunderts noch jedes Jahr mehr als 20.000 an Keuchhusten. Er ist also alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit!

" In der Tat! Das ist eine sogar im frühen Kindesalter ausgesprochen gefährliche Erkrankung. Ich darf Ihnen sagen, in meinem Vorleben war ich Anästhesist, und einer meiner schwierigsten Beatmungsfälle war ein solches Keuchhusten-erkranktes Kind, es ist auch noch die Gefährdung der so genannten Keuchhusten-Enzephalopathie, durchaus eine Schädigung des Hirnes auch. "

Weitere mögliche Komplikationen der starken Hustenattacken sind Lungen- oder Mittelohrentzündungen, Krampfanfälle oder Einblutungen in die Bindehäute der Augen; sogar Leisten- oder Nabelbrüche können vorkommen!

Und: Es gibt bis heute keine wirksame Therapie:

" Der Keuchhusten ist eigentlich nicht behandelbar und es gibt auch kein hustendämpfendes, geschweige denn anfallverhinderndes Medikament, um also die Kinder vor solchen Hustenattacken zu bewahren, man kann, wenn man in einem Frühstadium noch ist, versuchen, ein Antibiotikum geben, um zu verhindern, dass also die möglicherweise noch vorhandenen Erreger noch zusätzliches Toxin bilden, aber das, was sozusagen dort ist im Körper, das wird auch gnadenlos seine Symptomatik machen, es gibt heute viele Kolleginnen und Kollegen, die auch mal Inhalationstherapien verschreiben, letztendlich gibt es keinen Beleg über die Abkürzung dort eines Erkrankungsverlaufes, man hat auch schon versucht heute, bestimmte Anticonvulsiva zu geben, also Mittel, die man bei der Epilepsiebehandlung einsetzt, in der Vorstellung, dass dort also bestimmte Zentren des Hirnes ruhig gestellt werden. "

Doch auch das hat sich nicht als probates Vorgehen bewiesen. "Viel trinken" und "frische Luft" werden gelegentlich noch empfohlen, aber das wichtigste bleibt letztendlich: das kranke Kind beobachten und ihm eine ruhige Umgebung schaffen, denn Stress kann zusätzliche Hustenanfälle auslösen. Die ganz Kleinen allerdings gehören ins Krankenhaus, mahnt Ulrich Fegeler

" Einen Säugling würde ich keinem empfehlen, zu Hause zu behandeln, das kann zu dramatischen Formen (der Apnoe) kommen, wo die Kinder dann eben in diesem Würgen, Erbrechen sind, ohne dass sie Luft holen können, und da muss eventuell sehr schnell interveniert werden."

Deshalb raten Kinderärzte dringend zu der vorbeugenden Impfung gegen Keuchhusten, die es seit langem gibt! Aber da sind heute manche junge Eltern unsicher und skeptisch...

" Wir haben natürlich überlegt mit der Impfung: machen wir das oder machen wir das nicht? Und zwar, weil man ja auch immer wieder hört, dass es Impfschäden gibt, "

...tatsächlich hat die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die Keuchhustenimpfung vor vielen Jahren noch einmal streng geprüft, und heute wird ein anderer, besserer Impfstoff benutzt:

" Die Impfung heute ist ein so genannter azellulärer Impfstoff, das heißt er hat keine Ganzkeimkomponenten mehr, sondern er trägt eigentlich nur noch die Bruchstücke des Erregers mit sich, bzw. des Toxins, die angeboten werden dem Immunsystem, und die dann zu einer sehr ausgeprägten und guten Immunantwort führen. Man kann heute sagen, diese Impfstoffe sind sicher! "

Meistens können Ulrich Fegeler und seine Kollegen die Eltern überzeugen - und manchmal tut das Wissen über die Krankheit ein übriges:

" Also aus der Vorstellung heraus, wie das ist, wenn ein Kind Keuchhusten hat und nächtelang durchhustet und sich quält, ja, haben wir einfach entschieden, dass das ne Krankheit ist, die wir dem Jakob gern ersparen würden."

Dank der Impfung ist Keuchhusten bei Kindern heute selten geworden. Allerdings bringt sie leider keine lebenslange Immunität, und auch die durchgemachte Infektion nicht. Deshalb erkranken inzwischen mehr Jugendliche und Erwachsene, und auch bei ihnen sind die schweren und langwierigen Hustenattacken wahrlich "kein Kinderspiel".

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