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StartseiteForschung aktuellRätselhafte Felszeichnungen15.06.2007

Rätselhafte Felszeichnungen

Deutsche Archäologen untersuchen Geoglyphen von Nasca

Archäologie. - In das Weltkulturerbe wurden sie 1994 aufgenommen, die Felslinien von Nasca. Spekuliert wird über die rätselhaften Zeichnungen aber schon viel länger. Wer waren ihre Schöpfer? Welchem Zweck dienten sie? Ist das Ganze eine Art riesenhafter astronomischer Kalender? Sind es Zeichen für die Götter? Oder gar Landebahnen für Außerirdische? Seit einigen Jahren ist eine interdisziplinäre Gruppe von Archäologen, Geologen, Physikern und Anthropologen dem Rätsel mit modernsten wissenschaftlichen Methoden auf der Spur. Auf einer Konferenz in Bonn, die heute zu Ende geht stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Von Kay Müllges

Die Bodenzeichnungen der Nasca-Kultur, die so genannten Geoglyphen, faszinieren auch noch nach 1500 Jahren. (Deutsches Archäologisches Institut)
Die Bodenzeichnungen der Nasca-Kultur, die so genannten Geoglyphen, faszinieren auch noch nach 1500 Jahren. (Deutsches Archäologisches Institut)

Entdeckt wurden die rätselhaften Felslinien von Nasca und Palpa erst in den zwanziger Jahren von Postfliegern die die unwirtliche Wüste im Süden Perus überflogen. Die Menschen, die sie vor 2500 bis 1000 Jahren schufen, mussten dafür jede Menge Steine umdrehen, erklärt Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut:

"Wir haben in der Region von Nasca, das sind also die Täler im Norden, um Palpa, wo wir arbeiten und die Täler weiter unten um Nasca, große Hochflächen, Schotterflächen, auf deren Oberfläche ein Wüstenpflaster liegt. Wüstenpflaster aus dunklen Steinen. Und wenn man diese Steine beiseite räumt, dann kommt darunter ein helles Sediment zu Tage. Und diesen Farbunterschied haben sich die prähistorischen Bewohner der Region zu Nutze gemacht, um die Geoglyphen anzulegen."

Geoglyphen, das ist der wissenschaftliche Fachbegriff für diese oft kilometerlangen Linien und Formen. Um dem Geheimnis der Geoglyphen und ihrer Erbauer auf die Spur zu kommen bedienten sich die Wissenschaftlerunterschiedlichster Methoden. Geowissenschaftler der ETH Zürich haben das ganze Gebiet überflogen und mehr als 95 Prozent der uralten Felsbilder gescannt. Als Ergebnis dieser Arbeit gibt es jetzt erstmals ein beinahe komplettes, virtuelles 3-D-Modell der Zeichnungen. Geografen der Universität Heidelberg rekonstruierten die Klimageschichte der Region und konnten nachweisen, das das Gebiet im Laufe der letzten 2500 Jahre sukzessive immer trockener wurde. Das deckt sich mit den Befunden der Archäologen, die mit ihren Grabungen belegen können, dass die Menschen sich immer mehr entlang der weniger werdenden Flussoasen ansiedelten. Alles zusammen ergibt einen neuen Blick auf das Rätsel. Die Geoglyphen so die These der Forscher wurden gebaut als Ritualorte an denen die Menschen die Götter um Wasser und Fruchtbarkeit anflehten. Unklar blieb allerdings ob die Geoglyphen auch wirklich aus der Zeit stammten, die die Forscher vermuten. Den fehlenden physikalischen Beweis erbrachte Günther Wagner von der Universität Heidelberg, mit einer an seinem Institut entwickelten Methode: der optisch stimulierten Lumineszenz. Wagner:

"Das ist ein Datierungsverfahren von Gesteinen und Sedimenten. Es beruht auf dem Prinzip der Lumineszenz, das ist also ein kaltes Leuchten, wie man es von der Fernsehröhre kennt. Und dieses Leuchten wird erzeugt durch die so genannte ionisierende Strahlung, die wird erzeugt beim Zerfall von Thorium, Kalium und Uran. Das sind alles Elemente die in geringen Konzentrationen in den Gesteinen vorkommen und auf einem sehr geringen Level radioaktive Strahlung produzieren."

Einige Mineralien im Gestein verändern unter dem Einfluss dieser Strahlung nach und nach ihre atomare Struktur. Sobald die Steine mit Licht in Berührung kommen wird die Veränderung jedoch wieder rückgängig gemacht. Die Atome im Gestein ordnen sich wieder in ihrer ursprünglichen Struktur an, die physikalische Uhr springt also gewissermaßen wieder auf Null und beginnt von neuem zu ticken. Auf diese Weise kann man messen, wann die Steine das letzte Mal mit Licht in Berührung kamen. Günther Wagner:

"Wir gehen dann nachts ins Gelände, heben die Steine im Dunkeln an und bohren die Unterseite, die also dunkel geblieben ist, seit dem letzten Bewegen dieser Steine. Und wenn das letzte Bewegen der Steine, der Bau der Geoglyphen ist, dann haben wir sie damit datiert."

Einziger Nachteil der Methode: nicht nur das Sammeln der Steine, auch die Bearbeitung im Labor, muss in völliger Dunkelheit erfolgen. Hier bringen die Forscher die Steine mit speziellen Methoden zum Leuchten. Je intensiver der Stein leuchtet, desto länger hat er gelegen. Und tatsächlich: die ältesten Proben waren 2500 Jahre, die jüngsten 1000 Jahre alt. Auch wenn noch längst nicht alle Rätsel von Nasca gelöst sind, ein Stück ist die Forschung weitergekommen.

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