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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Hypnose30.10.2007

Radiolexikon Hypnose

Bei manchen gesundheitlichen Problemen reicht schon eine Hypnose-Sitzung, um das Unterbewusstsein so zu beeinflussen, dass eine Besserung eintritt. Bei den meisten Störungen und Krankheitsbildern aber ist es nicht mit einem Mal getan.

Von Andrea J. Westhoff

Kann auch die Angst vor Schmerzen lindern: Hypnose auf dem Zahnarztstuhl (AP)
Kann auch die Angst vor Schmerzen lindern: Hypnose auf dem Zahnarztstuhl (AP)

"Sind Sie bereit? - Wunderbar. Dann schauen Sie bitte auf meine Finger, atmen tief ein, tief ein! - schließen die Augen und lassen vollkommen los. "

Live-Demonstration einer klassischen Hypnose-Einleitung durch den Psychologen Dr. Norbert Preetz - zu betrachten in einem Video auf seiner Homepage im Internet.

"- und wenn Sie ganz tief gesunken sind, dann hebt sich Ihr rechter Zeigefinger ganz von allein. So ist es gut. "

HYPNOSE - abgeleitet von "Hypnos", dem griechischen Gott des Schlafes - ist ein schlafähnlicher Zustand.

Bekannt als Attraktion in Varieté- oder Zaubershows, hat sich die Hypnose in den letzten Jahren mehr und mehr auch als Heilmittel etabliert - wobei ein bisschen von der magischen Faszination geblieben ist.

Eher nüchtern sieht das die Neurologin und Psychiaterin Dr. Angela Bürmann-Plümpe, die Mitglied der Deutschen Gesellschaft für ärztliche Hypnose und autogenes Training ist:

"Medizinische Hypnose ist ein psychotherapeutisches Verfahren, ein Entspannungsverfahren, wo man über eine körperliche und eine seelische Entspannung einen Zustand herstellt, einen veränderten Bewusstseinszustand, diesen Zustand nennen wir Trance."

Es ist inzwischen wissenschaftlich untersucht, dass dieser Zustand viele Menschen bis zu einem gewissen Grad empfänglich macht für Beeinflussungen, Suggestionen. Aber anders als in Krimigeschichten oder Showdarbietungen werden die Hypnotisierten dabei nicht zu "willenlosen Marionetten"!

"Bei der Showhypnose werden Tricks angewandt, bei der medizinischen Hypnose ist der Patient jederzeit in der Lage, die Hypnose zu unterbrechen, wenn es ihm unangenehm wird, der Patient wird nicht die Kontrolle verlieren, es ist wichtig, dass er das vorher auch weiß, dass er jederzeit unterbrechen kann."

Hypnose wird heute in der Medizin und Psychotherapie sehr vielfältig angewandt:

"Besonders gute Indikation ist auf jeden Fall eine Behandlung chronischer Schmerzen, dann psychischer Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen, Ängste, Phobien, Zwangserkrankungen, aber auch Stressabbau, Schlafstörungen beseitigen, das wären so die wichtigsten,"

... auch Raucherentwöhnung und Gewichtsreduzierung bieten Hypnotherapeuten an. Selbst in der Zahnmedizin arbeitet man heute oft mit den Trance-Suggestionen: Die allgemeine Angst vor dem Zahnarzt, aber auch Würgereiz, Kieferverkrampfungen und sogar Schmerzen bei der Behandlung selbst lassen sich damit reduzieren - sagen viele Ärzte und Patienten.
Doch es gibt auch "Kontraindikationen". Angela Bürmann-Plümpe:

"Patienten mit Psychosen oder so genannte Borderline-Patienten sollten nicht damit behandelt werden, es kann schon mal passieren, dass sie dann auch in eine Psychose rutschen können, während der Trance. "

Sprin: Deshalb rät die Ärztin auch zu einer gewissen Vorsicht bei Selbsthypnose ohne jede fachliche Begleitung, mittels der zahlreich angebotenen CDs. Denn wie bei allen Heilverfahren gilt auch hier: Vor der Therapie sollte eine Diagnose stehen.

"Ganz wichtig ist das Vorgespräch mit einer ausführlichen Anamnese, über die körperlichen Zusammenhänge, die seelischen Zusammenhänge, die psychosomatischen Erkrankungen, die ja auch sehr viel behandelt werden mit Hypnose."

Und weil es sich um ein psychotherapeutisches Verfahren handelt, muss in dem Vorgespräch auch die persönliche Ebene ausgelotet werden:

"- dass man sich auch gegenseitig kennen lernt, der Patient sollte Vertrauen in den Therapeuten gewinnen und auch der Therapeut muss wissen, ob die Hypnosefähigkeit da ist, ob die Motivation da ist, usw."

90 - 95 Prozent aller Menschen seien hypnotisierbar, heißt es in Werbungen der diversen Hypnose-Anbieter. Die Neurologin relativiert das etwas:

"Man weiß, dass die Hypnosefähigkeit im Alter von 10 - 12 Jahren am höchsten ist. Das liegt natürlich daran, dass die Kinder sehr kreativ denken, sehr viel in Bildern denken und gut mitgehen können, zum Alter hin nimmt die Hypnosefähigkeit ab, außerdem spielt die Motivation eine hohe Rolle, denn, wenn der Patient nicht mitmacht und Widerstände aufbaut, hat das überhaupt keinen Sinn, diese Behandlungsmethode anzuwenden."

Bei Petra Ellensohn war die Motivation riesengroß, als sie vor zwei Jahren zu einer Hypnotherapeutin ging, um sich das Rauchen abzugewöhnen...

"Sie hat einen so genannten Entspannungsstuhl, in dem durfte ich Platz nehmen, dann hat sie mich ein bisschen zurück gefahren, ich guckte an die Decke, dort war ein schwarzer Punkt, den sollte ich fixieren - bis - ich zwei Punkte sah.- Und das hat auch funktioniert."

Sprin: Fünf bis zehn Minuten dauert in der Regel diese Einleitungs- oder "Induktionsphase", die die Aufmerksamkeit von den verschiedenen äußeren Reizen nach innen lenken und "bündeln" soll.

"Danach folgt eine körperliche Entspannungsmethode, ähnlich wie beim autogenen Training, und dann wird eine seelische Entspannung herbei geführt, oft in Form von Bildern,"

... beschreibt die Angela Bürmann-Plümpe das weitere Vorgehen. Sie ist auch als Lehrerin bei der deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie tätig.

"und wenn dann dieser Trancezustand erreicht ist, erfolgen die therapeutischen Suggestionen, weil das Unterbewusstsein nachweislich in diesem Zustand sehr rege ist und diese Suggestionen speichert, und jederzeit sind die dann wieder hervorholbar."

Aber immer funktioniert das eben nicht:

"Sie versuchte mich auf eine Lichtung zu führen, durch einen Wald, ich sollte das Moos riechen, die Sonne scheinen sehen durch die Blätter, und das war nicht so das richtige. (lacht) Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich da voll irgendwie in die Trance gekommen bin. Ich hab es ihr allerdings nicht richtig signalisiert."

Wenn aber dieser Zustand der Tiefenentspannung gar nicht erreicht wird, kann auch das Kernstück der Hypnose nicht funktionieren:

"Sie hat mir dann gesagt, sie würde jetzt mit der Suggestion beginnen, und hat mir im Rahmen der Suggestion gesagt "Ich - Ich will nicht mehr rauchen!"- "Ich brauche das nicht!" - und das wurde vielfach wiederholt. Irgendwann, mittendrin, hab ich aus irgendeinem Grund gelacht. Und daraufhin hat sie zu mir gesagt, das fände sie jetzt nicht witzig. Und daraufhin war ich pikiert, vielleicht war sie auch pikiert, weil ich gelacht habe, aber das konnte ich ja nun nicht ändern, danach hat sie mich wieder zurückgeholt, obwohl ich nicht den Eindruck hatte, dass ich also sehr tief in Trance war."

Die Rückführung oder "Aufweckphase" ist besonders wichtig und muss in jedem Fall am Ende einer Hypnosesitzung gemacht werden...

"Und wenn ich Sie gleich wieder aufwecke, fühlen Sie sich vollkommen wohl. - Erfrischt und wach. Sie fühlen sich wunderbar von Kopf bis Fuß. "

...und sie sollte langsam, nach einem bestimmten Ritual durchgeführt werden, wie es zum Beispiel der Psychologe Norbert Preetz in seiner Live-Hypnose im Internet demonstriert.

" Vital und voller Spannkraft! Und bei drei sind Sie frisch und wach und ganz wieder im hier und jetzt! - Eins - zwei - drei. Vielen Dank. - "

Bei manchen gesundheitlichen Problemen reicht schon eine Hypnose-Sitzung, um das Unterbewusstsein so zu beeinflussen, dass eine Besserung eintritt. Bei den meisten Störungen und Krankheitsbildern aber ist es nicht mit einem Mal getan. Die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie empfiehlt in ihrer Patienten-Info allerdings, "nach spätestens fünf Sitzungen den möglichen Erfolg der Behandlung aufgrund der bis dahin eingetretenen Veränderungen zu überprüfen." Immerhin muss man die Kosten in der Regel selbst tragen.
Doch auch nach einem Fehlversuch verliert die Hypnose offenbar nicht gleich ihre Faszination:

"Ich glaube, ich würde es durchaus noch einmal probieren, vielleicht klappst ja dann, ich weiß es nicht, vielleicht ein anderes Bild - das Meer oder so - würde mich viel mehr ansprechen. Und wenn es dann nicht klappt, dann bin ich überzeugt davon, ich bin nicht hypnotisierbar."

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