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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Sonnenbrand19.08.2008

Radiolexikon Sonnenbrand

Sonne tut gut, keine Frage. Für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D genügt es allerdings, wenn Gesicht und Hände täglich eine Viertelstunde dem Tageslicht ausgesetzt sind. Nicht mehr gesund jedoch ist, wenn Menschen am Strand oder Baggersee, in Schwimmbad oder Park stundenlang in der prallen Sonne liegen.

Von Justin Westhoff

Ein Sonnenbad am Ufer des Chiemsees (AP)
Ein Sonnenbad am Ufer des Chiemsees (AP)
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Sommer, Strand und Sonne...

"Man fühlt ich einfach wohler, wenn die Sonne scheint, und medizinisch muss man hier natürlich in den Vordergrund stellen, dass die Vitamin-D-Produktion, das ist ein wichtiges Vitamin, was der Körper braucht, durch die Sonne gebildet wird."

Sonne tut gut, keine Frage. Für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D genügt es allerdings, wenn Gesicht und Hände täglich eine Viertelstunde dem Tageslicht ausgesetzt sind. Nicht mehr gesund jedoch ist, wenn Menschen am Strand oder Baggersee, in Schwimmbad oder Park stundenlang in der prallen Sonne liegen. Eine knallrote, verbrannte Haut ist nichts anderes als die Reaktion des Körpers auf die aggressiven Bestandteile der Sonnenstrahlen. Der Dermatologe Professor Eggert Stockfleth von der Berliner Charité:

"Ein Sonnenbrand ist ein klares Zeichen, dass zu viel Sonne auf die Haut, auf die obere Hautschicht, gekommen ist und die Haut dann mit einer Entzündung reagiert, was wir dann durch die Rötung sehen."

Die Sonne spendet nicht nur Licht, sondern sie sendet auch ultraviolette Strahlung von ungeheurer Kraft aus: UVA sowie UVB. Sie haben unterschiedliche Wirkungen auf die menschliche Haut: UVB-Strahlen erreichen nur die obere Hautschicht, die sich dadurch verdickt und zudem dunkler färbt. Bei zuviel UVB-Strahlen entsteht ein Sonnenbrand. UFA-Strahlen dringen in tiefere Hautschichten ein, im Übermaß lassen sie die Haut vorzeitig altern. Beide Strahlenarten können das Erbgut schädigen und so auch zu Krebs führen.
Wie der Einzelne auf Sonne reagiert, hängt vom jeweiligen Hauttyp ab.

"Wir unterscheiden grob fünf Hauttypen: die hellen Hauttypen 1 und 2, stellen sich etwa den Rothaarigen oder Blonden vor, mit blauen Augen, diese Patienten erleiden sehr schnell einen Sonnenbrand, während die Hauttypen 3 und 4 seltener und der Hauttyp 5, fast nie, aber auch nicht ausgeschlossen, selbst schwarze Haut kann Sonnenbrand bekommen."

Hinzu kommt: Bestimmte Medikamente wie Antibiotika können ebenso die Lichtempfindlichkeit des Körpers erhöhen wie Duftstoffe in Parfüms. Ansonsten hat jeder Hauttyp eine bestimmte Eigenschutz-Zeit gegen zuviel UVB-Strahlung. Sie liegt bei drei bis zehn Minuten bei Hellhäutigen. Menschen mit dunklem Hauttyp können dagegen bis zu 40 Minuten ohne zusätzlichen Schutz in der Sonne bleiben.

"Die Vorhersage bis heute Abend: UV-Index 6 - eine hohe UV-Intensität. Schutzmaßnahmen sind erforderlich. Sonnenbrand ist möglich nach 25 Minuten."

Der UV-Index kann immer nur Mittelwerte angeben, wie lange man sich der Sonne aussetzen darf. Man findet den Index im Internet oder über eine kostenpflichtige Telefonansage des Deutschen Wetterdienstes, in Deutschland für 11 unterschiedliche Regionen.

"Die Weltgesundheitsorganisation rät: Mittags den Schatten zu suchen. In der Sonne werden Hemd, Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung benötigt."

Der UV-Index wird vom Bundesamt für Strahlenschutz und vom Umweltbundesamt ermittelt. Experten fordern seit langem, dass er in den normalen Wetterbericht aufgenommen wird. Bisher vergeblich - und das bedauern Hautärzte, die auf einen fatalen Trend hinweisen:

"Wir haben eine Steigerung von Hautkrebs jedes Jahr von 7 - 10 Prozent, und die Patienten werden immer jünger."

... sagt Dermatologe Eggert Stockfleth, der auch das Hauttumorzentrum der Charité leitet. Die Zunahme ist unstrittig Folge von zuviel Sonneneinwirkung. Der Sonnenbrand ist schon ein "letzter Hilfeschrei" der Haut, denn bereits bei etwa einem Drittel der Strahlendosis, die zu einer Hautrötung führt, treten erste Veränderungen des Erbguts auf. Und das summiert sich ganz langsam, der Hautkrebs selbst tritt erst 20 bis 30 Jahre später auf.

"Sie müssen sich das vorstellen wie ein Sonnenkonto: Sie zahlen permanent auf dieses Konto ein, da holt Ihnen nur leider niemand mal was ab, wenn Sie da früh genug anfangen, vor allen Dingen in der Kindheit, und Sonnenbrand ist vor allen Dingen ein viel zu vieles Einzahlen auf dieses Sonnenkonto, erleiden Sie recht früh Ihren Hautkrebs."

"Man sollte leichte, weite Kleidung tragen, einen Hut aufsetzen, der auch das Gesicht, die Ohren und den Nacken bedeckt, und ein Sonnenschutzmittel verwenden, das mindestens den Lichtschutzfaktor 15 hat."

... rät Werner Nording, Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz.

"Für Erwachsene gilt die Faustregel, nicht mehr als 50 Sonnenbäder pro Jahr zu machen, Kinder unter zwei Jahren sollten gar nicht der Sonne ausgesetzt werden. "

Das wichtigste Sonnenschutzmittel ist der Blick auf die Uhr! Und in südlichen Ländern soll man sich so verhalten wie die Einwohner: die heiße Mittagssonne vollständig meiden.

Sonnencremes sind ein Notbehelf, für Menschen entwickelt, die in der Sonne arbeiten müssen. Längst aber werden sie oft als Freibrief missverstanden, stundenlang in der Sonne braten zu können.

"Der Lichtschutzfaktor, der draufsteht, gibt Ihnen eigentlich nur den Schutz im UV-B-Bereich an. Er gibt Ihnen sogar eine Pseudosicherheit, Sie denken, Sie sind geschützt und können unbeschwert in die Sonne. Sie brauchen unbedingt ein Sonnenschutzprodukt, was im UV-B und im UV-A-Bereich filtert, genau das, was die EU seit Anfang des Jahres vorgibt."

Und der Lichtschutzfaktor sollte mindestens doppelt so hoch sein wie der aktuelle UV-Index. Doch wer nach zwei Wochen Urlaub mit einer halb vollen Flasche Sonnenmilch zurück kommt, hat garantiert alles falsch gemacht - nicht umfassend ein und ausreichend nachgecremt. Das gilt auch nach dem Schwimmen - wirklich wasserfeste Sonnencremes gibt es nicht!

Falschinformationen und Irrtümer rund um den Sonnenbrand gibt es noch mehr.

Im Wasser bekommt man keinen Sonnenbrand.

Falsch! UV-Strahlen wirken noch bis zu einem halben Meter unter Wasser. Und die Tropfen auf der Haut sind wie ein Brennglas.

Unter einem Sonnenschirm oder im Baumschatten ist man ausreichend geschützt.

Falsch! Die UV-Strahlen treffen aus allen Richtungen auf den Körper. Sand und Wasser reflektieren sie, Wolken oder Staubpartikel in der Luft lenken die Strahlen ab - bis zu 60 Prozent der UV-Strahlung finden einen auch im Schatten.

Man kann sich vor der Reise im Solarium auf das Sonnenbaden vorbereiten.

Besonders falsch - und eine Steilvorlage für den Hautarzt Eggert Stockfleth:

"Also das Vorbräunen von Solarien ist völliger Quatsch. Weil, in den Solarien kommt viel UV-A-Strahlung raus, das heißt sie geht tief in die Unterhaut rein, also gar nicht in die Oberhaut, und das Problem ist dass 98 Prozent unserer Sonnenstudios in Deutschland nicht zertifiziert sind , das heißt, da ist kein ausgebildetes Personal, die gucken nicht, welcher Hauttyp Sie sind. Wir haben das hier mal in Berlin gemessen, dass in einem durchschnittlichen Sonnenstudio Sie etwa die Sonnenstrahlen abbekommen, die Sie am Äquator mittags um 12 abbekommen - mal zwei! "

Und wenn's doch passiert ist, man sich einen Sonnenbrand geholt hat, lindert Kühlung wie bei allen Entzündungen ein wenig, etwa mit kalten Umschlägen. Bei starken Schmerzen, Blasenbildung, Schwindelgefühl, Fieber und Schüttelfrost oder Übelkeit sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden, denn dies sind Anzeichen für einen "Sonnenstich", bei dem das gesamte Immunsystem angegriffen ist.

Besser also, 62 Cent auszugeben:

"Bitte nennen Sie uns das Bundesland, für das Sie den Wetterbericht hören möchten. - Piep"

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