Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteCampus & KarriereWettrennen zu den Geldtöpfen?28.06.2017

Ranking für britische HochschulenWettrennen zu den Geldtöpfen?

Die britische Regierung hat die Hochschulen des Landes bewertet: Wer beim neuen Ranking gut abschneidet, darf die ohnehin schon hohen Studiengebühren weiter erhöhen. Das Verfahren ruft Kritiker auf den Plan - zumal die Kriterien für die Bewertung nicht alle überzeugen.

Von Sandra Pfister

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Blick auf die Universität Cambridge in Großbritannien mit der King's College Chapel und dem Clare College (picture-alliance/ dpa)
Blick auf das Clare College in Cambridge: Bei dem neuen Hochschulranking schnitten viele Elite-Uni überraschend schlecht ab. (picture-alliance/ dpa)
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Der BBC-Moderator John Humphreys wirkt ehrlich überrascht: Viele der Elite-Universitäten des Landes schneiden in der Lehre nur mittelmäßig oder schlecht ab.

"Liverpool, die London School of Economics: Beide zählen zu unseren besten Universitäten – aber nicht in der jüngsten von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie."

Ein Anreiz, die Lehre zu verbessern

Nur acht der 21 Universitäten, die in der sogenannten Russell Group zusammengeschlossen sind, der Liga der britischen Elite-Universitäten, liegen bei der Lehre in der Spitzengruppe. Drei landen dagegen sogar in der schlechtesten Kategorie. Hochschulminister Jo Johnson kommentiert diese Entzauberung:

"Wir wussten schon lange, dass es für britische Universitäten zu wenig Anreize gibt, die Qualität ihrer Lehre zu verbessern - im Gegensatz zu den Anreizen im System, die Forschung zu verbessern. Das Teaching Excellence Framework hat zum ersten Mal Anreize für die Unis geschaffen, sich wirklich auf die Lehre zu fokussieren und das, was für Studierende dabei herauskommt."

Lob von den "Sieger-Unis"

Insgesamt haben fast 300 britische Hochschulen beim Teaching Excellence Framework mitgemacht. Davon landete ein Drittel in der höchsten Kategorie, Gold, die Hälfte bekam die Einstufung Silber, und bei knapp einem Fünftel wurde deutlicher Verbesserungsbedarf attestiert. Rückendeckung erhält die Regierung für ihre Studie von "Sieger-Unis" wie der University of Exeter. Deren Vize-Kanzler für die Lehre, Tim Quine, lobt den Mut der Regierung.

"Das ist ein ehrgeiziges Regierungsprojekt und das erste Mal, dass ein Land versucht hat, die Qualität der Lehre zu messen."

Die Hochschulen, die weniger brillant abgeschnitten haben, verhalten sich bislang ruhig. Nur der Vizekanzler der Uni Southampton sagte, seine Hochschule werde dagegen klagen. Das Argument: Die Erhebung habe sich gar nicht auf die Qualität der Lehre fokussiert.

Zweifel an den Kriterien

Stimmt das? Tatsächlich wurde in den Fragebögen offenbar lediglich die allgemeine Zufriedenheit der Studierenden abgefragt. Außerdem wurde die Abbrecherquote nach einem Jahr angeschaut und auch, welche Jobs Absolventen ein halbes Jahr nach dem Abschluss hatten. Experten wie Nick Hillman, Direktor des Bildungs-Thinktanks Higher Education Policy Institute, bemängeln, dass das Teaching Excellence Framework zwar eine Menge nützlicher Dinge messe, nicht aber das, was wirklich im Hörsaal passiere. Das kritisiert auch die Vize-Vorsitzende der größten britischen Studierendenvertretung, der National Union of Students, Sorana Vieru.

"Die Erhebung sagt nichts über die Qualität der Lehre, sie zeichnet ein falsches Bild. Lehrqualität hat ganz verschiedene Gesichter. Und wenn man einfach allen Unis die gleiche Matrix überstülpt und das zu vereinfachen versucht, und ihnen Gold, Silber und Bronze verpasst, als ob Hochschulausbildung die Olympischen Spiele wären, dann ist das wirklich lächerlich."

Hochschulen sollen sich wie Unternehmen aufstellen

Doch dieses Ranking gibt den Universitäten, die mit einer Goldmedaille in der Lehre prahlen können, einen Blanko-Scheck. Sie dürfen ab 2020 die Studiengebühren erhöhen: von 9.000 auf 10.000 Pfund, das sind umgerechnet etwa 13.000 Euro. Zugleich aber sollen die britischen Unis, weil sie sich mehr und mehr wie Unternehmen aufstellen sollen, Gelder sparen. 16 Hochschulen bäten ihre Mitarbeiter schon jetzt darum, freiwillig weniger zu arbeiten oder früher in Rente zu gehen, sagt Sorana Vieru.

"Die Universitäten werden mehr und mehr der Karotte hinterherjagen, dass sie Studiengebühren erhöhen dürfen, wenn sie eine Goldmedaille in der Lehre kriegen. Und sie werden gleichzeitig eher Abstriche beim Personal machen, als sich reinzuhängen, um das Problem langfristig zu lösen."

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