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StartseiteUmwelt und VerbraucherGefahr durch geruchloses Gift07.11.2016

RadonGefahr durch geruchloses Gift

Das radioaktive Element Radon ist ein geruchloses, natürlich vorkommendes Gas. Es steigt aus dem Erdreich auf, kann über undichte Keller ins Haus gelangen und damit die Gesundheit der Bewohner gefährden. Denn Radon ist ein wesentlicher Risikofaktor für Lungenkrebs. Energiesparsanierungen können die Radonkonzentration auch beeinflussen.

Von Michael Lang

Ein Arbeiter sitzt auf einem Bau-Gerüst und montiert Styropor-Platten an einer Hausfassade.  (Armin Weigel / dpa)
Paradox: Nach Energiesparsanierungen kann sich die Radonkonzentration durch weniger Luftaustausch deutlich erhöhen. (Armin Weigel / dpa)
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Radon Radioaktives Gas belastet das Erzgebirge

Alle fünf Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch an den Folgen einer Radonbelastung – Todesursache: Lungenkrebs. Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt fest: Weltweit liefert Radon den mit Abstand größten Beitrag zur Strahlenbelastung der Bevölkerung.

Bronchialkarzinome können entstehen

Über die Atemwege gelangt das Gas in die Lunge. Vor allem die Zerfallsprodukte von Radon sind dabei gefährlich, denn sie lagern sich im Körper ab und schädigen Zellen. Viele Studien zeigen übereinstimmend, dass so Bronchialkarzinome entstehen können. Raucher sind besonders gefährdet.

Die Weltgesundheitsorganisation hat ein Handbuch über Lungenkrebsrisiken durch Radon in Innenräumen erstellt. Empfohlen werden nicht mehr als 100 Becquerel pro Kubikmeter als höchstzulässige Radonkonzentration in Gebäuden.

Prof. Hajo Zeeb ist Epidemiologe am Leibniz-Institut. Als solcher untersucht er Verursacher von Krankheiten in der Bevölkerung. Er hat das Radon-Handbuch der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben.

"Rauchen ist der Hauptrisikofaktor und danach kommt gleich Radon als zweiter wesentlicher Lungenkrebsrisikofaktor für die Bevölkerung. Das ist halt so, dass das Risiko linear ansteigt, das heißt, mit jeder Radonkonzentration nimmt das zu. Und bei 100 ungefähr, bei 100 Becquerel pro Kubikmeter, gehen wir davon aus, dass das Risiko um circa 15 Prozent zunimmt. Da das Risiko mit jeder zunehmenden Konzentration weiter ansteigt, ist das Risiko drei mal so hoch, wenn man kontinuierlich längere Zeit 300 gegenüber 100 ausgesetzt wäre."

Zu Radonkonzentrationen in Wohnräumen gibt es in Deutschland derzeit keine gesetzlichen Regelungen. Dementsprechend gibt es auch keine verbindlichen Referenzwerte, wann Sanierungsmaßnahmen durchzuführen sind. Man kann – muss aber nicht sanieren.

So gelangt das unsichtbare radioaktive Edelgas vielfach über undichte Fundamente, über Risse im Mauerwerk und sogar Rohrleitungen zuerst in Kellerräume. Auch die oberen Geschosse können belastet sein, wenn sich Radon nämlich über Treppen, undichte Geschossdecken oder Kabelkanäle dorthin ausbreitet. Paradox: Nach Energiesparsanierungen kann sich die Radonkonzentration durch weniger Luftaustausch deutlich erhöhen.

Entscheidend ist die Radonkonzentration im Gebäude

Bundesweit ist etwa jedes zehnte Haus von einer erhöhten Konzentration betroffen. Besonders in Süddeutschland, im Mittelgebirge, in Sachsen, aber auch in Teilen Nordrhein-Westfalens gibt es erhöhte Radonvorkommen. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Menschen in diesen Regionen automatisch besonders gefährdet sind. Entscheidend ist die Radonkonzentration in einem Gebäude. Je nach Bauweise, Alter und Zustand variiert diese.

Auch in Gegenden mit geringerem natürlichem Radonvorkommen kann sich in der Wohnung oder im Büro eine hohe Radonbelastung bilden. Dagegen kann man aber etwas tun, erklärt Hajo Zeeb:

"Gegen Radonkonzentrationen kann man was tun, das ist die erfreuliche Nachricht. Und das geht bei Neubauten so, dass man von vornherein Häuser so baut, dass kein Radon eindringen kann und bei vorhandenen Bauten gibt es viele Maßnahmen, um das Radoneindringen zu verringern."

Eine neue EU-Richtlinie soll den Strahlenschutz der Bevölkerung nun verbessern. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, zum ersten Mal einen nationalen Referenzwert für die Radonkonzentration in Innenräumen festzulegen. Dieser Wert darf 300 Becquerel pro Kubikmeter nicht überschreiten. Dieser Wert ist drei mal so hoch, wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

Das Bundesministerium für Umwelt erarbeitet derzeit den Gesetzentwurf für das neue Strahlenschutzrecht. Wie hoch ist darin der Referenzwert? 300 oder 100 Becquerel? Das Ministerium schlägt 300 Becquerel vor und schreibt:

"Ich vertrete ganz klar, dass es schon anstrebenswert wäre, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um diese niedrigeren Referenzwerte – also konkret 100 Becquerel pro Kubikmeter anzustreben. Ein bisschen ärgert es mich schon, weil hier – im Vergleich zu anderen Situationen – sehr gute Daten auf der Hand liegen. Die Daten sagen: 100 Bequerel wäre empfehlenswert."

Jeder kann übrigens die Radonkonzentration in Räumen selber nachmessen. Die Messung dauert ein bis drei Monate und die Instrumente kosten rund 100 Euro.

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