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StartseiteForschung aktuellWas 1864 mit der H. L. Hunley geschah25.08.2017

Rätsel um Mini-U-Boot gelöstWas 1864 mit der H. L. Hunley geschah

Um Charleston von den Nordstaaten zu befreien, befestigten Südstaaten-Soldaten gegen Ende des amerikanischen Bürgerkrieges mithilfe eines U-Bootes eine Bombe an der USS Housatonic. Der Dreimaster sank - doch auch das U-Boot verschwand. Jetzt haben US-Forscher das Rätsel um die H.L. Hunley gelüftet.

Von Michael Stang

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Das Foto zeigt die geborgenen Reste des U-Bootes H. L. Hunley, das im amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt wurde. (dpa-Bildfunk / AP / The Post And Courier / Michael Pronzato)
Das Foto zeigt die geborgenen Reste des U-Bootes H. L. Hunley, das im amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt wurde. (dpa-Bildfunk / AP / The Post And Courier / Michael Pronzato)

"1864 - am Ende des amerikanischen Bürgerkrieges - wollten die Südstaaten die Stadt Charleston in South Carolina befreien, die schon lange von der Nordstaatenmarine belagert wurde. Mithilfe des U-Boots H. L. Hunley befestigten Soldaten der Südstaaten an der 62 Meter langen USS Housatonic eine Bombe mit 60 Kilogramm Schwarzpulver und zündeten sie per Leine. Der Dreimaster sank innerhalb von fünf, sechs Minuten, das U-Boot aber wurde danach nie mehr gesehen."

Niemand wusste, was mit dem zwölf Meter langen U-Boot und der achtköpfigen Besatzung passiert war. Augenzeugenberichten zufolge hatte die Besatzung der Hunley angeblich vereinbarungsgemäß durch das Abbrennen einer blauen Magnesiumfackel signalisiert, dass die Mission geglückt war. Doch das Boot blieb bis zu seiner Entdeckung 1995 verschwunden, so Rachel Lance von der Duke University in Durham. Nach der Bergung im Jahr 2000 wollte die Ingenieurin die Unglücksursache herausfinden. Die Leichen wurden untersucht. Und zur Überraschung aller waren sie nahezu unversehrt und befanden sich an den üblichen Gefechtspositionen. Im vergangenen Jahr hatte die Forscherin bewiesen, dass die Crew nicht erstickt sein konnte, denn Anzeichen eines Todeskampfes zeigte keiner der Leichname. Das Rätsel lösen sollte nun ein Experiment.

"Zuerst wollten wir das Ganze am Computer simulieren, aber Anbetracht des ganzen Schwarzpulvers und der Komplexität der ganzen Apparatur haben wir uns für einen kleinen Nachbau entschieden. Das Boot war eine perfekte Replik der H. L. Hunley."

Mit Mini-U-Boot Rätsel gelöst

Das zigarrenförmige Stahl-U-Boot mit Luken und Bullaugen im Maßstab 1:6 wurde zu Wasser gelassen. Dann stellten die Forscher die Szene vom 17. Februar 1864 nach.

"Wir haben Schwarzpulver genommen und vor dem U-Boot die Explosion nachgestellt. Wir haben die Auswirkungen nicht nur außen gemessen, sondern auch im Boot selbst, um die Stärke der Druckwelle zu erfassen.

Nach Auswertung aller Daten sei die Sache klar, so Rachel Lance. Der Tod der Seeleute sei aller Wahrscheinlichkeit nach sehr schnell eingetreten, denn die Schockwelle der Explosion habe das Boot schwer getroffen.

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Druckwelle stark genug war, die Seeleute schwer zu verletzen beziehungsweise direkt zu töten. Statistisch ausgedrückt hatte jeder Insasse eine 86 prozentige Wahrscheinlichkeit, unmittelbar an dem Druckwellentrauma zu sterben."

Augenzeugenberichte waren vermutlich falsch

Nach 148 Jahren ist nun also eines der größten Rätsel der amerikanischen Militärgeschichte gelöst. Die Augenzeugenberichte seien vermutlich falsch gewesen, so Rachel Lance, zumindest habe von der Besatzung niemand mehr eine blaue Fackel abbrennen können. Damit hat die Männer ein Schicksal ereilt, das sich bereits zuvor abgezeichnet hatte. Denn die Mission verdiente definitiv die Bezeichnung Selbstmordkommando: Vor ihrem letzten Einsatz war die H.L. Hunley bereits zweimal havariert, dabei waren insgesamt 17 Männer gestorben, darunter auch der Namensgeber Horacy L. Hunley. Doch auch der wagemutige Einsatz der dritten Besatzung und das erfolgreiche Versenken eines 1.240-Tonnen-Schiffes half den Südstaaten nicht viel. Charleston wurde ein Jahr später von den Unionstruppen endgültig eingenommen.

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