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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Muttermale und Pigmentflecken04.09.2007

Radiolexikon Gesundheit: Muttermale und Pigmentflecken

Den Ausdruck "Muttermal" benutzt man meist als Überbegriff für gutartige angeborenen Hautveränderungen. Manche Menschen haben viele braune Flecken auf der Haut, andere wiederum haben gar keine und manche kommen schon mit diesen Flecken zur Welt.

Von Renate Rutta

" Also ich hab am Unterarm auf der Unterarmrückseite ein Muttermal, das hab ich schon seit der Kindheit.

sind schon Muttermale und Leberflecken, das sind so viele, dass man einen ganzen Tag verbringen müsste, um die zu zählen.

In der letzten Zeit hat sich das so ein bisschen verändert, es ist häufiger rot, juckt.

Es sind etliche, klein und groß, manche sind zuckerkörnchenklein, manche bis zu Erbsengröße.

Mir ist selber auch aufgefallen, dass es so ein bisschen unregelmäßig geworden ist und dann hab ich gedacht, ich geh mal lieber zum Arzt und lass es untersuchen."

Manche Menschen haben viele braune Flecken auf der Haut, andere wiederum haben gar keine und manche kommen schon mit diesen Flecken zur Welt. In der Umgangssprache werden dafür verschiedene Begriffe verwendet: den Ausdruck "Muttermal" nutzt man meist als Überbegriff für diese gutartigen angeborenen Hautveränderungen. Professor Peter Altmeyer, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum:

" Der Mensch hat i.a. Flecken auf der Haut, braune Hautflecken. Hier kann man grundsätzlich unterscheiden zwischen denen, die angeboren sind, die wir schon bei der Geburt finden, das sind eigentlich wenige und dann gibt es die erworbenen. Die erworbenen Pigmentflecken, Leberflecken, sind durch die Sonnenbestrahlung erworben. Das heißt, wenn die Sonne auf die Haut trifft, kommt es zu einer Vermehrung dieser Hautzellen und das führt dazu, dass an einer Stelle dann ein brauner Fleck entsteht."

Die Haut besteht aus weißen Hautzellen und aus wenigen dunklen Hautzellen, sogenannten Pigmentzellen. Die dunklen Hautzellen sind diejenigen, die für die Bräunung sorgen. Warum entstehen nun eigentlich diese dunklen Pigmentflecken?

" Diese braunen Flecken entstehen dadurch, dass Sonne, also UV, wenn es auf die Haut trifft, dass diese Pigmentzellen in der Haut, dass die aktiviert werden. Die werden zum Wachstum angeregt. Normalerweise verbleiben die in einer gleichmäßigen Schicht und dann gibt es einen gleichmäßigen Braunton. Nun, bei Hellhäutigen ist es so, dass bestimmte Zellen, eben bestimmte Areale, empfindlicher sind als die Nachbarareale, sodass an diesen Stellen die Pigmentzellen sich stärker vermehren und dann kommt es an diesen Stellen zu einem braunen Farbton, den wir nach außen sehen. Also er ist dadurch bedingt, dass die Pigmentzellen dort aktiver sind und auch vermehrt sind."

Auch Sommersprossen sind Pigmentflecken, die aber im Winter verschwinden und im nächsten Sommer mit der Sonne wiederkehren.

Anders verhält es sich mit den sogenannten Leberflecken, die im Laufe des Lebens entstehen. Sie bleiben, vergrößern sich und werden zahlreicher mit zunehmendem Alter.

" Die Anlage für Leberfleckenbildung wird sicher in der Kindheit gelegt. Wir haben die Kinder früher am Strand rumlaufen lassen als Nackedeis und fanden das prima. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert, heißt also, es gibt ein Gefühl dafür, dass man Kinder schützen muss. Dass sie also ein T-Shirt auf den Körper bekommen, wenn sie am Strand herumlaufen und ein Mützchen auf den Kopf. Also, wir sollten unsere Kinder schützen, weil einfach die Wiege dieser Pigmentfleckbildung in der Kindheit liegt und sie wird dann nach Jahren realisiert."

Sonnenschutz ist für Kinder besonders wichtig, denn die Haut von Kindern ist dünner als die von Erwachsenen und sie hat noch keinen Reparaturmechanismus für sonnenbedingte Schäden. Bisher galten vor allem Sonnenbrände in der Kindheit als Hauptfaktor, der Leberflecken begünstigt. Doch heute weiß man: auch Sonnenbäder, die keine Verbrennung auslösen, fördern die Entwicklung von Leberflecken. Und: Sonnenschutzmittel schützen nicht vor Leberflecken.

" Die Haut vergisst eben keine UV-Strahlung. Wie auf einer Computerplatte werden die UV-Strahlen registriert. Irgendwann ist die Platte voll. Dann gibt es Schreibfehler in der Computerplatte und dann wird die Zelle bösartig.

Aus den Pigmentzellen entsteht der schwarze Hautkrebs, das sogenannte maligne Melanom. "

Maligne Melanome entstehen oft aus einem gutartigen Leberfleck oder einem Muttermal. Sie können sich aber auch neu bilden. Die Unterscheidung zwischen einem Leberfleck und einem malignen Melanom ist nicht immer leicht. Maligne Melanome sind eine hochgradig bösartige Entartung der Pigmentzellen. Sie können schnell in tiefere Hautschichten wachsen und früh Metastasen streuen. Deshalb müssen sie möglichst früh entfernt werden.

" Ich hab am Unterarm ein Muttermal. Das hab ich schon seit der Kindheit und erst in letzter Zeit ist mir aufgefallen, es juckt häufiger. Wenn ich in der Sonne bin, brennt es häufiger und es wird rot. Und dann hab ich gedacht, ich geh mal lieber zum Arzt und lass es untersuchen."

Anke Werries kam also in die Hautklinik der Ruhr-Universität Bochum. Sie wird untersucht von Oberarzt Dr. Sebastian Rotterdam.

" Ihnen ist ein Muttermal aufgefallen - ja genau, ich hab am Unterarm ein Muttermal - ja, dann wollen wir uns das mal angucken. Was wir sehen, ist ja hier am Unterarm ein Muttermal, was ganz leicht erhaben ist. Es ist auch tastbar im Zentrum und es ist eigentlich nicht ganz klar abgrenzbar. Ich will mal mit dem Auflichtmikroskop die ganze Sache angucken. Mit zehnfacher Vergrößerung sieht man mehr als wenn wir's einfach so machen. Von der Größe her haben wir einen Befund, der knapp fünf Millimeter ist, würde ich sagen. Aber wie Sie schon beschreiben, er ist nicht mehr ganz gleichmäßig. Im oberen Anteil sieht man doch ne deutliche Zunahme des Pigments. Im Zentrum sieht man so zwei, drei Haare, die auch rauskommen. Also das ist sicherlich was, was auffällig ist."

Solch auffällige Muttermale oder Leberflecken müssen regelmäßig kontrolliert werden. Eine Untersuchung, die die meisten gesetzlichen Krankenkassen wieder übernehmen. Manchmal wird auch gleich zur Entfernung geraten, weil man dann sicher zwischen gutartig und bösartig unterscheiden kann. Dr. Rotterdam:

" Was würde da genau gemacht? - Wir machen das so, dass wir eine kleine Spritze machen und dann praktisch eine kleine Operation durchführen können. Der operative Eingriff ist sicher nicht so ganz aufwändig. Aber wir müssen schon die Wunde vernähen. So etwa nach zehn Tagen können wir dann die Fäden ziehen. Und was wichtig ist, wir haben dann auch das Ergebnis vom Histologen, der uns dann die Beurteilung erlaubt, ob ein gutartiger oder bösartiger Befund vorliegt."

Welche Anzeichen gibt es, dass Muttermale oder Leberflecken bösartig sein könnten?

" Hier ist es so, dass auf der einen Seite die Asymetrie zu nennen ist. Für uns ist es so, dass die Begrenzung eine Rolle spielt, die Farbgebung an sich, also ein homogenes Farbmuster spielt hier eine Rolle. Es ist so, dass wir neben der Farbgebung auch den Durchmesser zu beurteilen haben, alles, was mit einer Größe über fünf mm ist, bzw. was eine Größenzunahme darstellt, ist sicher auffällig. Und es ist wichtig, ob die Veränderung erhaben ist oder nicht, bzw. noch wichtiger, ob der Patient angibt, dass es zu einer Blutung gekommen ist."

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