• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteSprechstundeRadiolexikon Gesundheit: Röntgen24.03.2009

Radiolexikon Gesundheit: Röntgen

Röntgen-Diagnostik: Sie geht auf die Entdeckung des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen zurück. 1895 fand er - mehr zufällig - eine bis dahin unbekannte Art von Strahlen, die Unsichtbares sichtbar machen und somit ins Innere des menschlichen Körpers schauen lassen.

Von Justin Westhoff

Hände unter Röntgenlicht (Stock.XCHNG / Adam Ciesielski)
Hände unter Röntgenlicht (Stock.XCHNG / Adam Ciesielski)
Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Radiolexikon Gesundheit

"Das Großartige am Röntgen ist, dass man ohne äußere Verletzungen, ohne Aufschneiden in die Tiefe schauen kann und therapeutische Schlussfolgerungen ziehen."

Ein großer Fortschritt für die Medizin - und eine Attraktion. Die ersten Röntgen-Durchleuchtungsgeräte wurden auch auf Partys genutzt. Den ganzen Abend lang bestaunte man vergnüglich das Innere seiner eigenen Hände und anderer Körperteile. Und bis in die Sechziger des vorigen Jahrhunderts gab es solche Apparate auch in Schuhgeschäften, um zu sehen, ob die Fußbekleidung ordentlich passt.

Längst ist so etwas verboten, denn Röntgenstrahlen sind keineswegs harmlos. Auch wenn man sie nicht spürt: Es handelt sich um sehr energiereiche elektromagnetische Wellen, die Veränderungen im Zellkern und so Krankheiten auslösen können. Nicht ohne Grund bekommen Patienten eine schützende Bleischürze umgehängt, damit nur das zu untersuchende Organ erfasst und insbesondere die empfindlichen Fortpflanzungsorgane verschont werden.

"Die ursprüngliche Technik war das Durchleuchten,"

erinnert Dr. Dietrich Banzer, erfahrener Radiologe und Beauftragter für Strahlenschutz. Beim Durchleuchten ist die Bestrahlungsdauer entsprechend lang. Deswegen wird dieses Verfahren heute nur noch in speziellen Fällen vorgenommen, etwa,

"wenn wir einen Katheter in die Gefäße schieben zum Beispiel die Herzkranzgefäße darstellen, müssen wir natürlich den Katheter unter Durchleuchtung führen."

Diese Herzuntersuchung wird Angiographie genannt.

"Oder auch bei therapeutischen Eingriffen, wenn wir eine Engstelle im Gefäß aufmachen, dafür ist heute die Durchleuchtung da; mit allerdings höherer Strahlenbelastung."

Die Strahlenmenge liegt bei Röntgen-Bildern bei nur einem Viertel davon. Die Strahlen werden nur kurz durch den Körper geschickt und das Bild sofort auf einen Spezialfilm gebannt.

Es bleibt jedoch das Problem: Eine Schwellendosis, unterhalb derer keine Gefahr besteht, gibt es nicht. Außerdem sind die verschiedenen Organe unterschiedlich strahlenempfindlich, und zum Beispiel Embryonen und Kinder sind besonders gefährdet. Dietrich Banzer, der Strahlenschutz-Beauftragte der Ärztekammer Berlin:

"Man muss natürlich wie bei jeder ärztlichen Handlung Nutzen- und Risiko-Abwägung vornehmen."

Für den Strahlenschutz gelten drei "A's"

"Abstand halten, Aufenthaltszeit vermindern und Abschirmung. Und Abschirmung wird eben durch Blei gemacht. Ein Millimeter Bleidicke entspricht einer 13 cm dicken Stahlbetonwand. Durch die Bleischürze wird die Strahlung auf ein Hundertstel der Ausgangsgröße vermindert."

Durch die heute verfeinerte Röntgentechnik ist zudem viel weniger Strahlung pro Untersuchung notwendig als früher. Die Belastung beim Röntgen von Skelett, Brustkorb oder Zähnen entspricht heutzutage der natürlichen Hintergrundstrahlung von allenfalls einigen Tagen.

Trotzdem lautet die Devise: Nur so viel röntgen wie nötig. Doch die Bundesrepublik ist Vizeweltmeister, nur in Japan wird die Technik noch mehr eingesetzt.

"Ja, es wird zuviel geröntgt. Und ein Grund ist sicher, dass der Großteil von Röntgenuntersuchungen nicht durch Radiologen, die speziell dafür ausgebildet sind, durchgeführt werden, sondern auch andere Fachärzte röntgen, und deswegen hat man in der Röntgenverordnung schärfere Bestimmungen eingeführt: Man muss eine Fachkunde im Strahlenschutz erwerben und eine Zusatzqualifikation, und wir erhoffen uns davon, dass eine strengere Indikationsstellung erfolgt, denn das ist eigentlich der Hauptgrund, dass die Methode überschätzt wird und dass zuviel geröntgt wird."

Tatsächlich ordnen niedergelassene Ärzte mit eigenem Röntgengerät deutlich häufiger Röntgenuntersuchungen an als ihre Kollegen, die kein eigenes Gerät besitzen. Außerdem wird die hohe Zahl von Röntgenaufnahmen durch einen technischen Fortschritt ausgelöst: die Computertomographie, CT abgekürzt. Dabei werden die Bilder so bearbeitet, dass Körperteile in verschiedenen Schichten viel genauer abgebildet und zum Beispiel kleinste Tumore erfasst werden. Ob allerdings jede CT notwendig ist, bezweifeln Fachleute. Die Zahl solcher Aufnahmen ist erheblich gestiegen, und mitunter werden sie im Rahmen von "Gesundheits-Checks" als freiwillige Leistung angeboten.

Die Strahlenbelastung ist beim CT deutlich größer als beim konventionellen Röntgen. Eine große Hilfe für die Diagnostik sind ferner Stoffe, die Organe besser sichtbar machen:

"Kontrastmittel wird immer angewendet, wenn der normale Kontrast der Gewebe zu gering ist. Ich habe einen hohen Kontrast zwischen Knochen, kalkhaltigen Substanzen und Weichteilen. Aber die Weichteile untereinander unterscheiden sich nicht. Und wenn ich hier bestimmte Strukturen erkennen will, muss ich ein Kontrastmittel geben; also ich spritze zum Beispiel Kontrastmittel in die Gefäße und kann sie dann von dem umgebenden Bindegewebe abgrenzen. Oder ich lasse Kontrastmittel schlucken, um den Magen, den Darm zu sehen."

Indessen können auch Röntgenkontrastmittel Nebenwirkungen haben, angefangen von allergischen Reaktionen bis zu, in seltenen Fällen, schwersten Komplikationen. Dr. Banzer:

"Dafür muss aber jeder Röntgenologe vorbereitet sein, und zum Beispiel sofort Kreislaufmittel zu geben oder eine Beatmung durchzuführen."

Insgesamt kann man als Patient auch selbst etwas tun, um unnötiges Röntgen zu vermeiden. Alle Einrichtungen, die solche Untersuchungen machen, müssen einen Röntgenpass anbieten. Der Nutzen ist für Professor Roland Felix, Chef der Strahlenklinik an der Charité, aber begrenzt:

"Der Röntgenpass ist eine gute Einrichtung, nur die Praxis zeigt, dass er meistens vom Patienten vergessen wird. Wenn ein akuter Anlass ist, mit neuen Beschwerden, wäre er vielleicht nicht so sinnvoll. Aber wenn ein Mensch mit chronischen Beschwerden kommt und Sie sehen am Röntgenpass, dieses Organ ist ja im letzten halben Jahr schon zweimal untersucht worden, da wird man mit Sicherheit sagen: 'Na jetzt mal langsam, versuchen wir erstmal die alten Bilder zu bekommen, die schauen wir uns an und dann kommen Sie nochmal wieder'."

Das Röntgen hat unschätzbare Vorteile, aber auch seine Probleme. Mittlerweile stehen neuere Methoden der Bildgebung zur Verfügung, bei denen keine Röntgenstrahlen verwendet werden. Zum einen die Sonographie: Hier machen Ultraschallwellen das Körperinnere sichtbar.

Sie zeigen aber nur weiche, flüssigkeitsreiche Gewebe und können das Röntgen nicht überall ersetzen. Zum anderen die Magnet-Resonanz-Tomographie. Sie stellt ebenfalls nicht alles dar, ist aber besonders geeignet für die präzise Darstellung von Weichteilen und Gefäßen. Das MRT ist jedoch sehr teuer und nicht für alle Patienten geeignet.

"Diese Verfahren, die röntgenologischen und nicht-röntgenologischen greifen ineinander, das heißt, sie haben unterschiedliche Vorteile und unterschiedliche Nachteile, sodass sie gemeinsam eine ganz ideale Mischung ergeben,"

sagt Professor Felix. Und Dr. Banzer ergänzt:

"Wenn Sie mich fragen, dann glaube ich nicht, dass wir auf das Röntgen in absehbarer Zeit verzichten werden. Aber man darf nicht Methoden als verlängerten Zeigefinger sozusagen benutzen. Sondern das eigentliche Untersuchen des Arztes ist schon das Wichtigste."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk